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Neue Lärmschutzwand an der B27 in Offenau: Einige Anwohner fühlen sich nicht angehört

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Entlang der B27 könnte in Offenau eine neue, vom Bund bezahlte Lärmschutzwand gebaut werden. Doch dafür braucht es das Einverständnis der Anwohner. Nicht alle sind dazu bereit. Was steckt dahinter?


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Es ist ein Problem, das Gemeinde und Anwohner in Offenau (Landkreis Heilbronn) schon länger begleitet und beschäftigt: der Verkehrslärm der Bundesstraße 27. Mit mindernden Maßnahmen versucht man seit Jahren entgegenzusteuern, beispielsweise mit Tempolimits, Kreisverkehren, Lärmschutzfenstern oder -wänden. Eine weitere Wand soll nun entlang der Südseite der B27, an der Jagstfelder Straße zwischen Badstraße und der Straße Unter der Kaiserpfalz, gebaut werden – das sorgt in der Gemeinde für Gesprächsstoff. Denn die Maßnahme könnte zwar bald umgesetzt werden. Doch dafür braucht es das Einverständnis der Anwohner. Nicht alle sind dazu bereit. 

Lärmschutzwand in Offenau: Warum Türen dabei eine wichtige Rolle spielen

Thema ist das Ganze auch in der jüngsten Gemeinderatssitzung, in der Michael Folk betont, dass die Kosten für den Bau der Lärmschutzwand zu 100 Prozent vom Bund getragen würden. „Das ist völlig atypisch für die Zeit“, sagt der Offenauer Bürgermeister und richtet seine Worte dann direkt an einige Anwohner, die zur Sitzung gekommen sind. 

Entlang der Jagstfelder Straße soll eine neue Lärmschutzwand entstehen. Dafür braucht es das Einverständnis aller Anwohner.
Entlang der Jagstfelder Straße soll eine neue Lärmschutzwand entstehen. Dafür braucht es das Einverständnis aller Anwohner.  Foto: Mario Berger

„Wir haben viel diskutiert. Ich kann Ihnen nur sagen: Die Gemeinde hat kein Geld für irgendwas“, sagt Michael Folk und meint damit vor allem eine Sache: Türen. Diese gibt es aktuell als Ein- beziehungsweise Ausgänge auf einigen Grundstücken, genau dort, wo die neue Lärmschutzwand entstehen soll. Beim Bau müsste man diese Türen, wenn gewünscht, neu in die Wand einsetzen. Das Problem: Die Kosten würden vom Bund nicht übernommen und müssten von den Grundstückseignern selbst getragen werden. Folk appelliert dennoch: „Nutzen Sie die Gelegenheit.“

Gemeinderat Offenau: Angebot vom Bund ist „unerwarteter Lottogewinn“ 

Zur Umsetzung der Maßnahme braucht die Gemeinde das Einverständnis von allen Anwohnern. Deshalb möchte die Verwaltung zeitnah mit Gestattungsverträgen für die Bebauung der Grundstücke auf die betroffenen Eigentümer zugehen. „Wenn Sie nicht unterschreiben, dann ist die Vereinbarung so schnell tot, wie sie ins Leben gerufen wurde“, sagt Folk, der (er)klärende Gespräche ankündigt und auch eine mögliche Infoveranstaltung in der Saline ins Spiel bringt. Aber noch einmal betont: „Wenn Sie eine Tür wollen, müssen Sie die selbst bezahlen. Das klingt hart, aber entspricht der Realität.“ 

Das Angebot vom Bund sei für die finanzklamme Gemeinde ein „unerwarteter Lottogewinn“, sagt Gemeinderat Roland Häfele (FWV). Man habe das Projekt lange schieben müssen, eine Finanzierung von Gemeindeseite wäre in der aktuellen Situation unmöglich. „Wenn man mit Anwohnern hinter Lärmschutzwänden spricht, hört man viele zufriedene Stimmen“, sagt Jürgen Kowol (FWV), der betont, dass man das Lärmkonzept der Gemeinde mit der Wand fast abschließen könne.

Was Anwohner in Offenau zur neuen Lärmschutzwand sagen

Doch was sagen die Anwohner dazu? „Die Lärmschutzwand ist etwas Tolles, wir finden das gut“, sagt eine Frau, die in der anliegenden Clemenshaller Straße lebt, ihren Namen aber nicht in den Medien lesen möchte. „Die Hecken, die wir haben, reichen nicht aus“, sagt sie und spricht von vielen Autofahrern, die sich nicht an das vorgegebene Tempo 30 halten würden, von lauten Motorrädern und aufheulenden Motoren an der Tankstelle. „Ich hoffe, dass die Wand eine Erleichterung bringen wird“, sagt die Anwohnerin. Doch dann kommt das Aber.

Denn bei ihr ist eine besagte Tür am Ende des Grundstücks. „Diese Tür wird von uns besonders im Sommer regelmäßig genutzt. Ob man einkaufen geht oder Gartenabfälle weg-bringt.“ Einen alternativen Weg lasse das Grundstück nicht wirklich zu. „Ich würde die Tür sogar teilweise bezahlen, aber möchte nicht die kompletten Kosten übernehmen“, sagt die Frau, die betont, dass Nachbarn ähnliche Probleme hätten.

Thema Lärmschutzwand wird Offenau noch eine Weile beschäftigen

Und nun? Den Gestattungsvertrag der Gemeinde will sie nicht direkt unterschreiben, sagt die Anwohnerin. Im Gegenteil: Sie habe sich mit einer E-Mail an den Bund als Träger gewandt mit der Bitte, die Thematik noch einmal mit den Anwohnern zu besprechen. „Ich finde es schade, dass die Gemeinde uns keine Möglichkeit mehr bietet, dazu etwas zu sagen“, so die Offenauerin.

„Es wurde nicht angefragt, wie viele Anwohner überhaupt eine Tür benötigen, oder was das kosten würde. Das Thema wurde ausgegessen.“ Sie fühle sich „nicht ins Boot geholt und angehört, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt“. Ob das Projekt nun ins Rollen kommt, ist erst einmal offen. Das Thema Lärmschutzwand wird die Gemeinde noch eine Weile beschäftigen.  

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