Stimme+
Vor Saisonauftakt
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Personal-Probleme bei Freibädern im Raum Heilbronn: Lage angespannt

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Stadtwerke Heilbronn werben per Flyer um Rettungsschwimmer für die Beckenaufsicht. Manche Badeanstalt in der Region Heilbronn muss auch in diesem Jahr die Öffnungszeiten reduzieren. 


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

„Du bist unsere Rettung!“ lautet passend der Slogan auf dem Flyer, mit dem die Stadtwerke Heilbronn Personal suchen. Für welchen Bereich, das wird durch das Foto – eine junge Frau in rotem Badeanzug und Shorts mit Trillerpfeife und Rettungsring deutlich – und den weiteren Text: „Wir suchen dich als Rettungsschwimmer für die Freibad-Saison 2025.“ Die Stadtwerke wollen Erwachsene, die kein DLRG-Rettungsschwimmabzeichen in Silber und keinen Erste-Hilfe-Nachweis haben, aber dennoch Interesse an der Tätigkeit, beim Erwerb unterstützen. Denn Jahr für Jahr bereitet es Kommunen und Bäderbetreibern Probleme, Fachangestellte für Bäderbetriebe und Rettungsschwimmer für die Beckenaufsicht zu finden. Teilweise müssen sogar Öffnungszeiten eingeschränkt werden.

Das gilt zum Beispiel für Leingarten, wie Hauptamtsleiter Philipp Burzynski berichtet. Zu Beginn der Saison, die am 17. Mai eingeläutet wird, bleibt mittwochs das Freibad geschlossen. An den anderen Tagen wird es morgens später geöffnet, abends früher zugemacht. Statt von 8 bis 20 Uhr sind die Öffnungszeiten zunächst von 9 bis 19 Uhr. 

Suche nach Freibad-Personal in Leingarten: Offene Stelle konnte nicht mit Fachkraft besetzt werden

Zwar hat Leingarten die offene Stelle besetzen können, jedoch nicht wie gewünscht mit einem Fachangestellten für Bäderbetriebe, sondern „nur“ mit einem Rettungsschwimmer, der in den technischen Bereich erst eingewiesen werden müsse. Deswegen soll sich diese zweite Vollzeitkraft – es gibt noch eine weitere 80-Prozent-Stelle, einen Rettungsschwimmer und einige Minijobber als Beckenaufsicht – erst einmal einarbeiten.

Das Mineralfreibad Oberes Bottwartal hat seinen Pool an Festangestellten für die anstehende Saison 2025 besetzt. Bei der Beckenaufsicht leisten Rettungsschwimmer des TGV Beilstein, des DRK und der DLRG Oberstenfeld wertvolle Dienste. Deshalb gibt es keine Einschränkungen beim Angebot und den Öffnungszeiten.
Das Mineralfreibad Oberes Bottwartal hat seinen Pool an Festangestellten für die anstehende Saison 2025 besetzt. Bei der Beckenaufsicht leisten Rettungsschwimmer des TGV Beilstein, des DRK und der DLRG Oberstenfeld wertvolle Dienste. Deshalb gibt es keine Einschränkungen beim Angebot und den Öffnungszeiten.  Foto: Archiv/privat

Burzynski hofft, dass die Einschränkungen – „bestenfalls beide“ – Ende Juni wieder aufgehoben werden können. Er setzt  auf das Verständnis der Badegäste, zumal es in den umliegenden Freibädern auch Kürzungen gebe. Lauffen startet erst am 16. Mai in die Saison, zwei Wochen später, reduziert Öffnungszeiten und das Angebot des Frühschwimmens. Ein Schritt, zu dem sich der Gemeinderat im Februar gezwungen sah, stieg 2024 doch das Defizit für das Freibad Ulrichsheide auf 620.000 Euro.

