Die Stadt Weinsberg hat in jüngerer Vergangenheit etliche neue Kinderbetreuungsplätze geschaffen. Aber es reicht noch nicht. Nach Auskunft des zuständigen Amtsleiters Klaus Seber wird im Herbst mit der Erweiterung des Eugen-Diez-Kindergartens begonnen. Zwei Krippengruppen für jeweils zehn Kinder entstehen. Da der Anbau in Modulbauweise entsteht, wird es wohl recht flott gehen: Im Frühjahr soll die Krippe bezugsfertig sein. Geschätzte Baukosten: Rund 3,5 Millionen Euro. Mitten in der Planung ist laut Seber die viergruppige Kita im Gebiet "Spitzäcker". "2026 soll sie in Betrieb gehen."
Neuer Parkkindergarten in Weinsberg beliebt: "Kinder ganze Zeit im Freien"
Wer diese Einrichtung der Stadt Weinsberg besucht, muss sich schmutzig machen dürfen. Vor einigen Wochen ist der Parkkindergarten gestartet. Was ist das Besondere am neuen Angebot?

Für Lars ist die Sache klar. "Ich bin hier der Bauarbeiter!", sagt der drei Jahre alte Junge und steckt sich ein längliches Stück Holz in die Seitentasche seiner Hose. Er hat fleißig geholfen, die Hackschnitzel auf dem Weg zu verteilen, der im Parkkindergarten verläuft. Als Nächstes will er ein Holzhäuschen bauen. "Damit Vögel dort einziehen können." Lars ist immer im Einsatz und eines der ersten acht Kinder der neuen kommunalen Einrichtung unter freiem Himmel - oder besser gesagt unter den Kronen von Apfel-, Quitten-, Kirsch- und Pflaumenbäumen und Fichten.
Zwar gibt es auch ein 90 Quadratmeter großes Blockhaus samt Veranda - es würde prima nach Skandinavien passen und riecht innen wunderbar nach Holz - aber es wird nur genutzt, wenn es mal ganz arg stürmt oder sehr heiß ist. Im Normallfall spielt sich der komplette Kindergartenalltag - er dauert hier von 7.30 bis 13.30 Uhr - draußen ab. Es gibt immer was zu entdecken auf dem 16,5 Ar großen städtischen Obstbaumgrundstück nahe des Ziegeleiparks.
Nachfrage nach Parkkindergarten in Weinsberg ist groß
Seit Mai ist der Parkkindergarten in Betrieb. Klaus Seber, im Rathaus zuständig für das Thema Kinderbetreuung, rechnet damit, dass die 20 Plätze der ersten Gruppe bis zum Sommer 2025 komplett belegt sind. Die Nachfrage sei groß, und deshalb geht der Amtsleiter davon aus, dass eine weitere Gruppe geschaffen wird. "Wir werden sie wohl brauchen." Ein zweites Blockhaus steht bereits, ist aber noch nicht ausgestattet.
Das pädagogische Konzept des Parkkindergartens beschreibt Klaus Seber so: "Es ist eine Art Waldkindergarten light." Der Waldkindergarten im Brühltal erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit. Der Grundgedanke der beiden Einrichtungen ist laut Marianne Hagmann, Kindergartenfachberaterin der Stadt Weinsberg, derselbe: "Die Kinder sind die ganze Zeit im Freien."
Doch zum "Waldkindi" sind Kinder und Erzieherinnen jeden Morgen erstmal eine halbe Stunde zu Fuß unterwegs. Der Parkkindergarten hingegen liegt vergleichsweise zentral hinter dem Eugen-Diez-Kindergarten und an der Stadtbahn. Hier wie dort wird mit dem gespielt, was die Natur bietet, wobei es im Wald doch noch mal etwas anderes ist. Dort kann zum Beispiel ein Sofa aus Ästen gebaut werden. Hagmann: "Auch die Geräuschkulisse im Wald ist ganz anders."
Kinder und Erzieherinnen haben im Parkkindergarten Hochbeete bepflanzt
Jede Menge zu tun gibt es aber auch im Parkkindergarten. Gleich nebenan ist ein Feuchtbiotop. "Dort sind gerade viele Frösche", sagt Einrichtungsleiterin Sarah Weiberle. Sie und Kollegin Gabriele Marschang haben mit den Kindern auch schon zwei Hochbeete bepflanzt. Jetzt sind alle gespannt, ob Gurken, Paprika, Tomaten und Zwiebeln auch gut wachsen. Und wie lange es wohl dauert, bis der Tunnel aus Weiden grün wird.
"Das Naturkonzept gefällt mir"
Die beiden Erzieherinnen sind von herkömmlichen Kitas in den naturnahen Kindergarten gewechselt - und bereuen es nicht. "Das Naturkonzept gefällt mir. Die Kinder sind entspannter, und es ist ruhiger. Ich fühle mich wohl", sagt Sarah Weiberle. Schlechtes Wetter sei kein Problem. "Es wird genutzt zum Matschen."
Auch wenn die Jungen und Mädchen nach Herzenslust auf dem eigens angelegten Dreckberg buddeln und graben, durchs Gebüsch stromern und ihre Freiheit genießen dürfen: Eine feste Tagesstruktur und Rituale sind trotzdem wichtig. Dazu gehört zum Beispiel der Morgenkreis um 11 Uhr. Nur sitzen die Kinder nicht auf Stühlen, sondern auf kleinen Holzstämmen. Und das WC besteht im Parkkindergarten nicht aus der üblichen Kloschüssel, sondern aus einer Kompostiertoilette, deren Inhalt der Baubetriebshof entsorgt.
Entscheidender Vorteil gegenüber herkömmlichen Kitas
Während Paula (6) im Sandkasten mit der Schaufel einen Hügel anhäufelt und die drei Jahre alte Matilda mit den Händen das Äußere glatt streicht, erläutert Amtsleiter Klaus Seber einen entscheidenden Vorteil von Kindergärten in der Natur gegenüber herkömmlichen Kitas: Der Parkkindergarten habe knapp 300.000 Euro gekostet. "Eine reguläre Kitagruppe kostet zwischen einer und 1,5 Millionen Euro."
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