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Güglingen/Brackenheim

Sorge um die Steinkrebse in der Zaber

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In der Zaber und ihren Nebenflüssen geht die Zahl heimischer Krebsarten zurück. Ein Grund ist die Krebspest - doch sie ist nicht der einzige. Wolfgang Sitter vom Landesfischereiverband behält die Krebse im Blick.

Von Ines Schmiedl
Wolfgang Sitter (links) und Herbert Bieselin haben erst einmal nur ein paar Bachflohkrebse gefunden.
Foto: Ines Schmiedl
Wolfgang Sitter (links) und Herbert Bieselin haben erst einmal nur ein paar Bachflohkrebse gefunden. Foto: Ines Schmiedl  Foto: Ines Schmiedl

Gleich unzählige Rezepte wie Krebssuppe, Krebsklöße, Rissolen, also kleine Pastetchen, finden sich auf dem "Speisezettel fürs ganze Jahr" in der Veröffentlichung "Neues praktisches Badisches Kochbuch" aus dem Jahr 1855. Doch während es Menschen egal ist, welche Art von Krebsen einst und heute im Kochtopf landen, ist es für die heimische Flora und Fauna von großer Bedeutung.

"Inzwischen spielen Krebse in unserer Ernährung kaum noch eine Rolle", weiß Wolfgang Sitter, seit mehr als 50 Jahren passionierter Angler, langjähriger Gewässerwart und Ausbildungsleiter für Gewässerwarte des Landesfischereiverbandes. Er selbst hat schon Krebse verspeist, nur keine heimischen Arten, die geschützt sind.

Der Signalkrebs hat die Krebspest eingeschleppt

Der gebürtige Sontheimer wohnt seit Jahrzehnten in Lauffen, die Flüsse Neckar und Zaber kennt er fast wie seine Westentasche. Seinem Anstoß ist es zu verdanken, dass derzeit die Krebsbestände in der Zaber und all ihren Nebenflüssen erfasst werden. Denn er hatte beim Regierungspräsidium gemeldet, dass die heimischen Krebsarten rasant abnehmen.

Schuld daran ist die Krebspest, die von eingeschleppten Arten wie dem Signalkrebs übertragen wird. Zudem vermehren sich die Signalkrebse so schnell, dass sie den heimischen Arten wie dem in Zaber und Nebenflüssen ansässigen Steinkrebs ihre Lebensgrundlage rauben.

Welche Flüsse noch zu retten sind und welche nicht

"Noch sind einige Zuflüsse oder der Oberlauf der Zaber zu retten", weiß Sitter. In anderen Gewässern - etwa dem Herrenwiesenbach bei Botenheim - finden sich nur noch Signalkrebse. Ihren Namen verdanken sie ihren markant gefärbten Scheren, die an der Unterseite orangerot sind. Im Riedfurtbach auf Frauenzimmerner Gemarkung müsste es noch Steinkrebse geben, auch wenn Biologe Christian Günter lange suchen musste, um ein Exemplar auszumachen. Daher ist es hilfreich, sich mit den lokalen Kennern der Gewässer zu treffen. "Wir geben unser Wissen gerne weiter", sagt Gewässerwart Herbert Bieselin, der gemeinsam mit Wolfgang Sitter die vom Regierungspräsidium beauftragten Biologen getroffen hat.

Hier zeigt sich auch der Klimawandel

Die heimischen Gewässer leiden nicht nur unter eingewanderten Arten, auch die immer wärmeren Sommer und steigenden Temperaturen in den Flüssen machen deren Bewohner zu schaffen. Zumal die Wasserbestände nicht mehr durch üppige Regentage im Winterhalbjahr aufgefüllt werden. "Nicht nur am Wetter, auch an den Fischbeständen bemerken wir den Klimawandel", sagt Wolfgang Sitter.

Früher gab es Döbel, Grundel oder Rotaugen in der Zaber, auch Mühlgroppen oder vereinzelt Forellen. Inzwischen gehen die Fischbestände zurück - nicht nur in Zaber oder Neckar - das habe auch mit der Wasserqualität zu tun. "Manchmal ist die Belastung mit Kolibakterien so hoch, dass die Fische sterben", berichtet Sitter.

Genauer möchte er sich über das Thema nicht auslassen. In diesem Jahr werden in der Zaber und ihren Nebenflüssen die Krebsvorkommen dokumentiert, 2021 werden die Bestände genauer unter die Lupe genommen, so Biologe Christian Günter. Übrigens tragen auch Spaziergänger zur Ausbreitung der Krebspest bei: Sporen an den Schuhen oder im Fell von Hunden können so von einem Gewässer ins nächste gelangen. Daher wäre es wichtig, immer die Schuhe zu säubern und zu trocknen, bevor es an den nächsten Bach geht.

 

Wie die heimischen Krebse geschützt werden können
Um die heimischen Arten zu schützen gibt es die Möglichkeit des Baus von Krebssperren. Diese Ausbreitungsbarrieren hindern Signalkrebse daran, sich im Flusslauf oder in einem Nebenfluss anzusiedeln. Da Krebse auch auf kurze Distanzen an Land unterwegs sein können, muss ein Umwandern der Sperre verhindert werden. Die Steinkrebse sind ohnehin nicht so wanderfreudig, haben einen geringen Aktionsradius und sind meist standorttreu. Signalkrebse hingegen haben einen Bewegungsdrang.

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