Vom Stellvertreter zum Bürgermeister: Harald Koppenhöfer mit klarem Sieg in Löwenstein
Harald Koppenhöfer verspricht Kontinuität für die Stadt. Die Bürger sprechen ihm mit 75,3 Prozent der Stimmen das Vertrauen aus.
Der bisherige ehrenamtliche Stellvertreter Löwensteins wird künftig der gewählte Vertreter der Stadt sein. Die Freude im und vor dem Rathaus war groß, als Harald Koppenhöfer um 18:29 Uhr als Wahlsieger bekanntgegeben wurde. Mit 75,3 Prozent bekam er den eindeutigen Auftrag, nach Jahren der Instabilität wieder Kontinuität in die Stadt zu bringen.
„Ich danke allen für das Vertrauen“, sagte ein sichtlich bewegter Wahlsieger auf der Vortreppe des Rathauses. „Ich habe etwas versprochen. Und ich bin zuversichtlich, dass ich nicht enttäuschen werde.“ Eine Wahl gewinne man nicht alleine, hob er hervor und dankte denjenigen, die ihn in der Zeit unterstützt hätten. „Mit Rat und Tat und Hilfe. Einer Person möchte ich aber vor allem danken – meiner Frau Nicole.“

Der Gegenbewerber Frank Menzel kam bei einer Wahlbeteiligung von 49,4 Prozent auf 23,3 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis ist noch nicht endgültig. Der Wahlausschuss kommt erst am Montag, 4. Mai, zusammen.
Eine Kandidatur als Reaktion auf turbulente Zeiten
Mit Beginn der Bewerbungsfrist im März reichte der 53-Jährige offiziell die Unterlagen für eine Kandidatur um den Platz an der Rathausspitze ein. Angekündigt hatte er seinen Wunsch aber bereits im Oktober des vergangenen Jahres. Für ihn sei es weniger eine Entscheidung für das Amt als für die Stadt, sagte er im Vorfeld.
Der „absolute Lokalpatriot“, wie er sich selbst bezeichnet, war in den vergangenen Jahren nah dran am Geschehen, während Verwaltung wie Verwaltungsspitze sich sukzessive auflösten. Ziel seiner frühen Kandidatur: der Stadt Sicherheit und Planbarkeit zu geben, wie er im Stimme-Wahlforum erklärte.
Harald Koppenhöfer vor der Wahl: „Es ist Zeit für eine gewisse Beständigkeit“
Weder das eine noch das andere war in den vergangenen Jahren gegeben. Zuerst trat Klaus Schifferer 2024 nach 24 Jahren nicht mehr an, 2023 war er vom Landgericht wegen Vorteilsnahme verurteilt worden. Als Nachfolger wurde im Januar 2024 Eberhard Birk gewählt, dessen Amtszeit bis zu seinem Rücktrittsgesuch am 23. Oktober 2025 unter keinem guten Zeichen stand.
Birk, der selbst kein Verwaltungsfachmann war, wurde für lasch empfundene Amtsführung kritisiert, verschiedene Personalwechsel in der Verwaltung, eine schleppende Beteiligung an regionalen Projekten und einen fehlenden Haushaltsplan. Überdies fehlte Birk bei Gemeinderatssitzungen und im Rathaus, unter anderem wegen eines Erschöpfungszustands mit Burnout-Symptom.
Die entscheidende Kritik kam letztlich aus dem Rat selbst: Als erster Bürgermeisterstellvertreter war Harald Koppenhöfer einer der Wortführer. Nur fünf Tage, nachdem Birk sein Rücktrittsgesuch publik gemacht hatte, kündigte er an, kandidieren zu wollen. „Es ist nun Zeit für eine gewisse Beständigkeit. Das waren relativ turbulente Zeiten“, sagte er im Vorfeld der Wahl.
Gut vernetzt und verbunden mit den Menschen
Der gelernte Weinbautechniker führte einen unaufgeregten Wahlkampf, setzte auf Verbundenheit mit den Menschen sowie sein Netzwerk in seiner Heimatstadt, die er nie verlassen hatte. Auch als mit Frank Menzel ein Gegenbewerber auftrat, der Veränderung versprach und Koppenhöfers Blick von innen auf Löwenstein die Sicht von außen gegenüberstellte, wich er nicht von seiner Linie ab.
Künftig will er sich ganz auf das Bürgermeisteramt konzentrieren: Die vergangenen eineinhalb Jahre, in denen er die Amtsgeschäfte wiederholt vertretungsweise geführt hatte, hätten ihm gezeigt, dass es leistbar sei, auch wenn er kein Verwaltungsfachmann ist. Koppenhöfer ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Mitglied des Gemeinderats und einer, der lösungsorientiert arbeitet, wie er sagt: „Ich suche nach einer Lösung, wenn ich ein Problem sehe.“ Schlecht sei es immer, nichts zu machen. Das sei im Weinbau wahr wie in der Kommunalpolitik: „Es ist wichtig, Dinge anzupacken, wenn sie vor einem liegen“.
„Ich danke allen, die mich unterstützt haben. Mit Rat und Tat und Hilfe.“Harald Koppenhöfer


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