Tele-Medizin, personallose Supermärkte: Ideen für die Nahversorgung in Zaberfeld
Eine Heilbronner Forschungsgruppe hat untersucht, wie die Bürger in ländlichen Kommunen für den täglichen Bedarf ausgestattet sind. Ein Fallbeispiel war Zaberfeld. Besonders die älteren Bürger stehen unkonventionellen Lösungen noch weitgehend ablehnend gegenüber.

Wer auf dem Land lebt, ist meistens auf ein Auto angewiesen. Die Wege zum nächsten Supermarkt sind häufig weit, und der ÖPNV ist unzureichend ausgebaut. Das ist eine Entwicklung, die sich in Zukunft weiter verstärken könnte. Kleine Lebensmitteleinzelhandelsgeschäfte in Deutschland sind in den vergangenen Jahren von knapp 29.000 auf 8.000 zurückgegangen.
„Die Zahlen sprechen für sich“, sagte Nathalie Alischer vom Fraunhofer-Institut in Heilbronn in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats im Zaberfelder Rathaus. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sabrina Pletz vom Institut Logwert der Hochschule Heilbronn war sie zu Gast, um die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Ländnah“ vorzustellen, das die Versorgung im ländlichen Raum untersucht. „Wir haben Zaberfeld mit ähnlich großen Kommunen verglichen“, erklärte Nathalie Alischer. So zählten auch Steinheim an der Murr und Eisenbach (Schwarzwald) zu den Fallstudien.
Nahversorgung in Zaberfeld: Bürger sind weitgehend zufrieden
In Fragebögen konnten die Bewohner Angaben zu ihren täglichen Einkaufsgewohnheiten, der Mobilität und Dienstleistungen machen. Insgesamt rund 160 Zaberfelder hätten teilgenommen – für Bürgerbefragungen dieser Art eine durchschnittliche Quote, betonte Nathalie Alischer.
Zaberfeld stehe grundsätzlich gut da bei der Versorgung, und die Zufriedenheit sei insgesamt gut. Abstufungen gebe es bei den Teilorten. So sei der nächste Supermarkt von Michelbach aus zwei Kilometer entfernt. In Ochsenburg und Leonbronn hätten sich immerhin mobile Einkaufsmöglichkeiten wie ein Rollender Supermarkt etabliert. Durchschnittlich würden die Bürger fünf bis zehn Kilometer für den täglichen Bedarf zurücklegen.
Nicht nur der Ist-Zustand wurde untersucht, sondern auch mögliche Handlungsfelder wurden ausgearbeitet, um die Nahversorgung zu sichern. „Was wünscht sich die Bevölkerung, was ist aber auch möglich und was nicht?“, führte Alischer aus. Beispielsweise verwies sie auf personallose Geschäfte wie Automaten oder Tante-M-Läden. Laut ihrer Kollegin Sabrina Pletz hätte der Großteil der Befragten ablehnend darauf reagiert.
Ideen für die Zukunft: So könnte Zaberfeld nachrüsten
Ein weiterer Baustein ist der Verkehr. „Was die Mobilität angeht, gibt es Entwicklungspotenzial“, sagte Alischer. Ein Weg wäre etwa eine höhere Taktung bei den Fahrtzeiten. Damit einher gehe aber auch ein hoher Aufwand.
Immer wieder werde die Forderung nach einem Bürgerbus laut, ergänzte Bürgermeisterin Diana Danner. Aber die rechtlichen Hürden und der personelle Aufwand seien hoch. In größeren Gemeinden sei das Projekt bereits gescheitert.
Ähnlich schwierig sieht es bei der gesundheitlichen Versorgung aus. Hier müsse künftig wohl verstärkt auf Tele-Medizin gesetzt werden, aber das umzusetzen sei nicht so einfach, betonte Nathalie Alischer: „Gerade bei der älteren Bevölkerung kann man nicht einfach sagen, ab jetzt findet die Sprechstunde digital statt.“
Jetzt könnten sich das viele Bürger noch nicht vorstellen, sagte auch Diana Danner. Aber: „Das wird auf kurz oder lang die Zukunft sein, gerade im ländlichen Raum.“
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