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"Nichts ging mehr": Oberstenfeld, Beilstein und Umgebung vier Tage ohne Netz

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Von Donnerstagabend bis Montag fiel in Teilen von Oberstenfeld, Beilstein und Umgebung Mobilfunk, Festnetz und das Internet aus. Was über die Ursache bekannt ist.

Von Bernd Günther

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„Nichts ging mehr, absolut nichts.“ Heike Wurst, Betreiberin eines Pferdehofs in Prevorst, kann es noch immer nicht fassen: Mehrere Tage seien sämtliche digitalen Kommunikationsnetze gestört gewesen. „Von Donnerstagabend an war alles lahm, bei allen in Prevorst“, sagt Wurst.

Vier Tage ohne Netz: In Oberstenfeld und Umgebung fiel jegliche Kommunikation komplett aus

Mobilfunk, Festnetztelefon und Internet funktionierten nicht. Nicht nur Prevorst , der Ortsteil von Oberstenfeld, sondern auch die Bürger in den übrigen Teilen der Gemeinde soll die Netzstörung getroffen haben. Zudem sollen auch in Beilstein, Spiegelberg und Aspach die Verbindungen gekappt oder massiv eingeschränkt gewesen sein.

Die Suche nach Mobilfunknetz oder Internetverbindung war in Teilen von Oberstenfeld und Umgebung vier Tage lang massiv beeinträchtigt. Die Betreiberin eines Pferdehofs fühlte sich vom Rest der Welt abgeschnitten.
Die Suche nach Mobilfunknetz oder Internetverbindung war in Teilen von Oberstenfeld und Umgebung vier Tage lang massiv beeinträchtigt. Die Betreiberin eines Pferdehofs fühlte sich vom Rest der Welt abgeschnitten.  Foto: Julian Stratenschulte

Knapp vier Tage lagen die Kommunikationsnetze darnieder. Vier Tage kein Mobilfunk, Telefon und keine Internetverbindung – quasi abgeschnitten vom Rest der Welt. „Unvorstellbar ist das heuzutage“, sagt Heike Wurst. Auf ihrem landwirtschaftlichen Pferdehof, den sie mit ihrem Mann Roland Göpfert betreibt, haben sie die Abhängigkeit von der elektronischen Kommunikation voll zu spüren bekommen. Der Hof ist auf weiter Flur, autark und getrennt von der übrigen Siedlung gelegen. „Wir haben niemand erreicht und waren für niemanden erreichbar“, so Wurst.

Leitungsschaden durch Bauarbeiten: NetCom BW nennt Ursache für Netzausfall

Zum Auslöser des Netzabrisses gibt es jedoch nebulöse Informationen. Der Anbieter der digitalen Infrastruktur, die NetCom BW GmbH, bestätigte auf seiner Homepage unter der Rubrik Störungen und Wartungsarbeiten den Vorfall. Das EnBW-Tochterunternehmen mit Sitz in Ellwangen hat sich auf den Auf- und Ausbau einer glasfaserbasierten digitalen Infrastruktur im ländlichen Raum Baden-Württembergs spezialisiert.

Der Anbieter von Telekommunikation und Internet für Privathaushalte und Unternehmen verwies allerdings auf eine Störung in einem Leitungsabschnitt, den NetCom BW von einem externen Drittanbieter gepachtet habe. Bei Brückenarbeiten habe ein Glasfaserstrang verlegt werden müssen, dabei seien Glasfaser durchtrennt und offenbar wieder falsch zusammengefügt worden, sagt ein NetCom-Sprecher. Der Betreiber des betroffenen Leitungsabschnittes wollte den Schaden beheben. Dies sei aber erst am Montagnachmittag gelungen.

Der Mobilfunkast auf dem Stocksberg sei längere Zeit ausgefallen, räumt Mobilfunkbetreiber Vodafone ein. Das Unternehmen NetCom berichtet zudem von einem Kabelschaden.
Der Mobilfunkast auf dem Stocksberg sei längere Zeit ausgefallen, räumt Mobilfunkbetreiber Vodafone ein. Das Unternehmen NetCom berichtet zudem von einem Kabelschaden.  Foto: Christoph Dernbach

Mobilfunkmast auf dem Stocksberg fiel aus: Vodafone meldet getrennte Störfälle

Welche Dimension die Störungen in Oberstenfeld, Beilstein, Spiegelberg und Aspach tatsächlich hatte, scheint jedoch unklar. So räumte der Mobilfunkanbieter Vodafone auf Anfrage ein, dass die Anbindung des Mobilfunkmastes auf dem Stocksberg bei Beilstein von Samstag bis Montag ausgefallen sei. Rund 390 Mobilfunkkunden seien von dem Ausfall vor Ort betroffen gewesen.

Der Vodafone-Sprecher verwies jedoch darauf, dass es sich angesichts der unterschiedlichen Zeitfenster um zwei getrennte Störfälle handeln müsse, wenn auch das Festnetz und Internet betroffen gewesen seien.

„In Beilstein sind wir wohl noch gut weggekommen“

Tatsächlich gibt es auch unterschiedliche Darstellungen von Bürgern aus den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn. „Von dem Ausfall haben wir im Rathaus überhaupt nichts mitbekommen“, sagte so eine Sprecherin der Gemeinde Oberstenfeld. In der Verwaltungsstelle habe alles funktioniert und Beschwerden, Hinweise oder Nachfragen habe es auch nicht gegeben. Lediglich durch das private Umfeld habe man von Ausfällen des Internets gehört, räumt die Sprecherin ein.

„In Beilstein sind wir wohl noch gut weggekommen“, sagt auch Kevin Bannasch, der Kommandant der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr. Es habe keine Hinweise auf Störungen gegeben und der Notruf habe funktioniert, so Bannasch zum  Informationsstand der Brandschützer. Auch im Rathaus von Beilstein sei man nicht über eine etwaige Störung informiert gewesen. „Bei uns lief alles wie gewohnt“, so Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld.

Sorgen, weil kein Kontakt zu pflegebedürftigen Eltern

Anders jedoch in Prevorst: Pferdehof-Betreiberin Heike Wurst blieb nichts anders übrig, als mit dem Auto mehrere Kilometer in die Umgebung zu fahren, um mit dem Handy wieder eine Verbindung zum Rest der Welt zu finden. Dass das Festnetz und somit auch die Notfall-Nummern nicht gingen, habe sie schon verunsichert, sagt Wurst. Freunde von ihr seien zudem sehr besorgt gewesen, weil sie keinen Kontakt zu ihren pflegebedürftigen Eltern gehabt hätten.

Die vier Ausfalltage hätten schon sehr deutlich gemacht, wie man von der Telekommunikation abhängig sei, bestätigt Heike Wurst. Andererseits habe man begonnen, die Zeit wieder mit anderen Dingen zu nutzen. Auch ihrer Tochter sei es während der handyfreien Zeit so ergangen, sagt Wurst und fügt hinzu:  „Eigentlich waren die Tage auch sehr entspannt.“

Das meint die Bundesnetzagentur

Eine mehrtägiger Ausfall von Telefon, Internet, Fernsehen und Mobilfunk liege durchaus noch im „Normalbereich“, sei also nicht als ungewöhnlich anzusehen. So wird der Vorfall von der Bundesnetzagentur in Bonn bewertet, die als Infrastrukturbehörde auch über die Telekommunikationsnetze und deren Betreiber wacht. Bei Störungen müssten sich Kunden stets zuerst an ihren Anbieter der jeweiligen Telekommunikationsdienste wenden. Diese seien nach Gesetz jedoch verpflichtet, eine Störung unverzüglich und unentgeltlich zu beseitigen. Gelingt dies nicht können Verbraucher eine Ausfallentschädigung verlangen. Die Höhe der Entschädigung staffelt sich nach der Zahl der Ausfalltag. Die Bundesnetzagentur informiert im Verbraucherportal auf ihrer Internetseite www.bundesnetzagentur.de ausführlich über die Ansprüche der Bürger. beg

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