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Sport und Inklusion
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Offene Hilfen bieten Vereinen Beratung an

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Die Kickers der Offenen Hilfen Heilbronn trainieren auf dem Gelände der Union Böckingen – und Carsten Hummel, der Trainer, wünscht sich mehr solcher Kooperationen. Was Sport für seinen geistig behinderten Sohn Benett (17) bedeutet, erzählt er im Gespräch. 

Offene Türen bieten Sven Seuffert-Uzler und Carsten Hummel (von links) von den Offenen Hilfen an, wenn es um die Beratung von Sportvereinen geht. Sie sollen inklusiver werden.
Offene Türen bieten Sven Seuffert-Uzler und Carsten Hummel (von links) von den Offenen Hilfen an, wenn es um die Beratung von Sportvereinen geht. Sie sollen inklusiver werden.  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Carsten Hummel hat eine Vision. Er wünscht sich, dass die Kickers der Offenen Hilfen Heilbronn, seine Kickers, als Abteilung bei einem Sportverein unterkommen. Erste Annäherungen gibt es: Der Heilerziehungspflege und Vater eines 17 Jahre alten, fußballbegeisterten Jungen mit Downsyndrom steht mit der Union Böckingen in Kontakt. „Wir dürfen schon auf deren Gelände trainieren.“

Auch der Inklusionscup, an dem seit 2014 Spielerinnen und Spieler mit und ohne Handicap teilnehmen, findet im Stadion der Union statt. Der Inklusionscup ist eine Kooperation von Stadt- und Landkreis Heilbronn, Offene Hilfen, FC Union Heilbronn und Anpfiff ins Leben. Ansprechpartner ist Carsten Hummel. Selbstverständlich sind auch die OH-Kickers mit dabei: „Die Hälfte dieser Fußballmannschaft hat in einem Regelverein bei den Bambini angefangen zu kicken.“ Doch die gläserne Decke kam schnell.

Oh Heilbronn ist spezialisiert auf Arbeit mit Behinderten

Deshalb hat Carsten Hummel noch eine weitere Vision. Er wünscht sich, dass Sportvereine ihre Leistungsklassen nach unten aufmachen. Auch sein Sohn Benett habe bei den Bambini angefangen zu kicken. Dort konnte er trotz seiner Behinderung noch mithalten. „Doch ab der D-Jugend wird gesiebt“, sagt der Vater.

Nicht nur Kinder und Jugendliche mit Behinderung sitzen dann auf der Ersatzbank und verlieren die Lust: „Sie hören auf.“ Dem Verein gehen Mitglieder verloren. Carsten Hummel wünscht sich eine Stärkung des Breitensports. Beim Tennis sei es Gang und Gebe, dass nicht nur die Leistung, sondern vor allem auch der Spaß am Sport und an der Bewegung eine Rolle spielten: „Mein Papa spielt mittlerweile Ü80.“

Den Vereinen würde er am liebsten zurufen: „Schaut zu, dass Ihr Eure Mitglieder behaltet und siebt nicht nach Leistung aus.“ Die Offenen Hilfen würden bei den Vereinen gerne ihre Erfahrung anbieten, betont OH-Geschäftsführer Sven Seuffert-Uzler. Auch sein Sohn Moritz, heute 13, wurde mit Trisomie21 geboren. „Zwischen ihm und Benett liegen aber Welten“, sagt Seuffert-Uzler.

Menschen mit Behinderung sind keine homogene Gruppe

Während Benett sein Leben nach dem Sport ausrichte und dienstags schon frage, ob man am Samstag nach dem Training wieder Döner essen gehe, so Hummel, bräuchte Moritz im Sport einen Assistenten, der ihn antreibe. Dabei ist Sport ein Erlebnis in der Gemeinschaft. Wenn schon im Zuschauerraum eine Atmosphäre der Toleranz herrschen würde, würde sich der OH-Geschäftsführer schon freuen: „Wenn ich zum Ringen gehe, bin ich oft der einzige mit einem Kind mit Beeinträchtigung.“ 

Menschen mit Behinderung sind keine homogene Gruppe. Die einen brauchen eine 1:1-Betreuung, andere können alleine Bus fahren und artikulieren, welchen Unterstützungsbedarf sie haben. „Es ist unglaublich, wie unterschiedlich sie sind“, sagt Carsten Hummel.

Für Schulungen von Übungsleitern gibt es unter Umständen Fördermittel

Sven Seuffert-Uzler wünscht sich trotzdem, dass Vereine in ihrer Ausrichtung Menschen mit Behinderung mitdenken, „dass sie sagen, hier ist Platz für alle“. Als Offene Hilfen könne man viel dazu beitragen, Berührungsängste abzubauen. Konkret könne man beraten, sogar ein eigenes Schulungsprogramm schnüren für Übungsleiter, die inklusiv arbeiten wollen. „Dafür gibt es sogar Fördermittel.“

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