Bei zwei Gegenstimmen der Freien Bürger Obersulm und drei Enthaltungen aus den Reihen des Gemeinderats wurden die Beschlussvorschläge akzeptiert: den Auftrag für die gebrauchten Container über 347.242 Euro an die Firma Mietpark Engelhardt aus Stuttgart zu erteilen sowie die Regularien zur Schaffung der Vollzeitstelle.
Marode Flüchtlingsunterkunft in Willsbach wird durch gebrauchte Container ersetzt
Durch Modulbauweise stehen dann zwei Stockwerke mit 27 Zimmern zur Verfügung. Da sich die Zahl der Unterkünfte deutlich erhöht hat, wird eine Vollzeitstelle für einen Haustechniker geschaffen.

„Das Gebäude ist nicht mehr für menschenwürdiges Wohnen geeignet“, brachte es FWV-Gemeinderat Jan Spönle auf den Punkt. Das sah auch die Mehrheit des Obersulmer Gemeinderats so. Die war sich einig, die Holzunterkunft für Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung und Obdachlose in der Robert-Bosch-Straße in Willsbach abzureißen und durch gebrauchte Container zu ersetzen. Da die Gemeinde inzwischen eine Vielzahl von Unterkünften unterhält, wird auf fünf Jahre befristet eine Haustechniker-Stelle geschaffen.
Das Gebäude neben dem Recyclinghof stammt aus dem Jahr 1988 und hat aktuell zwölf Zimmer, hauptsächlich in Einzelbelegung – zwei Küchen und zwei Sanitärbereiche. Die neue Anlage hat zwei Stockwerke mit 27 Zimmern, je vier Küchen und Sanitärbereiche, je einen Technik- und Putzraum. Der Zugang ins Obergeschoss erfolgt über Außentreppen. 27 bis 40 Menschen können hier untergebracht werden.
Ersparnis von mindestens 300.000 Euro
Der Gemeinderat begrüßte, dass gebrauchte Container gekauft werden, was eine Ersparnis von mindestens 300.000 Euro bedeutet. Die Gesamtkosten mit Abbruch und Neubau liegen bei 575.000 Euro.
„Flüchtlinge sind auch Einwohner“, machte Bürgermeister Björn Steinbach deutlich. Deshalb halte die Verwaltung die Erneuerung in der Robert-Bosch-Straße für notwendig. „Das Gebäude ist durch“, stimmte Grünen-Fraktionssprecher Armin Waldbüßer zu.
20 Unterkünfte mit rund 200 Plätzen
Steinbach zeigte die Entwicklung auf: 2014 hatte die Gemeinde lediglich zwei Gebäude, die damals für Obdachlose genutzt wurden. Plätze für die Anschlussunterbringung gab es damals noch nicht. Fünf Jahre später waren es elf Gebäude mit 105 Flüchtlingen. Bis heute kamen weitere neun Gebäude, ebenfalls mit rund 105 Plätzen dazu.
Entgegen dem bundesweiten Trend geht Steinbach nicht davon aus, dass in Obersulm die Flüchtlingszahlen „bemerkenswert“ zurückgehen werden. Der große Peak werde im Herbst kommen. Da der Landkreis in Obersulm keine vorläufige Unterbringung betreibt, die in Kommunen, wo das der Fall ist, mit 25 Prozent angerechnet wird, bekomme die Gemeinde relativ schnell Zuweisungen für die Anschlussunterbringung. Das bedeutet etwa vier bis sechs Menschen pro Monat.
Fluktuation in Obersulm ist gering
Darauf wies der Bürgermeister auch hin: Die Fluktuation bei den Flüchtlingen sei gering, die meisten blieben in der Anschlussunterbringung, was ein Vorteil in Sachen Integration sei.
Bisher gibt es drei Minijobber, die hausmeisterliche Tätigkeiten in den Unterkünften verrichten. Das reicht laut Verwaltung nicht mehr aus, zumal der vorhandene Hausmeisterpool restlos erschöpft sei. Die Minijobber hätten sich zudem als „verlängertes Auge der Verwaltung in den Unterkünften“ entwickelt. Dadurch könne bisher auf externes Security-Personal verzichtet werden.
FBO scheitert mit Antrag auf Bürgerentscheid
Felix Feinauer (Freie Bürger Obersulm) scheiterte mit seinem Antrag, per Bürgerentscheid über den Neubau der Flüchtlingsunterkunft zu befinden. Nur der zweite FBO-Gemeinderat war dafür, der Rest des Gemeinderats dagegen.
Die zwei FBO-ler waren auch gegen den Antrag von Jan Spönle, die Hausmeister-Vollzeitstelle auf fünf Jahre zu befristen. Die Kosten sind durch die 300.000 Euro Einsparung bei den Containern gedeckt. Sollte nach dieser Zeit die Stelle nicht mehr benötigt werden, könnte der Haustechniker im Pool unterkommen.

Stimme.de
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