Nächtliche Besucher richten Schäden an Katharina-Kepler-Schule an
Die Stadträte sehen Güglingen weit entfernt von Zuständen wie auf der Reeperbahn. Die Bürgervertreter wollen Vandalismus in der Kommune mit Prävention begegnen.

Brandflecken von Shisha-Pfeifen, Zigaretten-Kippen, Glasscherben zerbrochener Alkoholflaschen oder kaputte Türen. Sachbeschädigungen und Verunreinigungen sind der Leiterin der Güglinger Katharina-Kepler-Schule, Dr. Annegret Doll, seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge.
Einen Antrag der Stadtverwaltung auf Videoüberwachung von Teilbereichen des Schulhofes hat der Gemeinderat jetzt aber abgelehnt. Stattdessen forderte etwa die Fraktion der Bürger Union (BU) Prävention statt Kontrolle. "Nicht miteinander zu reden ist das Schlechteste", sagte BU-Sprecher Joachim Esenwein.
Treffpunkt für Jugendliche am Abend
Abends, vor allem aber an Wochenenden, ist die Kepler-Schule Treffpunkt von Jugendlichen, die offenbar vor Vandalismus nicht zurückschrecken. Tausende Euro Sachschaden sind die Folge. Türen wurden schon komplett zerstört und auch das Schuldach haben die nächtlichen Besucher offenbar schon bestiegen.
"Die Scherben kriegen wir nach einmaliger Reinigung gar nicht vollständig weg", sagte die Rektorin, die darin durchaus eine Gefahr für die Schüler sieht. Der Hausmeister habe regelmäßig alle Hände voll damit zu tun, Shisha-Brandflecken zu entfernen. Den Sachschaden kann Annegret Doll gar nicht genau beziffern. "Da müsste man die Arbeitszeit für die aufwendige Reinigung einrechnen", sagt die Rektorin.
Schulleiterin hofft auf Videoüberwachung
Um den Vandalismus in den Griff zu bekommen, hoffte die Schulleiterin jetzt auf Videoüberwachung. "Ob wir damit viel erreichen, kann ich nicht sagen." Kamera-Attrappen und Bewegungsmelder seien zuletzt ohne Wirkung geblieben. Sie seien regelmäßig zerstört worden. Vandalensichere Kameras seien jetzt das letzte Mittel, betonte die Schulleiterin im Ratsrund. Und: "Die Eltern stehen hinter der Überwachung. Zum Schutz ihrer Kinder", sagte Annegret Doll.
Rund 12.000 Euro hätten die drei geplanten Kameras gekostet. Die Überwachung sei mit dem zuständigen Polizeirevier Lauffen abgesprochen gewesen, versicherte Bürgermeister Ulrich Heckmann. Dass die Verwaltung den Antrag im März stellt, hat einen Grund. Denn mit Beginn der wärmeren Jahreszeit nehmen die Sachbeschädigungen in der Katharina-Kepler-Schule vermutlich wieder zu.
Räte sehen Eingriff in Grundrechte
Im Ratsrund fand die Videoüberwachung keine Mehrheit. Zweifel an der Zulässigkeit der Videoüberwachung im Sinne der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) konnten Verwaltung und die Schulleiterin zwar weitestgehend ausräumen. Eine ganze Reihe von Stadträten hatten dennoch Bedenken. Zum einen, weil auch Videoaufzeichnungen die Täter nicht zwingend überführen könnten, wenn sie etwa Kapuzen tragen, gab Andreas Burrer von der Freien Unabhängigen Wählervereinigung (FUW) zu Bedenken.
Zum anderen, weil zu vermuten sei, dass die Gruppe andere Plätze aufsuchen könnte. Sollten die dann auch überwacht werden? "Wir sind Güglingen, nicht die Reeperbahn", sagte Edgar Bruder (FUW). Auch Fraktionskollege Markus Bosler hält die Videoüberwachung für unverhältnismäßig. "Das geht für mich in Richtung Eingriff in die Grundrechte", sagte der Stadtrat.
Konzept für Präventionsarbeit gefordert
Für Joachim Esenwein ist die Videoüberwachung der falsche Weg: "Wo bleibt unser Präventionsansatz?" Prävention sei für ihn auch eine Art von Kontrolle. Fraktionskollege Friedrich Sigmund stellte den Antrag, dass ein Präventionskonzept erarbeitet werden müsse, das dann im Gemeinderat vorgestellt wird.
Davon zeigte sich Bürgermeister Heckmann wenig begeistert. "Wer soll das erstellen?" Heckmann möchte stattdessen den Leiter des Polizeireviers Lauffen in eine der nächsten Sitzungen einladen. Immerhin sei die Polizei ja auch zuständig. Darin waren sich die Gemeinderäte einig.
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