Lehrerverband: Aus Not wird eine Tugend gemacht
Zum Unterrichtsstart am Montag kommen neue Lehrer in die Region Heilbronn. Den Lehrerverbänden reicht das nicht.

Dutzende neue Lehrer beginnen zum neuen Schuljahr ihren Dienst an den Schulen in der Region. Für die allgemeinbildenden Gymnasien in der Region vermeldet sogar das Regierungspräsidium (RP) in Stuttgart auf Anfrage: "In den genannten drei Landkreisen gibt es an den allgemeinbildenden Gymnasien keine offenen Lehrerstellen." Alle Stellen seien besetzt, der Pflichtunterricht sei gesichert. Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hat sich diese Woche zuversichtlich gezeigt, im ganzen Land noch alle offenen Lehrerstellen besetzen zu können. Sie führt diese für sie positive Entwicklung bei den Lehrerstellen auf einen 18-Punkte-Plan zur besseren Unterrichtsversorgung zurück.
Nur: Die Unterrichtsversorgung bleibt schwierig. Das gibt das für die Region Heilbronn zuständige RP in Stuttgart in einer Pressemitteilung zu. „Aufgrund des anhaltenden Lehrkräftemangels ist die Unterrichtsversorgung unverändert eine große Herausforderung für unsere Abteilung Schulung und Bildung“, wird Regierungspräsidentin Susanne Bay darin zitiert. Trotz der ansteigenden Anzahl an Schülerinnen und Schülern sei die Unterrichtsversorgung weitgehend gesichert. Für den neuen Direkteinstieg in der Grundschule konnten 17 Personen gewonnen werden.
Neues Schuljahr, neue Lehrer: Die Kollegen werden verpflichtet
Auf alle Schularten gerechnet, sind es allein acht Direkteinsteiger im Bereich des Staatlichen Schulamtes Künzelsau, zuständig für die Landkreise Hohenlohe, Main-Tauber und Schwäbisch Hall. Insgesamt wurden dort am Freitag 111 junge Lehrer vereidigt.
Verbleibende Versorgungslücken, so Bay, würden soweit möglich durch den Einsatz von Pensionärinnen und Pensionären, durch befristete Verträge mit Personen ohne Lehrbefähigung sowie durch Abordnungen von anderen Schulen geschlossen. Zwar bleibt die Versorgung insbesondere an sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) herausfordernd. Sowohl durch den Direkteinstieg von insgesamt ebenfalls 27 Personen als auch durch Entfristungen von bewährten Lehrkräften ohne Lehramtsbefähigung würden die SBBZ bestmöglich unterstützt.
Knappe Versorgung: Das sagen Lehrerverbände zur Situation in den Schulen
Die Kollegen in den Klassenzimmern sehen die Situation ebenfalls als kritisch an. "Die Schulen können starten", sagt Matthias Schinko vom Verband Bildung und Erziehung (VBE). Allerdings wüssten die zuständigen Stellen, dass es knapp sei. "Man versucht, aus der Not eine Tugend zu machen", so der VBE-Ansprechpartner im Schulamtsbezirk Heilbronn. Besorgniserregend bleibt für ihn die Situation an den SBBZ, wo schon seit längerem viele ausgebildete Pädagogen fehlen. "Es wird nicht besser." Matthias Schinko befürchtet, dass an diesen Schulen Unterrichtsstunden gestrichen werden - und gerade das bei einer Schulart, an der Jungen und Mädchen eine besondere Förderung bräuchten. Bei Lehrerausfällen haben größere Schulen weniger ein Problem als kleinere. Größere könnten diese Lücken abfedern.
Das Schulamt in Heilbronn ist für alle Schularten in der Stadt und im Landkreis Heilbronn zuständig, außer den Gymnasien. Der Pflichtunterricht, sagt Behördenleiter Markus Wenz, könne weitestgehend abgedeckt werden. Ein üppiges Stundenkontingent darüber hinaus gebe es kaum. An den drei SSBZ Geistige Entwicklung (Gent) werde Unterricht gestrichen und durch Betreuungsangebote ersetzt. Seine Kollegin Bettina Hey vom Staatlichen Schulamt Künzelsau bedauert, dass die Versorgung ländlicher Schulen nach wie vor schwieriger sei. Sie hofft, bis Ende des Einstellungskorridors am 30. September wie im Vorjahr noch weitere Verträge schließen zu können. Jana Kolberg, Sprecherin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Hohenlohekreis, unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Einstellungen. Sie weiß, dass die Kollegen in den Klassenzimmern mittlerweile schon seit Jahren am Limit und am Ende ihrer Kräfte sind.
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