Die Deutsche Meisterschaft im Männerballett wird vom Bundesverband Deutscher Männerballette (BvDM) organisiert und findet jedes Frühjahr statt. Bewertet werden Choreografie, Kostüme, Synchronität und Kreativität. Die nächste Meisterschaft findet am 25. April in der August‑Schärttner‑Halle in Hanau statt.
Mit 80 Jahren noch aktiv: Reinhold Bauer tanzt weiterhin im WFG-Männerballett
Reinhold Bauer ist seit fast 60 Jahren Teil des Männerballetts der Wimpfener Faschingsgesellschaft. Auch mit 80 steht er noch regelmäßig auf der Bühne – ob als Löwe, Clown oder blonder Vamp.

Wer Reinhold Bauer zum ersten Mal sieht, der kommt nicht auf die Idee, dass der Bad Wimpfener schon 80 Jahre alt ist. „Wenn man Sport macht und viel unter jungen Menschen ist, dann bleibt man auch fit“, erzählt er lächelnd. Der Sport beschränkt sich allerdings nicht nur auf Gymnastik, Krafttraining oder Waldläufe, die er regelmäßig unternimmt. Reinhold Bauer hat ein weiteres Hobby: Seit fast 60 Jahren – und damit seit der Premiere in der Kampagne 1966/67 – ist er Teil der Männerballett-Gruppe der Wimpfener Faschingsgesellschaft (WFG) und nach wie vor aktiv.
Die Bad Wimpfener Staufersternchen trainieren hart
Die Idee dazu kam ihm und dem WGF-Urgestein Karlheinz Hofmann am Stammtisch. „Wir wollten die Menschen zum Lachen bringen“, erinnert er sich. Damals sei es vor allem um die Show gegangen. Heute stehe die Akrobatik im Mittelpunkt. Spaß soll es aber weiterhin machen. Dafür trainieren die Mitglieder der Staufersternchen monatelang. Die Übungsstunden werden mit dem Handy festgehalten, damit jeder auch Zuhause an seiner Perfomance arbeiten kann.

Das war in den Anfangsjahren freilich noch anders. Genauso wie die Kostüme. „Die haben wir alles selbst gebastelt“, erzählt Bauer und zeigt auf ein Schwarz-Weiß-Bild. Er und die anderen Männer tragen schwarze Handschuhe, die bis über die Ellenbogen reichen, dazu Strumpfhosen und um die Hüfte drapierten Stoff, der wie ein Minirock wirkt. Auf Höhe der Brust sind aus Alufolie geformte BH-Schalen zu erkennen, auf dem Kopf Helme, die offensichtlich aus Fransengirlanden hergestellt wurden.
Die Ideen für die Kostüme gehen nie aus
Auf einem anderen Foto trägt der heute 80-Jährige ein kurzes Kleid und Strumpfband, die schlanken Beine in Richtung Kamera gestreckt. „Da kam es dann schon mal zu Verwechslungen“, erinnert er sich lachend an einen Altweiberfaschingsabend vor vielen Jahren. Im Laufe der Zeit setzte die Gruppe viele unterschiedliche Mottos um. Immer wieder standen sie als Clowns auf der Bühne, sehr viel öfter als Frauen verkleidet, manchmal auch als Weihnachtsmänner. Die Idee seien ihnen nie ausgegangen, sagt Reinhold Bauer.
„Wir wollten die Menschen zum Lachen bringen.“Reinhold Bauer
Trainiert wird die Gruppe heute von Petra Tomse, Julia Holzmann und Willy Ruckwied. Er selbst halte sich mittlerweile etwas zurück. „Das sollen die Jungen machen“, sagt der Vater von zwei Kindern, der seit über 50 Jahren mit seiner Frau Roswitha verheiratet ist. Gemeinsam mit ihr tanzte er früher auch Solonummern bei den WFG-Sitzungen. „Dass ich so fit bin, habe ich auch ihr zu verdanken.“ Die beiden reisen gern und viel. Auch mal nach Paris ins Lido, um sich Inspiration zu holen. Davon zeugen zahlreiche gerahmte Bilder an der Wand.
Pinguin, Flamingo, Löwe: Das aktuelle Programm steht im Zeichen der Tierwelt
Ein Foto der aktuellen Kampagne hängt dort bisher noch nicht. Diesmal steht das Programm der Staufersternchen ganz im Zeichen der Tierwelt: Pinguine, Flamingos und Katzen bevölkern die Bühne – mittendrin Reinhold Bauer als Löwe. Das rund 15-minütige Programm, unterlegt unter anderem mit Musik aus dem Film „König der Löwen“, kommt ohne Pause aus. In dieser Zeit wird durchgehend getanzt, es werden Hebefiguren gezeigt, und es wird sogar eine menschliche Pyramide gebildet. Mit Zugabe zeigen die momentan 13 Männer fast eine halbe Stunde, was in ihnen steckt.
Die Reaktion der Besucher? „Sie sind immer begeistert“, sagt Reinhold Bauer, dessen Augen beim Erzählen strahlen. Die Freude am Tanzen ist ihm anzumerken. Wie lange er noch weitermacht, weiß er nicht, das Männerballett nimmt allerdings viel Zeit in Anspruch. Und die Reisepläne des Ehepaars sind nach wie vor vielfältig. Demnächst geht es nach Thailand. Doch wer erst mit 77 Jahren in Rente geht, dem traut man auch auf der Bühne noch einige Kampagnen zu.
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