Wie Bürgermeister Albrecht Dautel seinen Start in Bönnigheim erlebt
Bönnigheims Bürgermeister Albrecht Dautel spricht im Stimme-Interview über die ersten 100 Tage im Amt und wie es mit dem Schulzentrum, der Bücherei und der Halle weitergehen soll.

Seit Sommer ist Albrecht Dautel Bürgermeister in Bönnigheim. Der Job ist für ihn nicht neu, Dautel war zwölf Jahre lang Rathauschef in der Nachbargemeinde Walheim. Im Interview blickt der 43-Jährige zurück auf die ersten 100 Tage im Amt.
Eine Hiobsbotschaft gab es zum Amtsantritt. Der Polizeiposten wird abgezogen und mit Kirchheim zusammengelegt. Wie hart trifft das die Stadt?
Albrecht Dautel: Natürlich hätte ich den Polizeiposten lieber hier, aber das ist keine Katastrophe. Jetzt haben wir die Polizei noch zwei Jahre vor Ort, bis in Kirchheim das neue Revier gebaut ist. Dann wird der Übergang geräuschlos sein.
Da war nichts mehr zu machen?
Dautel: Nein, die Entscheidung seitens der Polizei war gefallen. Wir hatten auch andere Veränderungen. Ein Notariat ist ebenfalls nicht mehr vor Ort. Solche Umstrukturierungen wird es auch in Zukunft geben. Wir müssen den Blick darauf haben, dass Bönnigheim weiter seiner Funktion als Dienstleister für umliegende Gemeinden gerecht wird.
Im Bildungswesen ist das klar der Fall. Das Schulzentrum zieht Schüler aus der Umgebung an. Ein Masterplan soll die weitere Entwicklung vorzeichnen. Worum genau geht es?
Dautel: Wir wollen mit den Schulen zusammen klären, wohin es in den kommenden 15 Jahren gehen soll. Das wird auch Investitionen bedeuten. Es geht darum, das Schulzentrum ganztagsfähig zu machen, etwa mit dem Mensabetrieb. Dann spielt die Stadtbücherei mit rein.
Beschlusslage im Gemeinderat ist, sie vom Schulzentrum weg zu verlegen.
Dautel: Genau das möchte ich hinterfragt haben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, die Bücherei da zu belassen. Die räumliche Nähe hat viele Vorteile. Wir haben eine neue Büchereileitung, die ein Konzept entwickelt. Wenn man sich umschaut, gibt es viele Gemeinden, die ihre Büchereien gerade zu den Schulen hin verlegen wollen.
Wenn die Bücherei bleibt, fehlt dort aber der dringend benötigte Platz für Klassenräume.
Dautel: Das muss man sich eben noch einmal anschauen. Wenn es günstiger ist, neue Klassenräume zu bauen, statt die Bibliothek teuer an einen neuen Standort zu verlegen, ist den Schulleitungen auch gedient. Entscheidend ist, dass es die Schulräume gibt.
Die Turn- und Festhalle steht beim Schulzentrum. Wie geht es weiter?
Dautel: Wir werden klären müssen, wie wir die Halle sanieren und ob wir sie überhaupt sanieren − oder ob wir sie durch einen funktionellen Neubau ersetzen.
Ein Hallenneubau, wie er in Bönnigheim seit langem diskutiert wird, ist für sie also nur eine der Optionen.
Dautel: Ich bin dafür, nur Räumlichkeiten zu bauen, die auch gebraucht werden, und kein Repräsentationsbau, der dann leer steht. Natürlich wäre es wünschenswert, Möglichkeiten für größere Konzerte zu haben. Wir haben auch schon Konzerte der Musikschule in der Nachbargemeinde Erligheim durchgeführt. Die Zeiten, als jede Gemeinde alles vorhalten muss, sind meiner Ansicht nach vorbei. Es hat auch nicht jede Kommune ein Freibad, wie wir eines haben.
Ein Masterplan wie für das Schulzentrum schwebt Ihnen für die ganze Stadt vor. Was soll drinstehen?
Dautel: Masterplan ist vielleicht etwas hoch gehängt. Wir machen ein Entwicklungskonzept, mit dem wir verschiedene Felder in den Blick nehmen. Es geht um Gewerbeansiedlungen, Umweltschutz und Nachhaltigkeit, Wohnbebauung ganz generell oder um Themen wie Wohnen im Alter. Die Herausforderung ist dieselbe wie bei den Schulen. Wir wollen schauen, wo wir stehen, und sagen, wie wir uns in den kommenden zehn bis 15 Jahren entwickeln wollen. Dabei wollen wir auch die jungen Leute bei den Überlegungen einbeziehen. Das Konzept soll bis kommenden Sommer stehen und eine grobe Richtung aufzeigen.
Bönnigheim hat vier Museen, eine höhere Museumsdichte als Berlin, wie manche sagen. Wie will man diesen Trumpf vermarkten? Die Kultursonntage haben zuletzt offenbar an Anziehungskraft verloren.
Dautel: Wir haben ein riesiges Potenzial mit den Museen, mit dem Weinbau, mit der sanierten Innenstadt, viele Ehrenamtliche, die sich einbringen. Wir sind in vielen Bereichen top. Die Frage, wie wir das vermitteln, stellt sich ständig. Die Kultursonntage gab es jetzt eine Zeit lang, nun muss man wieder etwas Neues entwickeln. Das ist aber ganz normal. Früher gab es auch die Museumsnacht und die Musiknacht. Vielleicht kann man da wieder anknüpfen.
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