Mit Heißdampf gegen die Asiatische Hornisse
Asiatische Hornisse (Velutina) im Südwesten weiter auf dem Vormarsch - Heilbronner Verein hat jetzt Nestentferner ausgebildet. Wie Gartenbesitzer zur Bekämpfung der invasiven Inseltenart beitragen können.

Obwohl die Imker der Region mit ihren Bienenvölkern so gut wie lange nicht mehr durch den Winter gekommen sind, stellen sie sich auf eine schwierige Saison ein. Eine der größten Herausforderungen ist die weiterhin massiv zunehmende Ausbreitung der Asiatischen Hornisse (Velutina).
Die Bewohner eines Nests der invasiven Spezies vertilgen im Jahresverlauf bis zu 15 Kilogramm Muskelfleisch von Bienen, einheimischen Hornissen und anderen Insekten. Das entspricht, bezogen auf Bienen, einem Verlust von drei bis vier Völkern. Im letzten Jahr waren der Landesanstalt für Bienenkunde an der an der Uni Hohenheim 3314 Velutina-Nester gemeldet worden.
Die ersten Königinnen der Spezies Asiatische Hornisse bauen bereits ihre Gründungsnester
Die ersten Königinnen fliegen bereits durch die Landschaft, wie der Heilbronner Berufsimker Hans Rosen und Obmann im Bezirksimkerverein Heilbronn, versichert. Er selbst habe bereits einige Exemplare entdeckt, jedoch nicht einfangen können. Im Zabergäu, wo die Velutina aufgrund des relativ warmen Klimas seit einigen Jahren noch häufiger auftreten als in weiter nördlich und östlich gelegenen Teilen des Landes, stellen die Imker Locktöpfe auf, um die Asiatischen Hornissen zu fangen.
Landesweit wurden bereits 170 Primärnester gemeldet. Zum Vergleich: Im Jahr davor wurden im selben Zeitraum, also bis 27. April 2025, „nur“ 74 Primärnester gemeldet, wie die Velutina-Beauftragte der Landesanstalt für Bienenkunde, Carolin Rein, auf Anfrage mitteilt.
Deshalb sollten Gartenbesitzer Gründungsnester der Meldeplattform mitteilen
Die Landesanstalt bittet, genau wie Imkervereine und Bezirksimkerverbände, in diesen Tagen die Augen besonders offen zu halten und sowohl Einzelexemplare als auch Primärnester der Meldeplattform zu mitzuteilen. Primärnester bauen die Königinnen meist in für Menschen erreichbarer und einsehbarer Höhe, etwa unter Vordächern, an Schuppen oder in Hecken. Die Erstbehausungen der Königinnen sind kugelförmig und haben die Größe von Tennisbällen.
Die Landesanstalt stellt auf ihrer Homepage detaillierte Beschreibungen der Tiere und ihrer Behausungen sowie Fotografien zur Verfügung, um eine Verwechslung mit der geschützten heimischen Hornisse vorzubeugen. Die Bitte, nach Primärnestern zu gucken, ist auch deshalb so dringlich, weil die Völker später im Jahr Sekundärnester mit oft 50 Zentimetern Umfang hoch in den Baumkronen bauen. Dort können die Tiere nur sehr aufwändig bekämpft werden.
Das ist die Vermehrungsrate der invasiven Art, die zunehmend die Honigbiene gefährdet
Auch Patrick Schooler aus Brackenheim, Velutina-Fachberater beim Württembergischen Imkerverband, rät zur Eile: „Wenn man die Königin jetzt noch kriegt, erspart man sich viel Aufwand und Geld im Spätsommer“. Seiner Einschätzung nach vermehrt sich eine Königin in unseren Breiten im Verhältnis von eins zu sieben bis eins zu zehn.
Mittlerweile haben auch Mitglieder des Bezirksimkervereins Heilbronn von der Landesanstalt für Bienenkunde eine Ausbildung zum Nestentferner erhalten, wie der Vorsitzende Torsten Eberhard berichtet. „Wir haben momentan noch nicht das Equipment, aber wenn ja, dann legen wir los“, so der Vorsitzende des Vereins mit 350 Mitgliedern in Stadt- und Landkreis. Angedacht sei, eine Lanze anzuschaffen, mit deren Hilfe Heißdampf in das Nest gesprüht wird. Die Methode sei tierfreundlicher als der Einsatz von Aktivkohle und effektiver als CO2, das die Tiere nur betäubt.
In Hohenlohe auch schon erste Sichtungen
Eberhard geht davon aus, dass sich die invasive Art weiter ausbreitet. In wenigen Jahren seien auch die nördlichen Teile des Landkreises und Teile von Hohenlohe betroffen. Das wird von den Imkern vor Ort auch so gesehen. Wie der Bienenzuchtverein Hohenlohe – Öhringen mitteilt, wurde Ende September 2025 in der Öhringer Platanenallee ein Nest der Asiatischen Hornisse von einer Anwohnerin entdeckt.
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