Zur Person
Alia Bonincontro ist 21 Jahre alt und kommt aus Bönnigheim. Nach dem Abitur studierte sie drei Semester International Business an der DHBW Stuttgart und begann dann die Ausbildung zur Pilotin an der FFH in der Landeshauptstadt.
Alia Bonincontro will Pilotin werden. Im Interview erzählt sie, wie sie Ausbildung, Nebenjob und Vorurteile meistert – und warum Frauen in der Luftfahrt nach wie vor eine Seltenheit sind.

Alia Bonincontro wusste schon früh, dass ihr Platz über den Wolken ist. Die Ausbildung zur Pilotin ist teuer, die Hürden hoch – und die Branche noch immer von Männern dominiert. Doch Alia arbeitet hart, finanziert sich das Cockpit aus eigener Kraft und lässt sich nicht unterkriegen. Im Gespräch mit Stimmt!-Schreiberin Lea erzählt sie von den Herausforderungen der Ausbildung – und beweist Tag für Tag, dass Träume fliegen können, wenn man ihnen Flügel verleiht.
Was war der Auslöser für deinen Traum, Pilotin zu werden?
Alia Bonincontro: Ich wollte das eigentlich schon immer. Schon als Kind habe ich Bordkarten gesammelt und Sticker aus Flugzeugen – das war für mich einfach magisch. Es war aber lange nicht realistisch, weil wir uns die Ausbildung nicht leisten konnten. Nach dem Abi habe ich zuerst ein duales Studium in International Business begonnen – aber das hat mich nicht erfüllt. Irgendwann meinte mein Papa: „Alia, mach die Ausbildung zur Pilotin, das ist dein Traum.“ Und dann habe ich das Studium nach dem dritten Semester abgebrochen und bin zur Flugschule gewechselt.

Wie war der Einstieg in die Ausbildung – welche Voraussetzungen musstest du erfüllen?
Bonincontro: Die Ausbildung kann man grundsätzlich sogar mit einem Realschulabschluss machen, aber die Airlines erwarten meist Abitur. Ich habe mich mit Lebenslauf und Motivationsschreiben beworben und wurde zu einem Assessment eingeladen. Mein Thema war das Koordinatensystem der Erde. Es ging darum, zu zeigen, dass ich mich vorbereiten kann und ein Grundverständnis mitbringe. Besonders wichtig sind soziale Kompetenzen.
Wie läuft die Ausbildung ab?
Bonincontro: Die Ausbildung besteht aus zwei Hauptteilen: dem Privatpilotenschein und dem Berufspilotenschein. Die Ausbildung zur Linienpilotin beginnt mit der Privatpilotenlizenz, bei der Sichtflug und grundlegende Flugtechnik im Vordergrund stehen. Anschließend folgt die Berufspilotenausbildung mit umfangreicher Theorie, Instrumentenflugtraining und praktischer Erfahrung.
Was lernt ihr konkret in der Theorie?
Bonincontro: In den 14 Fächern lernen wir beispielsweise Luftrecht, Meteorologie, Navigation, Funkverkehr, Aerodynamik, Flugzeugtechnik, Human Performance. Alles, um das Flugzeug sicher und bei Gefahren fliegen zu können.
Gibt es Fächer oder Themen, die dich besonders fordern?
Bonincontro: Besonders fordernd finde ich Aerodynamik, da geht es sehr tief in die Physik rein. Allgemein fordert mich das theoretische Lernen. Ich lerne lieber in der Praxis. Auch die Anzahl der Fragen bei Prüfungen bringt mich an meine Grenzen. Pro Fach müssen wir um die 1600 Fragen lernen. In der Prüfung selbst werden jedoch nur 50-80 abgefragt.
Wie sieht ein typischer Tag in deiner Pilotenausbildung aus?
Bonincontro: In einer Theoriephase bin ich von 9 bis 16 Uhr in der Flugschule und habe danach meist noch gelernt. Am Abend habe ich dann entweder Training oder muss arbeiten. Jetzt bin ich in der Prüfungsphase, also lerne ich tagsüber in der Bibliothek. Da sitze ich dann auch mal 13 Stunden am Stück – ich bin sehr belastbar, aber es ist intensiv.

