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Wohnprojekt in Widdern: So geht es mit „Wohnen an der Kessach“ weiter

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Das Projekt „Wohnen an der Kessach“ sorgt in Widdern seit Jahren für hitzige Diskussionen. Im Juli 2025 stimmte der Gemeinderat für den Bebauungsplan, in diesem Jahr sollen die vorbereitenden Arbeiten beginnen.


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Kaum ein Thema in Widdern hat in den vergangenen Jahren so polarisiert wie das Projekt „Wohnen an der Kessach“. Auf dem Gelände des mittlerweile umgezogenen Bauhofs in der Unterkessacher Straße soll ein modernes Wohnquartier entstehen.

Dagegen sind viele Anwohner in der Vergangenheit vorgegangen, organisierten schließlich eine Demo auf dem Areal.

Noch steht der alte Bauhof in Widdern. Bis Ende 2028 soll in der Unterkessacher Straße ein Komplex mit fast 80 Wohnungen gebaut werden.
Noch steht der alte Bauhof in Widdern. Bis Ende 2028 soll in der Unterkessacher Straße ein Komplex mit fast 80 Wohnungen gebaut werden.  Foto: Elfi Hofmann

Kritik an den Plänen für „Wohnen an der Kessach“ gibt es nach wie vor in Widdern

Die Angst, dass bis zu 300 Personen in den zum Großteil recht kleinen Wohnungen unterkommen, war groß. Befürchtungen, das Gebäude füge sich nicht in den bereits bestehenden Häuserzug ein, sind bis heute bei einigen Menschen nicht beseitigt. „Es gibt Bürger, die es noch nicht akzeptiert haben“, sagt Günter Vogel. Seit vergangenen Mai vertritt der Gemeinderat und stellvertretende Bürgermeister den erkrankten Kevin Kopf im Amt des Rathauschefs.

„Das kann Widdern nach vorne bringen.“Güter Vogel

Die Verwaltung habe viel Vorarbeit geleistet, auch eine emotional geführte Einwohnerversammlung wurde vor rund anderthalb Jahren organisiert.  Man habe alle Seiten angehört, die Kritikpunkte der Bürger mit dem Investor besprochen, sagt Vogel. Einige Ergebnisse: Das Flachdach wurde zur Unterkessacher Straße hin durch ein Satteldach mit Gauben ersetzt, Pufferkanten gegen mögliches Hochwasser wurden gebildet. Im Juli 2025 stimmte der Gemeinderat schließlich für den Bebauungsplan, in diesem Jahr sollen die vorbereitenden Arbeiten beginnen.

Wasserleitung in der Unterkessacher Straße wird zuerst erneuert

Zuvor wird allerdings zwischen den Hausnummern 1 bis 39 eine neue Wasserleitung verlegt. „Das ist unabhängig von dem Wohnprojekt“, betont Günter Vogel. Die Maßnahme auf rund 350 Metern sei wegen des maroden Zustands im Untergrund nötig. Die Arbeiten finden im laufenden Betrieb statt und seien in „doppelter Hinsicht anspruchsvoll“, denn der Abschnitt ist eng bebaut. Rund 450.000 Euro kostet das Vorhaben.

Der Umzug des Widderner Bauhofs ist schon lange Thema. Ein geeignetes Grundstück wurde bereits vor zehn Jahren gesucht, ein Neubau scheiterte allerdings auch ein den hohen Kosten. Schließlich wurde das Areal der Baufirma Bopp am Ortsrand in der Kiesstraße frei. Erste Gespräche mit Ulrich Bopp habe es bereits 2023 gegeben, erzählt Günter Vogel. Schnell war klar: Das Gelände passt, ist groß genug und verkehrsgünstig in der Nähe der Autobahn gelegen.

Im August der vergangenen Jahres waren die Gebäude schließlich fertig, die Mitarbeiter zogen mitsamt den Maschinen in ihre neue Wirkungsstätte um. Der Kauf des Geländes der Firma Bopp sei ein Glücksfall gewesen, so Bauhofleiter Kim Dengler damals. Ein Neubau wäre wesentlich teurer geworden.

Gleichzeitig abreißen könne man den alten Bauhof allerdings nicht, dieser Arbeiten werden erst im zweiten Halbjahr stattfinden. Das mehrgeschossige Gebäude soll dann bis Ende 2028 fertiggestellt sein.

Dort werden 68 der insgesamt 79 Wohnungen mit einem Raum geplant, drei Einheiten mit zwei, vier mit drei Räumen. Drei Wohnungen verfügen über vier Zimmer, eine über fünf. Außerdem soll in dem Neubau Platz für betreutes Wohnen gesichert werden. „Ein Stockwerk ist dafür reserviert“, so Günter Vogel. Die Räume seien von vornherein darauf ausgerichtet gewesen. Es sei wichtig, dass die Stadt ein solches Angebot für ältere Personen vorhält.

Auch betreutes Wohnen wird kritisiert 

Doch auch das kritisieren einige Bürger nach wie vor, bezeichneten bei der Stimme-Lokaltour im vergangenen Januar die Kooperation mit einem Dienstleister als „Preistreiber“. Dass vor allem junge Menschen in Ausbildung oder Studium angezogen werden sollen, wird ebenfalls nach wie vor infrage gestellt. Auch der Begriff „Ghetto“ fällt immer wieder. „Daran glaube ich nicht“, sagt Günter Vogel. „Weil ein Dagegenwirken möglich ist, wenn jemand vor Ort ist, der sich kümmert.“ Er persönlich hoffe auf viele junge Menschen, die der Ort und auch die Vereine brauche. „Das kann Widdern nach vorne bringen“, ist er überzeugt.

Die für die Stadt bisher ungewohnte Bebauung bezeichnet der stellvertretende Bürgermeister als „Zeitenwende“, denn ein vergleichbares Gebäude in dieser Größe gibt es noch nicht in Widdern. Nach wie vor sei er mit den Kritikern des Projekts im Gespräch, lädt sie ins Rathaus ein und nehme sich Zeit für den direkten Austausch.

Doch auch wenn der Missmut noch immer nicht bei allen verklungen ist: „Wohnen an der Kessach“ wird kommen.

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