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Massenbachhausen

Pfannkuchen aus Sand und Wasser

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Im Waldkindergarten in Massenbachhausen gibt es kein Spielzeug. Dafür ganz viel Natur. Und seit neuestem auch eine Matschküche.

Von Elfi Hofmann
Das Eingangstor aus Europaletten haben die Eltern gebaut. Dort werden die Kinder abgeholt.
Das Eingangstor aus Europaletten haben die Eltern gebaut. Dort werden die Kinder abgeholt.  Foto: Hofmann, Elfi

Zwischen den Bäumen spielen, durch Pfützen hüpfen oder einfach den Vögeln lauschen: Im Waldkindergarten in Massenbachhausen ist das möglich und noch viel mehr. Im vergangenen September wurde die Einrichtung, die zum Kindergarten Regenbogen gehört, eröffnet. Seitdem hat sich einiges getan auf dem Gelände an der Grillstelle am Trimm-Dich-Pfad.

Die Kleinsten sind die Ameisen

Kinder zwischen drei und sechs Jahren besuchen den Kindergarten im Moment, 20 Plätze gibt es insgesamt. "Für den Aufbau ist eine relativ kleine Gruppe sehr gut", erklärt Mirjam Deuschle. Die Erzieherin betreut gemeinsam mit Natalie Albrecht und der Sozialpädagogin Sandra Senghaas-Walter, die einmal in der Woche kommt, die Ameisen, Hasen, Füchse und Eulen. So werden die Kinder - jeweils nach ihrem Alter aufsteigend - genannt.

Obwohl der Wald an sich eigentlich schon spannend genug ist, haben die Eltern während zweier Helfertage neben einem Insektenhotel und einem Waldsofa auch eine große Matschküche gebaut. Wie in einer echten Küche gibt es eine Spüle, Töpfe, Pfannen und einen Kanister mit Wasser. Denn ohne Wasser auch kein Matsch. Oder eben in diesem Fall Pfannkuchen und Suppe. "Die Kinder sollen wissen, dass Wasser begrenzt ist", erklärt Mirjam Deuschle. Da die Einrichtung nicht ans öffentliche Netz angeschlossen ist, gibt es ein Regenauffangbecken. Toiletten sind deshalb ebenfalls nicht vorhanden. Wenn die Blase drückt, gehen die Kinder auf eine "Pipiwiese", auf der auch nicht gespielt wird.

Regeln schaffen und Grenzen setzen

Neu ist auch ein Eingangstor aus Europaletten vor der Hütte. "Wenn die Eltern ihre Kinder abholen, warten sie hier", erklärt Mirjam Deuschle. Damit soll für die Kleinen eine bewusste Grenze geschaffen werden. Auch, wenn es die im Wald eigentlich gar nicht gibt, zumindest nicht sichtbar. "Wir haben Regeln, wie weit sie laufen dürfen", so Deuschle, "so lange wir sie noch sehen können und sie uns." Das klappe recht gut.

Es gibt kein schlechtes Wetter

Der Alltag sei im Waldkindergarten genauso geplant wie in anderen Einrichtungen, erklärt Deuschle. Wenn alle Kinder da sind, treffen sie sich mit den Erzieherinnen zum Morgenkreis und singen gemeinsam das Jahreszeitenlied. "Wenn es kalt ist, machen wir Bewegungsspiele zum Aufwärmen", sagt die Erzieherin. Danach geht es in den Wald. Dort gibt es unterschiedliche Ziele. Bei Regen läuft die Gruppe zum Fichtenwald, der sei durch seine dichten Kronen geschützter als andere Plätze, so Deuschle. Jedes Wetter habe aber seinen Reiz.

Kleine Landwirte

Der Tag im Waldkindergarten spielt sich aber nicht nur im Wald ab. "Wir besuchen auch Bauern im Ort", so die Pädagogin. Dort haben die Kinder schon Kartoffeln und Zwiebeln geerntet. Vor einigen Tagen sammelten alle zusammen Erdbeeren, die dann über dem Grill zu Marmelade verarbeitet wurden. "So erleben sie die Jahreszeiten viel bewusster", ist sich Deuschle sicher.

Spontan kann es trotz aller Planung aber auch mal werden. Zum Beispiel, wenn jemand mit seinem Hund vorbeikommt. "Dann erklären wir, wie man mit den Tieren umgeht", so Deuschle. Einige Spaziergänger laden die Gruppe auch ein. Es ist also immer was los im Waldkindergarten.

In der Matschküche können die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Die Zutaten nehmen sie einfach vom Waldboden.
Fotos: Elfi Hofmann
In der Matschküche können die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Die Zutaten nehmen sie einfach vom Waldboden. Fotos: Elfi Hofmann  Foto: Hofmann, Elfi
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