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Methode Forumstheater

Schwaigerner Schüler lernen über Essstörungen: Theater als Teil des Präventionskonzepts

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120 Schülern der Schwaigerner Leintal- und Sonnenbergschule wurde ein Theaterstück zum Thema Essstörungen gezeigt. In der Nachbearbeitung wurden die Schüler in einzelne Szenen eingewechselt.

Familie Jung sitzt zum gemeinsamen Essen am Tisch: Annika und ihr Bruder Benni zeigen in dem Stück gestörtes Essverhalten.
Familie Jung sitzt zum gemeinsamen Essen am Tisch: Annika und ihr Bruder Benni zeigen in dem Stück gestörtes Essverhalten.  Foto: Simon Bitsch

Nach dem Theater gab es Beifall. Für die sechs Schauspieler der „Wilden Bühne“, die soeben ihr Stück gespielt haben, aber auch für drei Schwaigerner Schüler, die mit auf der Bühne stehen durften. Sie wurden nämlich nach dem Stück in einzelnen Szenen „eingewechselt“ und zeigten alternative Versionen der Geschichte auf.

Forumstheater heißt diese Methode, die am Freitag bei dem Stück „No body’s perfect“ in der Frizhalle angewandt wurde. 120 Schüler der Leintal- und der Sonnenbergschule waren im Publikum. Die Vorstellung thematisiert Essstörungen und ist Teil des Präventionskonzepts der Schulen.

Schüler in Schwaigern sehen Theaterstück: Thema Essstörungen werden aufgegriffen

Die Hauptrolle heißt Annika Jung. Über das Stück hinweg verändert sie sich. Anfangs ist sie fröhlich und offen. Doch unter anderem durch Leistungsdruck entwickelt sich ihre Stimmung und eben auch ihr Essverhalten ins Negative. Die Sportlerin will mehrere Kilos abnehmen. In inneren Dialogen erfährt man, dass dieses Ziel nie erreicht werden wird, die Waage nie wenig genug anzeigen kann. Dazu stößt sie auf Unverständnis in ihrem Elternhaus. Bald isst sie fast gar nichts mehr und zieht sich immer weiter zurück.

Doch auch ihr Bruder Benni Jung zeigt ein gestörtes Essverhalten, bei ihm entwickelt es sich aber ins Gegenteil: Er hört gar nicht mehr auf zu essen. Nie ist er satt. „Was ist schon lange egal, Hauptsache mehr“ oder „Essen war schon immer da“, sagt die Rolle auf der Bühne. Mit grenzenlosem Essen stillt er Kummer. Bemerkt wird das kaum. Letztlich lädt aber Annikas Lehrer, Herr Bergmann, die Eltern zu einem Termin in der Schule ein.

Forumstheater in Schwaigern: Schüler der Leintal- und der Sonnenbergschule werden in Rollen eingewechselt

Nach dem Stück ging es in der Frizhalle an die Nacharbeitung – das Forumstheater. Zuerst gab es ein Theater-Warm-Up für die gesamte Menge, bei dem sich die Schüler in die sechs verschiedenen Rollen hineindachten. Dann wurden den Schülern Fragen zum Stück gestellt. „Was haltet ihr von Annikas Vater?“, fragte Alice Ganz von der „Wilden Bühne“ zum Beispiel die Zuschauer. Oder: „Denkt ihr, es gibt keine Person, die eine Essstörung hat?“ Das Publikum arbeitete so gemeinsam aus, welche Rollen welche Probleme haben und was die Handlungen der Personen beeinflusst.

Dann ging es darum, was die Rollen hätten besser beziehungsweise anders machen können. Ihre Vorschläge durften die Schüler dann direkt auf der Bühne umsetzen. Die Schauspieler spulten zur entsprechenden Szene zurück und ein Schüler nahm den Platz einer Rolle ein. So sagte Benni seinen Eltern endlich, dass er die Firma des Vaters nicht übernehmen will. Annikas Freundin Julia hörte den Problemen aufmerksamer zu. Und Annika öffnete sich mehr und suchte sich bei ihrer Freundin Hilfe.

Präventionskonzept an Schwaigerner Schulen: Schüler lernen über Essstörungen

Bereits das dritte Mal haben Schulsozialarbeiterinnen Ulrike Weinbrenner und Verena Niethammer eine Theateraufführung im Rahmen des Präventionskonzepts organisiert. Im vergangenen Jahr ging es um Gewaltprävention, im Jahr davor um Sucht.

„Die Methode des Forumstheaters gefällt uns gut“, sagt Weinbrenner. „Das hat Mehrwert, weil die Schülerinnen und Schüler selbst zum Denken und Handeln kommen.“ Die Aufführung dient dabei als Auftakt. Bei Bedarf werde an dem Thema in den Klassen weiter gearbeitet, so die Schulsozialarbeiterin.

Essstörungen seien in vielen Köpfen nicht so präsent. Deshalb habe man es hervorheben wollen, erklärt Ulrike Weinbrenner die Auswahl des Stücks „No body’s perfect“. Ihrer Wahrnehmung nach sind Essstörungen häufiger geworden. Seit Corona beobachte sie das mehr – auch bei Jungs, bei denen das früher weniger vorkam, sagte sie nach dem Stück gegenüber der Heilbronner Stimme.

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