Stimme+
BRACKENHEIM

Immer auf Qualität gesetzt

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Nach 25 Jahren als Vorstandsvorsitzender beim Weinkonvent gibt Matthias Schilling sein Amt ab

Von Stefanie Pfäffle
Mit Wehmut verabschiedet sich Matthias Schilling nach 25 Jahren als Vorstandsvorsitzender des Weinkonvents Dürrenzimmern.
Foto: Stefanie Pfäffle
Mit Wehmut verabschiedet sich Matthias Schilling nach 25 Jahren als Vorstandsvorsitzender des Weinkonvents Dürrenzimmern. Foto: Stefanie Pfäffle  Foto: Pfäffle, Stefanie

Wenn es nach seinem Kopf gehen würde, würde sich Matthias Schilling heute bei der 75. Generalversammlung erneut zur Wahl als Vorstandsvorsitzender beim Weinkonvent Dürrenzimmern stellen. "Es fällt mir sehr schwer, ich hab das Amt immer ernst genommen, viele private Interessen zurück gestellt", meint der 61-Jährige bewegt. "Aber mein Arzt sagt, es geht nicht anders, sonst werde ich nicht alt." Der Vollerwerbswengerter ist seit 15 Monaten krank und wird deswegen nach 25 Jahren schweren Herzens den Vorsitz abgeben.

Seit vierzig Jahren ist der Dürrenzimmerner Mitglied in der WG, die damals noch schlicht Weingärtnergenossenschaft hieß. "Ich war schon als Student Nebenerwerbswengerter, hab mir das Studium quasi mit Traubengeld finanziert", erzählt er. Nach dem Abitur studiert Schilling Agrarwissenschaften an der Uni Hohenheim. Danach zieht es ihn nicht gleich zurück in die Weinberge. Er schnuppert bei Südzucker rein, weil er wissen will, wie ein so großes Unternehmen tickt. Danach macht er ein Referendariat beim Landwirtschaftsministerium in Stuttgart, um anschließend sieben Jahre lang an der LVWO in Weinsberg zu lehren.

"Dann stand für meine Frau und mich die große Entscheidung an: Entweder wir bauen in Weinsberg und brechen alle Zelte in Dürrenzimmern ab oder wir gehen zurück und machen es da, aber richtig", erinnert er sich. Die Wahl fällt auf das Weingut des Vaters, das er 1993 übernimmt und schnell vergrößert. Im Jahr darauf wird Schilling bereits in den Aufsichtsrat gewählt, 1996 dann in den Vorstand, dessen Vorsitz er im März 2002 übernimmt.

Es ist nicht das einzige Ehrenamt in der Weinwirtschaft. Die Position im Beirat der WZG Möglingen und in der Fachgruppe Wein beim Genossenschaftsverband in Karlsruhe hat er bereits aufgegeben. Nur Mitglied im Vorstand des Weinbauverbands Württemberg, was er seit 1994 ist, möchte er bleiben.

Die WG hat in seiner Zeit vor allem auf Qualitätssteigerung gesetzt, sowohl im Keller als auch im Weinberg. "Wir arbeiten viel mit Ertragsreduzierung", erklärt der 61-Jährige. "Als wir angefangen haben, Trauben im August am Stock abzuschneiden, war das für meinen Vater der Horror", ergänzt er lächelnd.

Es hat sich gelohnt, die Weine werden mit vielen Preisen, die WG zweifach mit dem DLG-Bundesehrenpreis ausgezeichnet. 2015 werden die Verkaufsräume umgebaut. Mit dem stattlichen Tor und der Gewölbedecke wirkt die Investition wie ein Neubau, in dem die Vinothek im Mittelpunkt steht und es zusätzlich vier Veranstaltungsräume gibt. Im gleichen Jahr folgt die Umbenennung in Weinkonvent - ein Weg, den alle Mitglieder mitgehen. Gern erinnert sich Schilling daran zurück, wie sie zu dritt 400 Fackeln an einem Steilhang zu einem großen V aufgestellt und dann bei einer Feier mit den Mitgliedern angezündet haben. "In der Außenwirkung ist der Name angekommen", ist Schilling überzeugt.

Die Arbeit im Vorstand hat ihm immer Spaß gemacht. Frühmorgens kam er rein, um das Wichtigste mit Geschäftsführer und Kellermeister zu besprechen. "Ich hab immer versucht, Entscheidungen zu treffen, von denen alle Mitglieder profitieren." 2002 hätte er gar nicht gedacht, dass er den Job so lange macht. "Ohne die Krankheit hätte ich mich noch mal drei Jahre wählen lassen."

Stichwort: Nachfolge

Matthias Schilling ist einer von nur noch zehn Haupterwerbswengertern im Weinkonvent Dürrenzimmern. Er bewirtschaftet elf der insgesamt 200 Hektar Rebfläche, zusätzlich noch 36 Hektar Ackerbau. Mit seiner Frau Helga hat er drei Söhne. Der Jüngste, Felix, macht derzeit eine Winzerausbildung, war Landessieger und will in Weinsberg weitermachen. "Ich werde versuchen, den Betrieb so lange mit Hilfskräften zu halten, bis sich entscheidet, ob er übernehmen möchte, aber das darf er selbst entscheiden", so Schilling. spf

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben