Stimme+
Staustufen am Neckar
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Wie Wasser Strom erzeugt: So funktioniert das Kraftwerk in Lauffen

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

An den Staustufen in Lauffen betreibt die Neckar AG ein Wasserkraftwerk. Rund 8000 Haushalte werden darüber mit Strom versorgt. Doch Trockenheit und Regenfälle beeinflussen den Pegelstand.

Die zwei Turbinen im Generatorenhaus. Peter Bernhardt ist als Teamleiter bei der Neckar AG auch für das Laufwasserkraftwerk in Lauffen verantwortlich.
Die zwei Turbinen im Generatorenhaus. Peter Bernhardt ist als Teamleiter bei der Neckar AG auch für das Laufwasserkraftwerk in Lauffen verantwortlich.  Foto: Berger, Mario

Tausende Jahre ist es her, dass der Mensch begann, die Kraft fließender Gewässer für sich zu nutzen. Wasserkraft ist eine der ältesten Formen der Energiegewinnung – und umwelt- und ressourcenschonend noch dazu. Das ist Peter Bernhardt wichtig. „Man nutzt, was da ist. Das macht stolz“, sagt der Teamleiter bei der Neckar AG, dem Betreiber des Kraftwerks in Lauffen.

Das laute Brummen der Turbinen erfüllt den Maschinenraum. Zehn Meter sind sie hoch und 60 Tonnen schwer. Pro Sekunde fließen 18 Kubikmeter Wasser hindurch, möglich sind bis zu 90. Zuverlässig wird hier das gesamte Jahr über Strom erzeugt. Im Vergleich zu Photovoltaik und Windkraft sei Wasser die stabilere Art der Erzeugung, erklärt Bernhardt. Denn der Fluss ist immer da und fließt stetig.

Wasserkraftwerk in Lauffen versorgt Staustufen mit Strom

„Viele Leute wissen gar nicht, dass es in Lauffen ein Wasserkraftwerk gibt“, sagt Peter Bernhardt. Das Generatorenhaus fügt sich in die Architektur ein, als sei es Teil des Wehrs. Und so falsch ist diese Annahme nicht. Die Stromerzeugung, erklärt der 57-Jährige, ist nur das Abfallprodukt. Das erste Ziel ist die Regulierung des Wasserpegels für die Schifffahrt. Zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter. Das Geld, das durch den übrigen Strom eingenommen wird, fließe direkt wieder in den Neckarausbau.

„Im Prinzip versorgen wir die Staustufen komplett mit Strom“, erklärt Roland Schmoll, der als Fachleiter für die Technik zuständig ist. Zwei Turbinen sind im Generatorenhaus in Lauffen untergebracht. Durch die Vollverkleidung ist vom inneren Vorgang nichts zu sehen, aber anhand einer technischen Zeichnung rekonstruiert Peter Bernhardt die Funktionsweise.

Historie der Neckar AGDie Neckar AG gründete sich 1922 mit der Aufgabe, den Neckar auszubauen sowie Laufwasserkraftwerke an den Staustufen zu errichten und zu betreiben. Heute ist das Unternehmen zu 82 Prozent eine Tochter der EnBW. Allein ihre Kraftwerke am Neckar erzeugen jährlich rund 544 Gigawattstunden Strom. Damit können etwa 136 000 Haushalte versorgt werden.

Funktionsweise erklärt: So funktioniert das Wasserkraftwerk in Lauffen

Das Wasser wird an der Schleuse gestaut, über die Flügel der Schraube reguliert und ins sogenannte Unterwasser abgeführt. Dabei fällt das Wasser fast acht Meter tief und treibt das Laufrad an. „Durch den Drehmoment wird Strom erzeugt“, erläutert er. Man müsse sich das vorstellen wie einen Fahrraddynamo, allerdings bleibe die Drehzahl immer gleich. Physikalisch wird die mechanische Bewegungsenergie des Wassers in elektrische Energie umgewandelt. Im Jahr sind das 31 000 Megawattstunden – genug, um 8000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Pro Jahr werden so rund 26 000 Tonnen CO² eingespart.

Roland Schmoll im Kontrollraum des Lauffener Kraftwerks.
Roland Schmoll im Kontrollraum des Lauffener Kraftwerks.  Foto: Berger, Mario

Vorsicht bei Dreck im Wasser: Hausmüll im Neckar könnte der Turbine schaden

Bevor das Neckarwasser allerdings durch die Turbine gedreht wird, muss es sauber sein. Sonst nimmt die Anlage Schaden. Eine vollautomatisierte Rechenreinigungsmaschine fischt Zweige und Schwemmgut heraus. „Da ist auch viel Hausmüll, den Leute im Neckar abladen“, kritisiert Bernhardt. In der grauen Masse schwimmt buntes Plastik wie Flaschen, Kanister und Folien. „Wir haben schon ganze Dixiklos herausgezogen.“ Das Schwemmgut wird sortiert und recycelt. Äste und Holz werden zu Pellets verarbeitet.  

Das 1942 in Betrieb genommene Laufwasserkraftwerk in Lauffen ist eins von insgesamt 18, für die Peter Bernhardt zuständig ist. Sie befinden sich am Neckar und den Nebenarmen Kocher, Jagst und Enz. Fünf Mitarbeiter sind wechselnd an den Anlagen zugange. „Die Zeiten, in denen jedes Kraftwerk ständig besetzt war, sind vorbei“, sagt Schmoll. Die Maschinen laufen automatisiert, die Steuerung per Computer. „Die Standorte werden in der zentralen Steuerwarte überwacht.“ Die befindet sich in Eberbach-Rockenau und ist im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr besetzt. Vom Kontrollraum in Lauffen haben Mitarbeiter ebenfalls Zugriff auf alle Systeme – und können im Notfall reagieren.

Wetterextreme nehmen zu: Trockenheit und Regen beeinflussen Neckar-Pegel

Die klimabedingten Wetterextreme wie Trockenheit und Starkregen sind in der Wasserkraft deutlich spürbar, schildert Peter Bernhardt. Punktueller Platzregen könne im Neckar gut weitergeleitet werden, aber die Kraftwerke an den kleineren Gewässern stießen an ihre Grenzen. „Technisch ist das gar nicht zu schaffen“, meint der Teamleiter. „Viele denken, bei Hochwasser machen wir mehr Strom, aber das stimmt nicht“, gibt Bernhardt zu bedenken. Denn dann sinkt die Fallhöhe, ohne die keine Stromerzeugung möglich sei.

„Jetzt haben wir gerade wenig Wasser im Neckar“, erklärt er mit Blick auf den Fluss. „Es regnet einfach nicht.“ Sinkt der Pegelstand zu stark, fährt das Wasserkraftwerk die Leistung herunter. „Früher haben wir das nie gehabt, aber in den letzten Jahren kam das öfter vor“, sagt Bernhard, der seit 1990 bei der Neckar AG ist. Besonders in den Nebenarmen werde vorrangig nach dem Wohl der Fische entschieden, erklärt er. Natur- und Tierschutz stehe über der Wirtschaftlichkeit. 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben