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Schwaigern

Waldschenke in Stetten schließt wegen Personalmangel

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Die beliebte Waldschenke "Neuer Berg " brummt, doch Pächter Jürgen Thumlert findet kein Küchenpersonal. Zum Jahresende schließt er.

Vor knapp acht Jahren hat Jürgen Thumlert die Ausflugsgaststätte in Schwaigern-Stetten gepachtet und die Kapazitäten auf 350 Sitzplätze erweitert. 
Foto: Friedhelm Römer
Vor knapp acht Jahren hat Jürgen Thumlert die Ausflugsgaststätte in Schwaigern-Stetten gepachtet und die Kapazitäten auf 350 Sitzplätze erweitert. Foto: Friedhelm Römer  Foto: Römer, Friedhelm

Am 19. Dezember ist Schluss. Dann macht Jürgen Thumlert den Laden dicht. Gezwungenermaßen. Der Pächter der Waldschenke Neuer Berg in Schwaigern-Stetten findet einfach kein Küchenpersonal. Dabei brummt der Laden.

Es sind indirekte Auswirkungen von Corona. "Ich brauche mindestens vier Leute für die Küche, und das ist schon knapp kalkuliert", sagt der 53-Jährige, der vor knapp acht Jahren beim Neuen Berg als Pächter eingestiegen ist. Inzwischen ist ein Mitarbeiter in Rente gegangen, ein weiterer zurück nach Polen, ein dritter ist krank, und eine Mitarbeiterin ist schwanger. "Jetzt bin ich als einziger Koch übrig geblieben."

Vergebliche Suche

Thumlert: "Menschen, die in der Gastronomie arbeiten, sind das Schaffen gewohnt. Die sind auch bei anderen Arbeitgebern gern gesehen." Und diese könnten vermutlich auch mit besseren Arbeitszeiten locken. Am Verdienst, ist der 53-Jährige überzeugt, liege es nicht. Man habe alles versucht, um Leute zu finden: Agentur für Arbeit und auch eigene Netzwerke genutzt. Nichts zu machen.

Über die staatlichen Coronahilfen kann er sich nicht beklagen. Die Überbrückungshilfen seien geflossen. Thumlert: "Finanziell wäre es zu stemmen gewesen."

Als Jürgen Thumlert Anfang 2014 am Neuen Berg einstieg, sei man bei Null gestartet, und gab es nur einen Bruchteil der heutigen 350 Sitzplätze. Der Gastronom hat kräftig umgebaut. Allein die Innenbewirtung umfasst inzwischen 150 Plätze. Die Nachfrage ist riesig und gibt ihm recht. "Der Neue Berg ist ein Selbstläufer", sagt Thumlert. "Aber wir sind erschlagen worden von der Masse an Gästen." Besitzer der Waldschenke ist Siegfried Echle vom gleichnamigen Weingut in Brackenheim-Neipperg.

Drei zusätzliche Mitarbeiter wären nötig

Aufgrund der hohen Belastung hat er bereits die Zahl der Ruhetage von einem auf zwei erhöht. Montag und Dienstag ist die Waldschenke geschlossen. Trotzdem blieb die Belastung hoch. Nach dem Ende des Lockdowns im Mai diesen Jahres sei er mit eineinhalb Personen zu wenig in die Saison gestartet. "Das bekommen wir nicht kompensiert. Wir brauchen zusätzlich drei Mitarbeiter und bekommen nicht einmal einen."

Er hätte sein Angebot reduzieren, sein Konzept verändern können. "Aber wenn wir eine Rolle rückwärts machen, haben wir unzufriedene Gäste." Und das würde seinen Ansprüchen auch nicht gerecht werden. Im Wesentlichen habe er Gäste jenseits der 60. Allerdings sei hier seit einiger Zeit mehr und mehr jüngeres Publikum vertreten.

Im Gegensatz zum fehlenden Küchenpersonal hat der Gastronom im Service keinerlei Probleme. Hier sind weiterhin vier Mitarbeiter beschäftigt. Einen größeren Bedarf hat er hier nicht. "Ich brauche keinen, der das Essen bringt, wenn ich niemanden habe, der den Teller füllt." Doch genau dieses Serviceteam bricht nun auseinander. "Die Mitarbeiter hatten Tränen in den Augen", sagt Sandra Schmidt, Thumlerts Lebensgefährtin, die ebenfalls mithilft und schiebt nach: "Es wird etwas fehlen."

Tradition

Die Waldschenke Neuer Berg hat eine lange Tradition. Seit 1949 gibt es die Gaststätte. Wie es weitergeht, ist offen. Trotz der für Dezember angekündigten Schließung macht sich Pächter Jürgen Thumlert um seine Zukunft keine Sorgen. "Köche werden überall gesucht", sagt der 53-Jährige. Allerdings geht mit dem Abschied von der Waldschenke auch ein Traum zu Ende. "Ich komme aus Stetten und hatte es schon in meiner Ausbildung zum Koch in den 80er Jahren im Hinterkopf, irgendwann in der Waldschenke zu kochen."

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