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Brackenheim

95 Schülerinnen und Schüler aus Brackenheim wachsen in der Zirkusprojektwoche über sich hinaus

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Weniger nachdenken und einfach machen: Dazu gehören aufwendige Auftritte mit Slackline, Fässerbalancieren und mehr.

Viel Geschick beweisen die Zwillinge Yassan und Kussay sowie Omar (v.l.) auf den Fässern und dem Ball vor dem Zelt vom Zirkusprojekt "Circus Ballessa".
Viel Geschick beweisen die Zwillinge Yassan und Kussay sowie Omar (v.l.) auf den Fässern und dem Ball vor dem Zelt vom Zirkusprojekt "Circus Ballessa".  Foto: Möllers, Linda

Konzentriert blickt Emine auf den Boden vor sich, während sie langsam auf einem großen blauen Fass balanciert. Vorsichtig, aber sicher, setzt das Mädchen einen Fuß vor den anderen, ihr Fass rollt kontrolliert vorwärts, dann steigt Emine kurz ab und rollt denselben Weg wieder zurück. Neben ihr halten sich die Zwillinge Yassan und Kussay mühelos auf den Fässern, werfen sich Ringe zu. Omar jongliert währenddessen auf einem roten Ball.

Talente kommen zum Vorschein

Es sind beeindruckende Talente, die bei den Schülerinnen und Schülern der Henry-Miller-Schule zum Vorschein kommen, nach einer Woche des intensiven Trainings mit dem Team des Projektzirkus "Circus Ballessa", den Lehrern und Schulbegleiterinnen. "Die Lehrkräfte sind oft überrascht, welche Fähigkeiten die Kinder plötzlich an den Tag legen", berichtet der Inhaber des Projektzirkus, Timo Schwarzmeier, von seinen generellen Erfahrungen.

Bei den etwa 95 Henry-Miller-Schülern der Klassen eins bis neun ist das nicht anders. In den altersgemischten Gruppen lernen sie, über sich hinauszuwachsen, sich in eine Übung oder eine Choreografie, die ihren Neigungen entspricht, einzuarbeiten. "Jeder ist dabei und soll mitmachen", erklärt Schulleiterin Karin Weissinger das Prinzip der Projektwoche.

Und hopp! Mit Brot lockt Reem die Zwergziegen und bringt die Tiere dazu, auf den Hinterbeinen zu stehen oder auf Hocker zu springen.
Und hopp! Mit Brot lockt Reem die Zwergziegen und bringt die Tiere dazu, auf den Hinterbeinen zu stehen oder auf Hocker zu springen.  Foto: Möllers, Linda

Es ist der Tag vor der Generalprobe. Am Freitag findet die Aufführung vor den Familien, Bekannten und Sponsoren - der Kiwanis-Club Brackenheim/Zabergäu und die Walter-Amos-Stiftung - statt. Rund 220 Gäste werden erwartet. Am Tag vor ihrem Auftritt ist bei den Schülerinnen und Schülern noch nicht viel von Aufregung zu spüren. Stattdessen nutzen sie die Zeit zum Üben und gehen in den Gruppen, stationiert rund um das gelb-rote Zirkuszelt, ihre Nummern immer wieder durch. Vieles klappt schon recht gut, manchmal braucht es noch Training. "Wenn es dann ernst wird, ist plötzlich alles da", kann Timo Schwarzmeier bestätigen. "Dann heißt es einfach lächeln, winken und alles wird gut."

Ganz offensichtlich sind die Schülerinnen und Schüler mit Feuereifer dabei: Marie schlägt im Zirkusrund ihr Rad. Platino, der den Fakiren zugeteilt ist, liegt seelenruhig auf einem Nagelbrett, während seine Mitschülerinnen und Mitschüler neben ihm über Glasscherben laufen. Für die anderen Attraktionen üben die Kinder Hula-Hoop, Slackline, Breakdance, Luftring oder Akrobatik ein. Und Reem steigt in den Bereich, der durch einen Elektrozaun abgegrenzt ist, um unter Anweisung von Zirkusmitarbeiterin Isabell Müller ihren Part mit den beiden dressierten Zwergziegen durchzugehen - es gibt ein drolliges Bild ab, wenn die Tiere auf Hocker springen oder über ein schmales Holzbrett laufen. Jakob ist sich allerdings nicht sicher, ob seine Entscheidung, die Gänse zu führen, wirklich die richtige war. "Ich hätte was anderes machen sollen, die Gänse hören nicht", sagt er.

Alle bringen sich ein

Für viele der Schülerinnen und Schüler sei die Wahl zu Projektbeginn schwierig gewesen, sagt Karin Weissinger, auf welche Übungen sie sich festlegen sollen - lieber die Feuernummer oder doch Jonglieren? Wie die Entscheidung auch ausfiel - wichtig sei, dass sich alle einbringen und beitragen, was er oder sie kann.

"Im Vergleich zu den Kindern, die bei unseren Ferienprogrammen mitmachen, beobachten wir bei den Schülern der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren oft den Effekt, dass sie ein hohes Leistungsniveau erreichen, indem sie weniger nachdenken und einfach machen", erklärt Zirkusinhaber Timo Schwarzmeier. "Das ist ein klarer Vorteil."


Das Projekt

Als Teil der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) mit Förderschwerpunkt Lernen erfahren die Schülerinnen und Schüler der Henry-Miller-Schule bei vielfältigen Projekttagen, wie es ist, "Strukturen aufzubrechen, Neues auszuprobieren und über Grenzen hinauszuwachsen", erklärt Direktorin Karin Weissinger. Die Projekttage finden jährlich zu unterschiedlichen Themen statt.

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