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Schwaigern

Zum 1250-jährigen Dorfjubiläum macht Stephan von Massenbach Dorfgeschichte greifbar

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Stephan von Massenbach leitet seit 2021 die Waldstiftung und ist in die 1250-Jahr-Feierlichkeiten des Schwaigerner Stadtteils eingebunden. Die Geschichte wird am 25. Februar lebendig.

Nicht so alt wie der Ort ist die Familie der Massenbachs. Stephan von Massenbach freut sich darauf, im Rahmen des Jubiläums Geschichte greifbar zu machen.
Foto: Römer
Nicht so alt wie der Ort ist die Familie der Massenbachs. Stephan von Massenbach freut sich darauf, im Rahmen des Jubiläums Geschichte greifbar zu machen. Foto: Römer  Foto: Römer, Friedhelm

"Rücken Sie mich bitte nicht zu sehr in den Mittelpunkt. Es geht schließlich um die Geschichte von Massenbach", sagt Stephan von Massenbach gleich zu Beginn des Gesprächs. Das ist nicht ganz so einfach, denn die Geschichte seiner Familie ist eng mit dem heutigen Schwaigerner Stadtteil verknüpft.

Dieses ganze Jahr lang feiert Massenbach sein 1250-jähriges Dorfjubiläum. Die Geschichte der Freiherren von Massenbach reicht nicht so weit zurück. 1160 wird mit Warmunt von Massenbach erstmals ein Angehöriger der Adelsfamilie in einer schriftlichen Überlieferung erwähnt. Die erste urkundliche Erwähnung am Stammsitz findet sich erst 1319.

Operatives Geschäft

Stephan von Massenbach ist seit eineinhalb Jahren Vorstand der Waldstiftung und seitdem regelmäßig im Ort präsent. Er führt das operative Geschäft, ist quasi Geschäftsführer, während sein Vetter Klaus von Massenbach der Stiftungsvorstand ist, vergleichbar mit einem Aufsichtsratsvorsitzenden.

Die Waldstiftung hat die Funktion, den Hof zu erhalten. "Die Familie war immer forst-, landwirtschaftlich oder militärisch geprägt", sagt Stephan von Massenbach. Das Grundstück ist mehrere Hektar groß und umfasst zwei Waldstücke. Äcker sind verpachtet, Gebäudekomplexe vermietet, ebenso Wohnungen und Büroräume im Schloss. Landschaftsarchitekt Michael Hink hat hier sein Büro eingerichtet. Im Schloss finden auch Hochzeitsfeiern statt. Die Stadt Schwaigern nutzt den Mittelsaal als Trausaal.

Massenbach hat Geschichte

Am Samstag, 25. Februar, (19 Uhr) steht in dem Ambiente die Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr auf dem Programm: "Massenbach hat Geschichte", und Stephan von Massenbach einiges dazu zu erzählen. "Ich finde es schön, dass die Auftaktveranstaltung hier im Schloss stattfindet." Nicht viele kleine Orte können ihre Geschichte mit einem Schloss schmücken.

"Es ist beeindruckend, was die Massenbacher Bürger in diesem Jahr auf die Beine stellen." Das Vereinsleben sei intakt, er selbst bei vielen Veranstaltungen dabei. Für die traditionellen Oster- und Weihnachtsmärkte, die Kunsthandwerk von Hobbykünstlern beinhalten, bietet das Schloss den atmosphärischen Rahmen. Und am 10. September, wenn auch Massenbach den Tag des offenen Denkmals begeht, wird im Schloss gefeiert, Stephan von Massenbach ist also auch hier involviert. "Ich werde dazu etwas vorbereiten, denn das Schloss ist ein wichtiger Teil vom Dorf."

Die Adelsfamilie hat sich im Laufe der Geschichte ziemlich weit verstreut. Ihre Mitglieder sitzen in Baden-Württemberg, in den preußischen Regionen und in der Schweiz. "Die Familie war eng mit der Entwicklung Preußens, Württembergs, Deutschlands und Europas verknüpft. Mit Massenbach ist sie aber immer in Verbindung geblieben." Zu den Besonderheiten der Familie gehört, dass sie durch Kaiser Karl V. 1556 die Reichsmittelbarkeit, also die Strafgerichtsbarkeit, erhielt. Diese hatte bis zur Aufhebung des "Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation" im Jahr 1806 Bestand. Damit endete auch die Mitgliedschaft in der schwäbischen Ritterschaft im Kanton Kraichgau.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Massenbach von Zerstörungen weitgehend verschont. "Schäden wurden vor allem durch Panzer der Alliierten verursacht, die über die landwirtschaftlichen Flächen gefahren sind." Nach dem Krieg musste die Familie Flüchtlinge und Evakuierte aufnehmen. Stephan von Massenbachs Vater Bechtold leitete die 1930 gegründete Waldstiftung bis 2001, danach 20 Jahre lang dessen jüngster Bruder Georg Sylvius, ehe Stephan von Massenbach die Verantwortung übernommen hat.

Waldstiftung

Der 43-jährige Stephan von Massenbach ist in Baden-Baden geboren, hat eine elfjährige Tochter und lebt mit seiner Familie in London. Dort war er längere Zeit in der Finanz- und Bankenwelt Zuhause. Er hat sich anschließend selbstständig gemacht und leitet inzwischen eine Firmen-Niederlassung in London, die auf Software- und Finanzmarkttechnologie spezialisiert ist. Die Waldstiftung geht auf ein württembergisches Gesetz von 1930 zurück. Danach waren Waldstiftungen zu bilden, um eine unwirtschaftliche Zersplitterung der Wälder zu vermeiden. Für die Familie ging es mit Gründung der Stiftung darum, das historische Stammgut ungeteilt zu erhalten.

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