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Bottwartal

Pläne für Erddeponie liegen vorerst auf Eis

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Die Suche nach einem Standort für eine Erddeponie der Abfallverwertungsgesellschaft Ludwigsburg beginnt von Neuem. Nach Protesten in den betroffenen Gemeinden Großbottwar und Oberstenfeld bekam das Vorhaben auch Gegenwind aus dem Kreistag Ludwigsburg. Landrat Dietmar Allgaier hat jetzt das Verfahren zur Standortsuche ausgesetzt.

Dass das Bottwartal als Naherholungsgebiet gepriesen und zugleich als Standort einer Deponie erkoren wird, geht für die Kritiker nicht zusammen.
Dass das Bottwartal als Naherholungsgebiet gepriesen und zugleich als Standort einer Deponie erkoren wird, geht für die Kritiker nicht zusammen.  Foto: Privat/Jürgen Zastrow

Dass die Abfallverwertungsgesellschaft des Kreises Ludwigsburg (AVL) im Bottwartal möglicherweise eine neue Erddeponie bauen will, hat in Großbottwar, Beilstein und Oberstenfeld für großes Aufsehen und Protest gesorgt. Jetzt liegen die Pläne vorerst wieder auf Eis: Der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier hat entschieden, das eingeleitete Verfahren zur Standortsuche bis auf Weiteres auszusetzen. Allgeier ist auch Vorsitzender des AVL-Aufsichtsrats.


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„Wir nehmen die Bedenken und Kritikpunkte, die in der Bevölkerung und der Öffentlichkeit aufgekommen sind, ernst“, betont der Landrat. Unmittelbar, nachdem bekannt wurde, dass die AVL Großbottwar und Hemmingen in die Endauswahl für den möglichen Standort einer 45 Hektar großen Erddeponie genommen hat, initiierte der Großbottwarer Gemeinderat die Protestaktion „Nein zur Deponie“. Dort und in Oberstenfeld, an dessen Gemarkungsgrenze die Deponie unmittelbar angrenzen würde, gab es in den vergangenen Tagen Bürgerinformationsveranstaltungen mit Vertretern der AVL.

Gemeinden und Bürger bringen viele Gegenargumente vor

Am Standpunkt der Kommunen änderte sich dabei indes nichts. „Die Deponie im Bottwartal gibt es noch lange nicht, und wir werden alles dafür unternehmen, um sie gemeinsam zu verhindern“, sprach Bürgermeister Markus Kleemann am Ende der mehr als dreistündigen Veranstaltung im Oberstenfelder Bürgerhaus deutliche Worte. Eine Deponie dieser Größe für mineralische Abfälle im Herzen des Bottwartals sei untragbar.

Gemeinde- und Ortschaftsrat sowie Gemeindeverwaltung seien sich einig: „Wir sprechen uns klar gegen eine Deponie im Bottwartal aus, die mit einer Laufzeit von über 50 Jahren mehr als zwei Generationen der Einwohner täglich belasten wird“, so Kleemann. Seine Argumente bestätigten zahlreiche der rund 450 Zuhörer in ihren Wortmeldungen. Eine Deponie an diesem Standort bringe gravierende Nachteile für das Landschaftsbild mit sich, das so gerne „als noch intaktes Naherholungsgebiet für den Ballungsraum Stuttgart“ gepriesen werde. Nun sollten wertvolle landwirtschaftliche Fläche, ökologisch wichtige Streuobstwiesen und der dortige Wildkorridor einer Deponie weichen. Das geplante Neubaugebiet Am Krixenberg, das teilweise nur rund 300 Meter vom geplanten Standort entfernt wäre, wurde ebenso als Gegenargument vorgebracht wie die nötige Einfriedung des Areals, das erwartete „immense zusätzliche Verkehrsaufkommen sowie eine enorme Emissionsbelastung“.

Kapazitätsfrage ist noch offen

Offene Fragen Landrat Allgaier betont indes: „Wir sind bei der Standortsuche noch in einem sehr frühen Stadium.“ Erklärtes Ziel der AVL sei gewesen, die Standortsuche so offen und nachvollziehbar wie möglich zu gestalten. „Dazu gehört auch, dass wir die Frage transparent machen, ob und wo eine Erddeponie vorstellbar wäre – und wo nicht.“ Ebenso sei noch offen, wie künftig mit den Abfallmengen umgegangen werde, für die eigentlich der Verband Region Stuttgart zuständig ist. Diese werden zwar im Landkreis Ludwigsburg deponiert, entstehen aber außerhalb. Spreche sich der Kreistag dafür aus, dass sich dies ab 2025 ändern soll, müsse geklärt werden, welche Auswirkungen das auf die Standortsuche und das Deponiekonzept des Landkreises habe. Dazu seien Gespräche mit dem Verband Region Stuttgart und dem Regierungspräsidium nötig.

Die Kritik, die an den Standortplänen laut wurde, gelte es nun, „so sachlich und nüchtern wie möglich aufzuarbeiten“, so Allgaier. Emotionen müssten dabei so weit wie möglich hintenangestellt und stattdessen die fachlichen Aspekte berücksichtigt werden.

Gegenwind aus dem Kreistag

Die Fraktionen im Ludwigsburger Kreistag, allen voran die Freien Wähler, hatten zuletzt eine Neuausrichtung in Sachen Standortsuche gefordert. Die Begründung: Aus den Detailangaben der AVL gehe hervor, dass mehr Bauschutt aus anderen Regionen dort deponiert würde, als aus dem Landkreis Ludwigsburg selbst. Verlängere der Kreis den 2024 auslaufenden Vertrag nicht, der die AVL zur Aufnahme dieser Kapazitäten verpflichtet, könne die Deponie „Am Froschgraben“ in Schwieberdingen länger genutzt werden und es bliebe mehr Zeit für eine neue Standortsuche. Eine reine Kreisdeponie benötige zudem deutlich weniger Fläche als die geplanten 45 Hektar.

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