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Bad Wimpfen
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„Muss vorher wissen, was ich bekomme“: Landwirte demonstrieren vor Lidl-Zentrale

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Der Preisrutsch bei Butter auf 99 Cent als Auslöser: Bauern fahren nach Bad Wimpfen, um beim Discounter zu demonstrieren. Am Nachmittag gibt es ein Gespräch in der Zentrale.


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Die warnenden Blinklichter sind weit zu sehen: Schon frühmorgens fahren Traktoren, manche mit Polizeieskorte, nach Bad Wimpfen. Manchem Autofahrer geht das alles zu langsam. Sie überholen, hupen dabei ihren Frust heraus.

Aus umliegenden Landkreisen machen sich am Montagvormittag viele Landwirte auf den Weg, um vor der Lidl-Deutschland-Zentrale in Bad Wimpfen ihren Unmut kundzutun. Butter für 99 Cent im Angebot: Das hat das Fass für viele Landwirte zum Überlaufen gebracht.

Butter für 99 Cent: Landwirte befürchten, dass Lidl nur den Anfang macht

Aus dem Raum Ludwigsburg machen sich Martin Linckh und Kollegen mit 25 Traktoren auf den Weg. Kurz vor dem Ziel, der Lidl-Zentrale, passiert die Kolonne eine Aldi-Filiale in Bad Wimpfen im Tal. „Lidl ist Vorreiter, Aldi zieht nach“, vermutet Martin Linckh.


Der jüngste Preisrutsch beim Butterpreis gab den Ausschlag. „Man muss nicht alles verramschen“, sagt Landwirt Linckh. In anderen Ländern sei Butter zwei, drei Mal so teuer wie hier. Ob die Deutschen bei Lebensmitteln besonders geizig seien, das kann er nicht beurteilen. Er betont aber: Bei Hobbys jedenfalls würden sie nicht so aufs Geld achten.

Würstchen, Punsch, Glühwein: Vor Lidl-Zentrale in Bad Wimpfen geht nichts mehr

Vor der Lidl-Zentrale geht an diesem Vormittag nichts mehr. Schlepper stehen über mehrere Hundert Meter, die Straße nach Bad Rappenau Bonfeld ist dicht. Es gibt Würstchen, Punsch, Glühwein. Von Lidl kommt niemand nach draußen, um das Gespräch mit den Landwirten zu suchen. Frühmorgens schenken Lidl-Mitarbeiter Kaffee aus, auch an die Polizei. Gespräche zwischen Landwirten und Lidl finden nachmittags hinter verschlossenen Türen statt.

Der Butterpreis gibt den Ausschlag, es sind viele verschiedene Landwirte hier – nicht nur solche mit Milchvieh. Roland Plieninger ist Winzer aus Nordheim.  „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt er.  „Wenn man sich nicht zeigt, wird man nicht wahrgenommen.“ Er spricht davon, dass der Berufsstand gegängelt werde, dass es viel Bürokratie gebe. Es sei also kein Wunder, dass Kollegen aufhören, sagt er.

Butterpreis gibt den Ausschlag: Viele Landwirte zeigen sich in Bad Wimpfen solidarisch

Aus Solidarität mit den Milchbauern ist Martin Ehrismann nach Bad Wimpfen gefahren. Er kommt aus dem Raum Pforzheim, bewirtschaftet Felder. „Wenn man nichts macht, wird man gar nicht gehört“, sagt er. Landwirtschaft sei eine besondere Branche, nicht mit anderen vergleichbar. „Wir produzieren und bekommen am Ende gesagt, was wir dafür erhalten.“

Das ist ein Punkt, den Marc Berger kritisiert. Er engagiert sich im Verein „Land schafft Verbindung Baden-Württemberg“, der zu den Protesten aufgerufen hat. Man müsse vorher wissen, was man erhalte. „Dann kann ich die Produkte danach ausrichten.“

Zahlreiche Bauern sind mit gut 100 Traktoren nach Bad Wimpfen zur Lidl-Deutschland-Zentrale gefahren.
Zahlreiche Bauern sind mit gut 100 Traktoren nach Bad Wimpfen zur Lidl-Deutschland-Zentrale gefahren.  Foto: Seidel, Ralf

Landwirt in Bad Wimpfen: „Wir machen weiter, weil wir unseren Beruf lieben.“

Aufhören, das kommt trotz aller Widrigkeiten für den Pfälzer Markus Puder nicht infrage. Ein Ausstieg sei teurer, als weiterzumachen, sagt der Redner bei der Kundgebung. „Wir machen weiter, weil wir unseren Beruf lieben.“

Die Bauern haben ihre Traktoren vor dem erst wenige Jahre alten Lidl-Gebäude abgestellt. Als Burg bezeichnet Christian Coenen von Land schafft Verbindung Baden-Württemberg den Bau. „Und ihr verramscht unsere Höfe.“

Subventionen will Christian Coenen nicht erhalten. „Ich will von meinem Produkten leben.“ Discounter wie Lidl würden nur auf Margen achten und auf den Preis für Endkunden. Den Preis, sagt er, könne Lidl senken, aber dann sollten dennoch höhere Preise an Landwirte bezahlt werden. „Wir haben gar keine Marge“, sagt er.

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