Einschränkungen in Heilbronner Freibädern Gesundbrunnen und Kirchhausen

Auf ihrer Homepage preisen die Stadtwerke Heilbronn – telefonisch war niemand der Führungsetage erreichbar – zunächst wegen der späten Sommerferien eine verlängerte Saison vom 1. Mai bis 14. September an. Dies gilt  nur für das Freibad Neckarhalde, nicht für die Freizeiteinrichtungen Gesundbrunnen und Kirchhausen, die erst ab 16. Mai besucht werden können. Obwohl sich die Personallage durch Rekrutierungsmaßnahmen stabilisiert habe, fehle es in diesen beiden Freibädern an Aufsichtskräften. Das wirkt sich in kürzeren Öffnungszeiten von 14 bis 20 Uhr aus. Erst in den Sommerferien ist Einlass ab 10 Uhr. 

„Wir waren auf der Suche und sind auf der Suche“, sagt Alexander Preuss, Kämmerer von Bad Friedrichshall. Bisher erfolglos. Zwei von drei Vollzeitkräften fehlen weiterhin für die Freibadsaison, die am 1. Mai beginnt. Deshalb werde sich die Stadt eines Personaldienstleisters bedienen. Für Preuss eine Notlösung, nicht nur, weil das etwas teurer sei. Eigene Angestellte würden sich mehr mit dem Freibad identifizieren, hätten oft persönliche Kontakte zu den Badegästen und bessere Kenntnisse von der Einrichtung. 

Waldfreibad in Wüstenrot: Personalvermittlung soll helfen

Wüstenrot arbeitet mit einer Personalvermittlung zusammen, hat sie doch die freigewordene Stelle des Fachangestellten für Bäderbetriebe noch nicht besetzen können. Seit September ist die Gemeinde auf der Suche, deshalb leistet jetzt der Bauhof mit einem Technikteam die Vorbereitungen auf die Saison. Die startet im unbeheizten Waldfreibad später als anderswo, erst am 29. Mai.

Gute Nachrichten aus Neckarsulm: Für das Sportbad und das Freibad in Obereisesheim gelten die regulären Öffnungszeiten ohne Einschränkungen. Der Eigenbetrieb Aquatoll könne mit dem verfügbaren Personalbestand den Badebetrieb abdecken, teilt die Pressestelle der Stadt mit. Los geht es im Ernst-Freyer-Bad am 1. Mai. Die Vorbereitungen für die Saison haben in diesem Monat begonnen. 

„Die Festbesetzung haben wir, so dass wir gut durch die Saison kommen“, vermeldet Christine Schächer, Verwaltungsleiterin des Zweckverbands Mineralfreibad Oberes Bottwartal. Weitere Rettungsschwimmer als Verstärkung der Stammmannschaft sind erwünscht. Die gemeinsame Badeanstalt von Oberstenfeld und Beilstein, die in diesem Jahr das 50. Jubiläum feiert, könne dank der Unterstützung der Vereine – TGV Beilstein, DRK und DLRG Oberstenfeld – ab 1. Mai Frühschwimmen und die üblichen Öffnungszeiten beibehalten. Die Kooperation verlaufe reibungslos, freut sich Schächer.

Freibäder sind ein Zuschussbetrieb. 180.000 Euro mussten die Kommunen Beilstein und Oberstenfeld für das Mineralfreibad Oberes Bottwartal bei rund 180.000 Besuchern 2024 drauflegen. Verwaltungsleiterin Christine Schächer peilt das dauerhafte Ziel an, unter 150.000 Euro Defizit zu bleiben. Dazu soll die jetzt installierte PV-Anlage beitragen. „Wir nähern uns leider langsam der Million an“, berichtet Bad Friedrichhalls Kämmerer Alexander Preuss von ganz anderen Dimensionen. Auch Leingarten mit 51.522 Badegästen 2024 musste rund 292.000 Euro drauflegen. In Lauffen waren es sogar 620.000 Euro. 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben