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Regierung beschließt Einsparungen
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Kürzungen bei Sprachkursen für Migranten alarmieren Heilbronner Volkshochschulen

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Weil die Bundesregierung zum Jahreswechsel die finanziellen Mittel für Sprachkurse gekürzt hat, gibt es nun kaum noch Angebote. Darunter leiden nicht nur Migranten.


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Einen „Job-Turbo“ wollte Bundeskanzler Olaf Scholz starten und damit geflüchtete Menschen schneller in Lohn und Brot bringen. Doch bevor der Turbo zündet, müssen die Männer und Frauen der deutschen Sprache mächtig sein. Das kostet Geld – und das fehlt zurzeit. Denn ein Haushaltsgesetz gibt es nach dem Bruch der Ampel nicht,  für die erforderlichen Integrations- und Sprachkurse waren im nicht mehr beschlossenen Entwurf ursprünglich nur noch 500 Millionen Euro vorgesehen.

Sprachkurse nach Ampel-Bruch – Volkshochschule Heilbronn wurde spät informiert

Mittlerweile hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags beschlossen, weitere rund 262 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Damit ist die Fortführung der Kurse laut dem Deutschen Volkshochschulverband bis Ende August 2025 zunächst gewährleistet, wenn auch in abgespeckter Form. Bisher lag das Jahresvolumen allerdings bei rund 1,1 Milliarden Euro. Die Anbieter der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gezahlten Kurse müssen trotzdem umdisponieren und ihr Angebot zusammenstreichen.

An der Volkshochschule Heilbronn waren ursprünglich sechs dieser Berufssprachkurse (BSK) für das erste Quartal geplant. Finanzierbar ist allerdings nun nur noch einer, sagt Inna Moskova. „Wir sind enttäuscht“, so die Abteilungsleitung des Deutschbereichs an der VHS. Erst am 19. Dezember sei man über die „geänderten Spielregeln“ informiert worden. Auch wenn sich die Richtung schon vorher angekündigt habe, seien die Details sowie die Auswirkungen erst kurz vor Weihnachten an die Verantwortlichen herangetragen worden.

Sprache ist - egal in welchem Land - der Schlüssel für den Arbeitsmarkt. Doch durch Kürzungen im Haushalt können die Anbieter der Kurse kaum noch planen und müssen ihr Angebot reduzieren.
Sprache ist - egal in welchem Land - der Schlüssel für den Arbeitsmarkt. Doch durch Kürzungen im Haushalt können die Anbieter der Kurse kaum noch planen und müssen ihr Angebot reduzieren.  Foto: Sven Hoppe

Einsparungen bei Sprachkursen in der Region: Diese Angebote trifft es besonders

Besonders betroffen sind die B2-Kurse, deren erfolgreiche Absolventen sich auf einem guten Niveau auf Deutsch unterhalten und auch komplexen Sachverhalten folgen können. Voraussetzung für eine Teilnahme sind diverse Zertifikate und vor allem eine vom Jobcenter ausgestellte Berechtigung für die Anmeldung. Die werde, so die Vermutung von Inna Moskova, wahrscheinlich kaum noch ausgestellt. „Wir dachten, wir werden überrannt mit Anfragen“, erzählt sie. Das sei allerdings nicht der Fall gewesen. Trotzdem gibt es die potenziellen Anwärter, schließlich haben im vergangenen Herbst zahlreiche Menschen die vorgelagerten Kurse abgeschlossen. „Sie sind die Leidtragenden“, sagt Moskova. 

Auch die VHS Neckarsulm bietet diese Kurse an. Geplant sei einer gewesen, den könne man ab 18. Februar auch mit 25 Teilnehmern realisieren, sagt Leiterin Daniela Deul. Eine zweite Veranstaltung hätten sie ohne Probleme füllen können. „Aber wir haben viele Anfragen, die wir nicht bedienen können.“ Auch aus anderen Landkreisen, teils aus Stuttgart. Der Bedarf sei generell hoch, doch die weitere Finanzierung steht in den Sternen. Die so wichtige Planungssicherheit ist passé. Denn generell habe das System immer sehr gut funktioniert, sagt Daniela Deul. „Wir müssen jetzt abwarten, wie sich alles entwickelt.“  

VHS Heilbronn: Anzahl der Sprachkurse für Migranten 2025 unsicher

Doch das könnte dauern, denn erstmal finden am 23. Februar Neuwahlen statt, dann folgen Koalitionsgespräche. Wo die Prioritäten der zukünftigen Bundesregierung liegen, wird sich noch herausstellen. Mit einer Finanzierungslösung für die Monate September bis Dezember 2025 wird erst nach der Konstituierung einer neuen Bundesregierung gerechnet.

Mindestens bis dahin hängen die Träger in der Luft. Im vergangenen Jahr bot die VHS Heilbronn 25 Sprachkurse für Migranten an. Einige davon laufen derzeit noch, weil sie auf ein Jahr angelegt sind. Wie viele es 2025 werden? Das wissen die Verantwortlichen derzeit nicht.

Sprachkurse auf C1-Niveau gibt es zurzeit gar nicht

Auch die an Veranstaltungen auf C1-Nivau Interessierten müssen vertröstet werden. „Diese Kurse werden gerade gar nicht mehr finanziert“, sagt Inna Moskova. Lediglich für Selbstzahler gibt es derzeit Angebote. Schlechte Nachrichten für Akademiker und die, die es mal werden wollen, denn der Nachweis muss in der Regel erbracht werden, wollen sie in ihrem Beruf arbeiten oder an Studium aufnehmen.  

Das sagt VHS-Geschäftsführer Hawighorst

Die VHS Heilbronn ist laut Geschäftsführer Peter Hawighorst der größte Anbieter der Berufssprachkurse in der Region. Normalerweise werden 25 Kurse angeboten, die aufbauend auf den Integrationskurs weiterführende Deutschkenntnisse mit besonderem Fokus auf die Anforderungen im Beruf vermitteln. Durch die ungewisse finanzielle Lage könne man dem hohen Bedarf und der großen Nachfrage nach diesen Kursplätzen „in keiner Weise gerecht werden“. Was in besonderem Maße bedenklich sei: Die Lehrkräfte, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten, „werden gezwungen, sich beruflich anderweitig zu orientieren. Wir laufen also Gefahr, sie dauerhaft für diese wichtige Aufgabe zu verlieren, wenn es nicht schnell gelingt, hier wieder Planungssicherheit zu schaffen.“ 

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