Wie finanzierst du diese doch recht kostspielige Ausbildung?
Bonincontro: Mein Vater hat einen Kredit aufgenommen, den ich monatlich abbezahle. Nebenbei habe ich drei Jobs gehabt: als Ramp Agentin am Flughafen, bei einer Catering-Firma und als Kellnerin. Inzwischen arbeite ich aber nicht mehr am Flughafen, um die Prüfungsphase zu schaffen.
Wie bekommst du Ausbildung, Nebenjob und Hobby unter einen Hut?
Bonincontro: Mit sehr viel Organisation und wenig Schlaf. Ich habe oft im Auto geschlafen, zwischen Nachtschicht und Frühdienst. Es war wirklich hart, aber ich mache alles für meinen Traum. Ich kann mir nichts anderes vorstellen.
Was sind deine Aufgaben als Ramp Agentin?
Bonincontro: Ich war für den Ablauf und die Koordination am Boden zuständig, zum Beispiel bei der richtigen Beladung von Flugzeugen oder bei der Kommunikation mit der Crew.
Es gibt weltweit nur wenige Pilotinnen. Wirst du oft mit Vorurteilen konfrontiert, dass du nicht so leistungsfähig wie ein Mann bist?
Bonincontro: Definitiv. Wir waren nur drei Frauen im Kurs, und die anderen beiden hatten schnell etwas mit Mitstudenten. Ich nicht – ich habe einen Freund und wollte mich auf das Lernen konzentrieren. Dafür wurde ich tatsächlich ausgelacht und sogar schikaniert. Auch Sprüche wie „Ich würde nie bei einer Frau ins Flugzeug steigen“ oder „Wenn Frauen fliegen sollten, wäre der Himmel rosa“ habe ich gehört. Das war schon hart, aber ich lasse mich davon nicht unterkriegen.
„Im Cockpit läuft nichts ohne gute Zusammenarbeit.“
Gab es einen Moment, der dir während deiner Ausbildung besonders in Erinnerung geblieben ist?
Bonincontro: Mein erster Flug! Ich durfte mit einem Fluglehrer abheben und selbst steuern. Das Gefühl, wenn man den Boden verlässt – unbeschreiblich. Ich hatte Tränen in den Augen. Da war mir nochmal klar: Das ist genau das, was ich will.
Wie geht es jetzt weiter – wann darfst du offiziell fliegen?
Bonincontro: Wenn alles wie geplant läuft, bin ich nächstes Jahr komplett fertig. Die Privatpilotenlizenz werde ich extern beenden und dann zur Flugschule für die Berufspilotenlizenz zurückkehren. Das ist für mich günstiger und ermöglicht mir mehr Flexibilität. Die Flugschule kostet ca. 100.000 Euro und da ich selbst dafür aufkommen muss, musste ich im Gegensatz zu anderen hart dafür arbeiten.

Was sind deine Pläne nach der Ausbildung?
Bonincontro: Mein Traum ist es, für Eurowings zu fliegen. Ich habe dort viele Kontakte geknüpft und das Arbeitsumfeld ist jung, locker und sympathisch. Ich hoffe, dass ich mit meinen sozialen Kompetenzen punkten kann – das ist in den Auswahlverfahren oft entscheidender als Noten.
Welche Eigenschaften benötigt man für die Ausbildung als Pilotin?
Bonincontro: Für die Ausbildung zur Pilotin braucht man eine gute Portion Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit, denn der Weg ist anspruchsvoll und manchmal ganz schön anstrengend. Auch Kommunikation und Teamfähigkeit sind super wichtig – im Cockpit läuft nichts ohne gute Zusammenarbeit. Wer diese Eigenschaften mitbringt, ist auf einem guten Weg.
Zur Person
Alia Bonincontro ist 21 Jahre alt und kommt aus Bönnigheim. Nach dem Abitur studierte sie drei Semester International Business an der DHBW Stuttgart und begann dann die Ausbildung zur Pilotin an der FFH in der Landeshauptstadt.
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