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Verfolgungsjagd in NRW

„Extrem geschockt“: Güglinger Bus-Unternehmer Ernesti nach Linienbus-Diebstahl fassungslos

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In der Nacht auf Freitag hat ein junger Mann einen Linienbus von einem Ludwigsburger Betriebshof gestohlen. Der Bus gehört der Firma Ernesti aus Güglingen-Frauenzimmern. Geschäftsführer Thomas Ernesti zeigt sich fassungslos.


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„Extrem geschockt“ sei er, sagt Bus-Unternehmer Thomas Ernesti aus Güglingen-Frauenzimmern – so etwas habe er noch nie erlebt. Es geschah bereits in der Nacht auf Freitag: Ein 21 Jahre alter Mann stahl einen Linienbus von Ernesti von einem Betriebshofs in Ludwigsburg. Anschließend fuhr er damit Hunderte Kilometer bis nach Nordrhein-Westfalen, wo er am späten Nachmittag nach dem Hinweis einer Zeugin von der Polizei festgenommen wurde.

Ernesti nach Linienbus-Diebstahl und Unfall: „Froh sein, dass nicht noch mehr passiert ist“

„Was der Mann für ein Motiv hatte, würde mich auch interessieren“, sagt Ernesti (48). Es gebe keinen Bezug des Tatverdächtigen zum Bus-Unternehmen aus Güglingen-Frauenzimmern. Es sei wohl auch purer Zufall gewesen, dass der Dieb sich für einen Bus von Ernesti entschied. Man habe dort nur zwei Stellplätze von der Württembergischen Bus-Gesellschaft gemietet. Zahlreiche weitere Bus-Unternehmen hätten dort ebenfalls Stellplätze.

Der Ernesti-Bus wurde bei der Verfolgungsfahrt erheblich beschädigt.
Der Ernesti-Bus wurde bei der Verfolgungsfahrt erheblich beschädigt.  Foto: Nord-West-Media TV / Torben Kipp

Auch heute noch sei man im Unternehmen konsterniert über den Vorfall, sagt Thomas Ernesti weiter. Es sei gar nicht auszudenken, was hätte passieren können. „Man kann ja froh sein, dass nicht noch mehr passiert ist“, so Ernesti über die Chaosfahrt des 21-Jährigen.

Busunternehmen Ernesti hat in sozialen Medien über Bus-Diebstahl informiert

Als man am Freitagmorgen vom Diebstahl in der Nacht auf Freitag erfahren habe, habe man gleich über soziale Medien informiert und auch über Radiosender um Mithilfe und Hinweise gebeten. Tatsächlich habe sich dann am Nachmittag eine Frau gemeldet. Sie habe im Büro angerufen, sagt Ernesti. „Vor lauter schnell, schnell“ habe man dann vergessen, die Telefonnummer der Frau zu notieren. Man habe ihr nur gesagt, bitte gleich die 110 anrufen. Die Frau hatte eine unsichere Fahrweise des Tatverdächtigen wahrgenommen.

Gestoppt worden war der junge Mann, der nach Auskunft der Polizei in Nordrhein-Westfalen deutscher Staatsangehöriger ist, letztlich auf der Autobahn 30. Zuvor war es in Greven im Kreis Steinfurt zu einer Verfolgungsjagd gekommen. Weil der Fahrer des gestohlenen Busses alle Signale von Polizeibeamten ignorierte und seine Fahrt fortsetzte, wurde eine Großfahndung eingeleitet.

Verfolgung von geklautem Bus wie im Film: Polizei sperrte Straßen und Zufahrten

Es kam zu einer Chaosfahrt, die mehr als eine Stunde andauerte. Zunächst lenkte der Tatverdächtige den Bus nach Münster. Von dort aus wechselte er auf die Bundesstraße 54, um dann auf der A1 in Richtung Bremen weiterzufahren. Während der gesamten Zeit ignorierte der Fahrer laut Polizei alle Verkehrsregeln: Er fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit über rote Ampeln und zweitweise entgegen der Fahrtrichtung. Dabei kollidierte er immer wieder mit Fahrzeugen, Leitplanken und Verkehrsschildern. Wie im Film: Die Polizei sperrte zwischenzeitlich sogar einzelne Straßen oder Autobahnauffahrten, um Unbeteiligte zu schützen.

Erst auf der A30 in Fahrtrichtung Amsterdam, kurz hinter der Anschlussstelle Ibbenbüren-West, endete die Verfolgungsfahrt. Der Bus war durch die vielen Unfälle zuvor schon so stark beschädigt, dass er nicht mehr fahrbereit war. Der 21-jährige Fahrer wurde festgenommen. Nach Angaben der Polizei war er leicht verletzt. Außer ihm selbst kam niemand zu Schaden.

Mutmaßlicher Bus-Dieb befand sich laut Polizei in psychischem Ausnahmezustand

Die Höhe des Sachschadens kann die Polizei noch nicht beziffern. Der Wert des Busses liegt bei 150.000 Euro. Der Festgenommene wurde von einem Richter in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Er habe sich in einer psychischen Ausnahmesituation befunden, heißt es in einem Pressebericht der Polizei.

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Linienbus am Freitag zwischen 01.40 Uhr und 04.30 Uhr von dem Betriebshof in der Eisenbahnstraße in Ludwigsburg gestohlen worden war. Weiter ergaben die Ermittlungen, dass mutmaßlich derselbe Tatverdächtige bereits in der Nacht auf Donnerstag einen anderen Linienbus vom selben Betriebshof entwendet hatte – nicht aber vom Unternehmen Ernesti. Mit diesem Bus war er offenbar nach Pforzheim gefahren, wo der Linienbus schließlich beschädigt stehen blieb.

Die Kreispolizei Steinfurt in Nordrhein-Westfalen arbeitet nun mit vielen weiteren Polizeipräsidien zusammen, um alle Vergehen auf der langen Fahrt des mutmaßlichen Bus-Diebes zu dokumentieren. Unklar sei beispielsweise noch, ob er auch schon bei der Fahrt von Baden-Württemberg ins Münsterland Verstöße begangen hat.

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