Die Sommerferien stehen vor der Tür, und Kinderferienprogramme haben in vielen Kommunen eine lange Tradition. In Orten mit hauptamtlichem Personal für die Kinder- und Jugendarbeit ist das Programm oft besonders umfangreich. So zum Beispiel auch in Ilsfeld, wo das Kinder- und Jugendreferat das Programm federführend übernimmt und rund 80 Veranstaltungen auf der Liste stehen. Wer auf der Suche nach sinnvoller und spaßiger Feriengestaltung für seinen Nachwuchs ist, kann auch im Internet fündig werden. Es gibt zahlreiche Webseiten mit guten Tipps, etwa www.eltern.de. Einen guten Überblick über Tagesausflugsziele und Aktivitäten in Baden-Württemberg gibt es auf www.familien-ferien.de.
Outdoor-Abenteuer statt Daddeln am Handy
Es gibt sie schon seit vielen Jahren, und es gibt sie in fast jeder Gemeinde: Kinderferienprogramme. Doch kann man im Zeitalter von Smartphones und Tablets Jungen und Mädchen noch mit Abenteuernachmittagen und Kletteraktionen von ihren elektronischen Geräten weglocken? Wir haben uns umgehört.

33 Programmpunkte hat die "Obersulmer Sommerferienzeit" für junge Menschen zwischen fünf und 17 Jahren. "Wir haben knapp 200 Anmeldungen", sagt Hannah Hopper, die im Rathaus das Ferienprogramm koordiniert. "Die Nachfrage ist über die Jahre in etwa gleichbleibend." Ein paar Programmpunkte sind im Lauf der Zeit sogar zu Klassikern geworden und jedes Jahr aufs Neue überbucht, daran ändern weder Snapchat noch Instagram etwas: zum Beispiel der Besuch der Schokowerkstatt bei Ritter Sport, wo die Teilnehmer ihre eigene Schokoladentafel herstellen können, oder der "Tolle Tag mit Fellnasen", den der Hundesportverein Obersulm ausrichtet. Auch Segeln auf dem Breitenauer See, veranstaltet vom Obersulmer Segelsportclub, sei immer gefragt, sagt Hannah Hopper. Andere Veranstaltungen wiederum sind nicht ausgelastet. Für sie kann man sich nachmelden.
Vereine bringen sich beim Ferienprogramm ein
Vielfach stemmen Vereine und örtliche Institutionen die Kinderferienprogramme. Auch in Obersulm ist das so. Ein Selbstläufer ist es aber nicht. "Ich musste schon ein bisschen rumfragen", sagt Koordinatorin Hopper. Nach den coronabedingten Ausfällen - 2020 gab es gar kein Ferienprogramm, 2021 und 2022 nur reduzierte Versionen - habe die Bereitschaft hier und da etwas nachgelassen.
Fast 100 Veranstaltungen umfasst das Ferienprogramm des Gemeindeverwaltungsverbandes "Raum Weinsberg". Es richtet sich an die Jungen und Mädchen aus vier Kommunen: Weinsberg, Eberstadt, Ellhofen und Lehrensteinsfeld. Aus jedem Ort sind Angebote dabei. Erstmals in diesem Jahr stehen allen Kindern alle Veranstaltungen offen, früher was das nach Orten getrennt. "Das wird super angenommen", sagt Isabel Steinert, die das GVV-Kinder- und Jugendreferat leitet und dort gemeinsam mit Anette Schmitt das Ferienprogramm verantwortet. Jeder einzelne Ferientag werde mit mindestens einem Programmpunkt abgedeckt - und die Nachfrage sei sehr gut. "380 Kinder haben sich angemeldet. Wir haben über 1800 Einzelanmeldungen."
Im Online-Buchungsportal ist auch eine Übersicht, welche Programmpunkte schon ausgebucht sind und wo man sich noch anmelden kann. Allzu viel ist nicht mehr frei. Selbst bei Aktivitäten mit vielen Plätzen, etwa der Nachmittag bei der Eberstädter Feuerwehr für 30 Jungen und Mädchen, ist der Balken rot: alle Plätze vergeben.
Klettern und Kanu fahren stehen hoch im Kurs
Besonders begehrt im GVV-Programm sind kreative Sachen wie töpfern in der Hasenmühle, vor allem aber auch solche, bei denen es zu Tieren oder raus in die Natur geht: "Ein Nachmittag in der Landwirtschaft" bei Familie Riedel in Lehrensteinsfeld zum Beispiel oder "Was wächst gerade auf den Feldern?" bei Familie Frank in Gellmersbach. Bei beiden ist der Balken rot. Gleich mehrfach ist der Weinsberger Waldkletterpark im Programm, alle Termine sind voll. Auch Kanufahren oder Wildspurensuche stehen hoch im Kurs. "Und alles mit Pferden", sagt Isabel Steinert. All diese Dinge haben nichts zu tun mit Zocken am PC oder Snaps posten. Sind die Kinder also besser als ihr Ruf? Klar, sagt die Leiterin des Jugendreferats. "Immer. Sowieso."
Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten
In Untergruppenbach sind "Nachfrage und Angebot ungebrochen hoch", sagt Bürgermeister Andreas Vierling. Hier ist es nicht anders wie im Weinsberger Tal: "Natur und Abenteuer stehen hoch im Kurs." Geradezu ein Klassiker in Untergruppenbach ist die Kartoffelernte. Der Nachmittag, an dem 20 Kinder lernen, Kartoffeln wie früher aus der Erde zu holen, ist längst ausgebucht. Ebenfalls hoch im Kurs steht "Wir bauen Strickleitern und eine Seilbrücke".
Auch in Untergruppenbach bringen sich im Ferienprogramm Vereine ein. Für Andreas Vierling ist das Ferienprogramm eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Viele Familien könnten es sich nicht mehr leisten, so lange in den Urlaub zu fahren wie früher. Da komme die Abwechslung gerade recht. "Für die Vereine ist es eine gute Möglichkeit, Nachwuchswerbung zu betreiben." Der Rathauschef ist übrigens auch jedes Jahr mit einem Programmpunkt dabei. Dieses Mal geht es in den Kletterpark nach Weinsberg. Ausgebucht natürlich.

Stimme.de
Kommentare