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Heilbronn

Unterwegs in Leingarten: Der "Fisherman" hat einen Nachfolger

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Auf dem Leingartener Wochenmarkt kennt jeder jeden. Jetzt verabschiedet sich am Fischwagen eine Ikone. Doch es gibt einen Nachfolger.

Von Claudia Kostner
Enes Sevda freut sich darüber, dass die Kundschaft jetzt auch bei ihm ihren Fisch einkauft.
Fotos: Claudia Kostner
Enes Sevda freut sich darüber, dass die Kundschaft jetzt auch bei ihm ihren Fisch einkauft. Fotos: Claudia Kostner  Foto: Kostner, Claudia

"Klingelingeling klingelingeling, jetzt kommt der Fisherman": Aus vielen Kehlen schallte dieses Lied - gedichtet von Grünen-Gemeinderätin und Stammkundin Brigitte Wolf - zum Abschied von Joachim Thaidigsmann vom Leingartener Wochenmarkt.

20 Jahre lang stand der Gerabronner jeden Freitagvormittag mit seinem Fischwagen parat. Bei Minustemperaturen genauso wie bei Affenhitze. Seine Arbeitstage begannen um 3 oder 4 Uhr. "Das hängt einem in den Klamotten, das zehrt einfach", begründet der 58-Jährige seinen Entschluss, sich zur Ruhe zu setzen.

Fisch von Anfang an

Von frühester Kindheit an hatte er mit Fisch zu tun. "Wir hatten neben unserem Haus einen See gepachtet. Meine Leidenschaft waren schon immer Fische - angeln, kochen und essen", so Thaidigsmann. Bevor er sein Hobby zum Beruf gemacht hat, hat er aber erst einmal Sozialpädagogik studiert, in seinem Beruf und bei einer Versicherung gearbeitet. "Über einen Bekannten bin ich dann ins Fisch-Business gekommen." Auf den Wochenmärkten in Schwäbisch Hall, Möckmühl, Neuenstein, Bad Wimpfen, Neudenau, Rot am See, Bretzfeld und Leingarten hat er seinen Fisch verkauft, die letzten acht Jahre zusammen mit seinem Sohn Yannik.

Abschied: (v.l.) Joachim Thaidigsmann, Bürgermeister Ralf Steinbrenner, Ordnungsamtsleiter Klaus Kaiser.
Foto: privat
Abschied: (v.l.) Joachim Thaidigsmann, Bürgermeister Ralf Steinbrenner, Ordnungsamtsleiter Klaus Kaiser. Foto: privat  Foto: Kostner, Claudia

"Die Ware hatte ich von einem Familienbetrieb in Cuxhaven", erzählt Joachim Thaidigsmann. Und vom Großmarkt in Stuttgart. "So ein Fisch kostet richtig Geld, da muss die Qualität stimmen." Auch beim Wild, das er von der Fürstlichen Forstverwaltung Langenburg bezogen hat. Für seine Kundschaft hatte der "Fisherman", wie ihn alle nennen, immer passende Rezepte. Die meisten Leingartener kannte er mit Namen oder war mit ihnen per Du. "Die persönliche Note, darauf kommt es an. Das Besondere sind immer die Leute. Und das ist es, was richtig Spaß gemacht hat."

Perfektes Klima

Für seinen Kollegen Christoph Knausenberger, Direktvermarkter von Bio-Obst und -Gemüse, hat Thaidigsmann sogar "teilweise eine Art Vaterrolle" übernommen. "Er ist ein ganz gradliniger, ehrlicher Mensch", erzählt der 45-Jährige. Auch er kommt seit 20 Jahren nach Leingarten. Der "Fisherman", den er von Schwäbisch Hall kannte, hat ihn hergebracht. Er schätzt die Kunden in der Leintalgemeinde: "In Hall gibt es zwar schon lange eine Ökoszene, aber dort ist alles stressiger." Viele kauften nur einen Bund Petersilie. "Hier decken sich viele mit ihrem Wochenbedarf ein", so Knausenberger. Auch das Zusammenwirken mit den Kollegen sei perfekt. Mohammed Sancakli sieht das ebenso. Seit 2011 verkauft er in Leingarten südländische Spezialitäten. "Die Kunden sind hier viel geduldiger und sehr weltoffen."

Nahtloser Übergang

Christoph Knausenberger mit Stammkundin Andrea Walter.
Christoph Knausenberger mit Stammkundin Andrea Walter.  Foto: Kostner, Claudia

Auf ihren freitäglichen Fisch muss die Kundschaft trotz Thaidigsmanns Abschied nicht verzichten. "Für mich ging das nahtlos über, mit derselben Qualität und demselben Angebot", freut sich Stammkunde Klaus-Dieter Seeburger aus Kirchhausen. Denn Enes Sevda aus Wernau hat Betrieb, Sortiment und Tour von Thaidigsmann übernommen. Seit 20 Jahren im Fischgeschäft, ist es sein dritter Verkaufswagen. "Leingarten ist ein sehr guter Marktort mit sehr netten Kunden", so sein erster Eindruck.

Ausweich-Standort mit Umsatzminus

Sevda kennt es nicht anders, aber seine Kollegen hoffen, dass der Markt bald wieder vor dem Rathaus stattfindet. Dort wird gebaut, die Händler müssen auf den Festplatz ausweichen. "Es gefällt uns hier viel besser, aber es sind halt 20 Prozent weniger Umsatz", vermisst Christoph Knausenberger die Laufkundschaft. Und Reyhan Özattin vom Gemminger Geflügelhof Schukraft weiß: "Viele alte Leute schaffen es nicht hierher."

 
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