Wo Schildkröten und Katzen zu finden sind
Meist werden verloren gegangene Schlüssel in Rathäusern abgegeben. Denn es gibt noch ehrliche Finder.

Die Leute sind doch noch ehrlich", meint Angelika Pilz. Und das bestätigt sich just an diesem Tag einmal mehr. Denn im Fundbüro der Gemeinde Obersulm ist ein Geldbetrag gelandet. Wie viel es ist und wo die Scheine aufgelesen worden sind, das verrät die Rathausbeschäftigte natürlich nicht. Dann könnte ja jeder kommen und behaupten, das Geld gehöre ihm. Was am häufigsten in den Fundbüros der Kommunen landet? Schlüssel aller Art - meist für Auto oder Haustür - lautet die Auskunft unisono. Manchmal wird auch Kurioses abgegeben und sogar Lebendiges.
Alles, was gebracht wird, wird natürlich dokumentiert. Im Fundbuch oder auch online. Obersulm nutzt ein solches Portal, trägt die abgegebenen Fundstücke ein. Über die Homepage und E-Dienstleistungen kann jeder zugreifen auf die Suche in einem größeren Umkreis.
Rathausmitarbeiterin leistet Detektivarbeit
"Es ist immer spannend. Ich mache mir schon Mühe, den jeweiligen Eigentümer auszumachen", sagt Pilz. Eine solche Detektivarbeit leistete sie in einem ungewöhnlichen Fall. Ein Obersulmer entdeckte auf einem Parkplatz in Feichten im Kaunertal ein Handy. Und weil er keine Gelegenheit mehr hatte, es in der österreichischen Kommune ins Fundamt zu bringen, gab er es an seinem Wohnort ab. Angelika Pilz hängte sich ans Telefon, rief in Feichten an und bekam den Bürgermeister ans Telefon. "Der war ganz engagiert", erinnert sie sich. Tatsächlich meldete sich der Handybesitzer in Feichten. Von dort gingen dessen Kontaktdaten nach Obersulm und das Mobiltelefon dann auf die Reise nach Berlin, zum Wohnort des Besitzers.
Bei Melanie Armbruster in Ilsfeld landen öfters Anrufer, die nach ihrem verlorenen Handy recherchieren. "Die ich aber nicht habe", nimmt sie das Ergebnis gleich vorweg. "Spektakuläres haben wir meistens nicht", sagt die Rathausmitarbeiterin, die in der Zentrale tätig ist. Kleidungsstücke, die im Freibad oder beim Kinderferienprogramm vergessen wurden, landen im Ilsfelder Fundbüro - und natürlich viele Schlüssel. "Die werden selten abgeholt", wundert sich Armbruster. "Es bleibt mehr liegen, als abgeholt wird", berichtet sie weiter aus ihrer Erfahrung. Und deshalb weiß sie auch, wenn drei bis vier Wochen nach einer Anfrage der verloren gegangenen Gegenstand nicht im Fundbüro eingetroffen ist, dann besteht wenig Hoffnung, ihn zurückzubekommen.
"So oft wird bei uns nichts abgegeben", gibt Lisa Blümlein in Wüstenrot zur Auskunft. Ein Großteil der Fundstücke muss die Gemeinde nach der vorgeschriebenen Aufbewahrungszeit von einem halben Jahr entsorgen. Vieles davon scheint von den Besitzern nicht vermisst zu werden. "Ich vermute, dass die Leute gar nicht daran denken, sich ans Fundbüro zu wenden", meint Blümlein. "Das wäre meine erste Anlaufstelle." Blümlein blättert ihre Liste durch: Brille, Schlüssel, USB-Stick, ein geflochtener Korb? Aktuell sind auch zwei Handys und ein Tablet notiert.
Die Fundsachen zu versteigern, lohnt nicht

Sabine Armbruster in Flein hat nachgeschaut: 50 bis 60 Fundsachen pro Jahr werden im Bürgerbüro abgegeben. "Immer wieder mal 50 Euro und auch schon mal 250 Euro", sagt sie. "Es ist toll, dass die Leute uns das bringen."
In Flein wie auch in den anderen Kommunen werden die Daten des Finders erfasst und er auch gleich gefragt, ob er die Fundsache haben möchte, sollte sich kein Besitzer melden. "Die meisten wollen das nicht, außer es handelt sich um Bargeld", berichtet Sabine Armbruster. Meistens hätten die Sachen rumgelegen und seien in keinem guten Zustand. Nicht abgeholte Brillen bekommt der Weltladen, der sie einem guten Zweck in armen Ländern zuführt. Verwertbare, herrenlos gebliebene Kleidung reicht die Gemeinde Obersulm an die Sternboutique der Evangelischen Stiftung Lichtenstern weiter.
Knapp ein Dutzend Fahrräder werden im Keller des Obersulmer Rathauses zwischengelagert. "Wir hatten auch schon mal ein E-Bike", erinnert sich Pilz. Fundsachen zu versteigern, wie das größere Städte oder Verkehrsbetriebe tun, lohnt in kleinen Kommunen wie Obersulm, wo jährlich 200 bis 300 Fundstücke abgegeben werden, nicht. "Es sind auch Tiere darunter." Pilz erinnert sich an eine Wasserschildkröte, die am Breitenauer See entdeckt wurde. Ob wild oder ausgesetzt, in Ilsfeld, Flein und Wüstenrot sind auch schon Katzen in die Fundbüros gebracht worden. Glücklicherweise retteten diese immer Rathausmitarbeiter vor dem Tierheim, nachdem sich keine Besitzer nach ihnen erkundigten.
Das Fundrecht
"Alles, was einen Wert über zehn Euro hat, ist abzugeben", weist Angelika Pilz vom Rathaus Obersulm auf das deutsche Fundrecht hin. Wer eine verlorene Sache findet und an sich nimmt, hat dem Verlierer oder dem Eigentümer oder einem sonstigen Empfangsberechtigten unverzüglich Anzeige zu machen, so ist es im bürgerlichen Gesetzbuch formuliert. Sechs Monate nach der Anzeige des Fundes bei der zuständigen Behörde erwirbt der Finder das Eigentumsrecht an der Sache, wenn sich niemand gemeldet hat, heißt es darin weiter.


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