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Bad Friedrichshall-Plattenwald
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Mehr als 50 Nationalitäten zusammengebracht: Magnet-Jugendtreff-Leiter nun im Ruhestand

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Seit 1996 hat Artur Knaus in Bad Friedrichshall-Plattenwald viel erlebt. Um Vorurteile zwischen den Menschen abzubauen, hat der Jugendtreff-Leiter seine eigenen Wege gefunden.

Begeisterter Basketballspieler: Mit Teamsportarten gelang es Artur Knaus in fast drei Jahrzehnten, im Jugendtreff Magnet Menschen zusammenzubringen und Vorurteile zwischen den Kulturen abzubauen.
Begeisterter Basketballspieler: Mit Teamsportarten gelang es Artur Knaus in fast drei Jahrzehnten, im Jugendtreff Magnet Menschen zusammenzubringen und Vorurteile zwischen den Kulturen abzubauen.  Foto: Seidel, Ralf

Ein kalter Tag im November. Während es draußen nieselt, ist es im Kinder- und Jugendtreff Magnet in Bad Friedrichshall-Plattenwald gemütlich. Die meisten der gut 20 jungen Menschen spielen miteinander, unterhalten sich. Nur zwei 17-Jährige provozieren. Nachdem die Ermahnungen von Artur Knaus nicht fruchten, sagt der Jugendhausleiter: „Ihr dürft gehen.“ Und damit meint er alle Anwesenden, die er nun vorübergehend in den kalten Abend entlässt.

„Sieben Jahre später haben sich die Störenfriede bei mir entschuldigt“, berichtet Knaus. Offenbar hat der Abend bei den jungen Männern aus dem nördlichen Landkreis Heilbronn Eindruck hinterlassen und sie haben erkannt, dass sie den Unbeteiligten die Zeit vermiest haben. Knaus: „Sie haben über ihr Verhalten nachgedacht und daraus gelernt.“ Bei der verspäteten Entschuldigung hatte einer der beiden seinen Bruder dabei und gesagt: „Ich möchte, dass du in deiner Freizeit ins Magnet zu Herrn Knaus gehst.“

Multi-Kulti: Menschen aus 59 Nationen in Bad Friedrichshall-Plattenwald

Fast 29 Jahre – von Sommer 1996 bis Frühjahr 2025 – war Artur Knaus Leiter des Jugendhauses, das er auch gegründet hat. Die Herausforderung: Im Plattenwald, dem jüngsten Stadtteil Bad Friedrichshalls, lebten damals Menschen aus 51 unterschiedlichen Nationen. Heute sind es 59. Aufgrund der unterschiedlichen Hintergründe entstehen soziale Spannungen. Die gilt es, abzubauen. Möglichst in frühem Alter.

Knaus stammt aus Usbekistan, spricht Russisch, versteht Ukrainisch: „Wenn man dieselbe Sprache spricht, ist das eine ganz andere Situation.“ Die Sprache, die alle Menschen sprechen und anspricht, unabhängig von ihrer Herkunft, ist für den heute 66-Jährigen der Sport. In den vergangenen Jahrzehnten ruft er Tanzwettbewerbe ins Leben, organisiert Fußball-Mitternachtsturniere sowie Basketball- und Volleyball-Wettbewerbe.

Bad Friedrichshall: Im Jugendtreff Magnet kommen Menschen über Sport zusammen

„Der Sport ist wichtig, um Menschen zusammenzubringen“, erklärt Artur Knaus. „Die jungen Leute lernen, sich an Regeln zu halten und zusammenzuarbeiten. Beim gemeinsamen Siegen entstehen positive Gemeinschaftsgefühle. Und bei Niederlagen lernt man entscheidende Lektionen fürs Leben.“

Klare Regeln waren Jugendhausleiter Artur Knaus im Magnet immer wichtig: „Wir sind eine offene Einrichtung. Niemand muss, aber jeder darf vorbeikommen.“ Alkohol und Zigaretten sind tabu. Wer eintrifft, begrüßt Knaus mit Handschlag – und verabschiedet sich auch so. Artur Knaus: „Da sich Kommunikation immer mehr ins Digitale verlagert, halte ich es für wichtig, den Menschen beim Händedruck bewusst wahrzunehmen – ein wichtiges Zeichen des Respekts.“

Jugendtreff Magnet: Weniger Besucher seit der Corona-Zeit

Auch das „Sie“ als Anrede behält Knaus stets bei. Nicole Meyer, Bereichsleiterin im Jugendreferat Bad Friedrichshall beim Träger Kindersolbad, betont: „Um sich im Magnet zu treffen, haben sich die Kinder und Jugendlichen immer ’beim Herrn Knaus’ verabredet. Er war die Konstante und hat mittlerweile auch die Kinder ehemaliger Magnet-Besucher hier empfangen.“

Um die 30 bis 35 Personen waren an den Öffnungstagen des Jugendhauses Magnet in Bad Friedrichshall-Plattenwald langfristig gesehen in der Regel da. Seit der Corona-Zeit von 2020 bis 2022 sind es allerdings weniger Besucher. Artur Knaus erklärt: „Mein Verhältnis zu den jungen Menschen betrachte ich vielmehr als väterlich und nicht so sehr als kumpelhaft.“

Der Jugendtreff Magnet war und ist eine Anlaufstelle, bei der man sich kennenlernt. Es gibt Brettspiele, einen Tischkicker, eine Playstation 4 sowie die Möglichkeit, in der Chill-Ecke zusammenzusitzen und ins Gespräch zu kommen. Auch mit Knaus, der immer ein offenes Ohr hatte. Er berichtet: „Hier sind nicht nur Freundschaften entstanden, sondern es haben sich auch Pärchen kennengelernt, die eine Familie gegründet haben.“ Knaus betont aber auch: „Ohne die Unterstützung meines Teams und der Stadt hätte sich alles nicht so entwickelt.“

Plattenwald: Jugendhausleiter Artur Knaus nun im Ruhestand 

Mit 66 Jahren ist Artur Knaus nun in den Ruhestand gegangen. Jetzt möchte er sich vermehrt seinen fünf Enkelkindern und der Gartenarbeit widmen. Seit 2010 lebt er nicht mehr im Plattenwald, sondern in Neckarsulm. Wenn er unterwegs ist, trifft er ehemalige oder aktuelle Besucher des Jugendtreffs Magnet. Beobachten sie dann zufällig junge Menschen, die sich vermeintlich daneben benehmen, fällt oft der Satz: „Aber so waren wir nicht.“ Knaus: „Ich sage dann immer: ’Doch, so wart ihr auch. Ihr wisst es nur nicht mehr.’“

Der Jugendtreff Magnet in Bad Friedrichshall-Plattenwald besteht natürlich auch ohne Artur Knaus weiter – unter der Leitung von Sozialpädagogin Barbara Baumann. Nicole Meyer betont: „Mit seiner einfühlsamen, aber auch direkten Art war Herr Knaus der richtige Leiter für das Magnet. Dem Plattenwald hätte nichts Besseres passieren können.“

Treffpunkte

Neben dem Magnet im Stadtteil Plattenwald gibt es in Bad Friedrichshall noch drei weitere Möglichkeiten für junge Menschen, zusammenzukommen: Der Kinder- und Jugendtreff Schafhaus im Stadtteil Duttenberg, der Kinder- und Jugendtreff Stadtmitte in Kochendorf sowie den Kinder- und Jugendtreff VIP in Untergriesheim. Der Träger aller vier Einrichtungen ist die Kindersolbad gGmbH in Bad Friedrichshall-Jagstfeld. hag

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