Wie groß ist das Interesse an Nahwärme in Willsbach und Eschenau?
Die Gemeinde Obersulm ermittelt den Bedarf. Gebäudeeigentümer in Willsbach und Eschenau sollen den Fragebogen für die Datenerhebung ausfüllen. Die Quartierskonzepte dienen dem Klimaschutz.

Die Gemeinde Obersulm lässt eine kommunale Wärmeplanung erstellen. Sie greift vorab schon zwei Teilorte heraus: Willsbach und Eschenau. Denn hier stehen Infrastrukturentwicklungen und Neubebauungen an, etwa im Areal "Spatzenhof" und auf dem Alten Sportplatz in Willsbach sowie im Gebiet "Salzberg" in Eschenau. Weil Nahwärme als Versorgungsart der Zukunft gilt, um die Klimaschutzziele und -neutralität zu erreichen, werden integrierte Quartierskonzepte gefertigt.
Wie groß ist die Bereitschaft von Gebäudeeigentümern, auf eine zentrale Versorgung zu setzen? Das ist der Knackpunkt bei der Umsetzung. Deshalb fragt die Gemeinde den Bedarf ab.
Fokus auf erneuerbaren Energien
"Es ist Zeit, umzudenken", macht Stefan Fuchs, Klimaschutzmanager der Gemeinde, deutlich. Schließlich hat sich das Land Baden-Württemberg zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein. "Wir versuchen, im Quartierskonzept den Fokus auf erneuerbare und regenerative Energien zu setzen", verdeutlicht Fuchs. "Wir sind da trägeroffen", fügt er zur Wahl der Energieform hinzu. Das kann Solarthermie sein oder Photovoltaik, Erdwärme oder Wärmegewinnung aus Abwasser, Hackschnitzel oder Schnittgut aus der kommunalen Grünpflege.
Fuchs hofft auf eine große Resonanz der Eigentümer der rund 2800 Gebäude in den beiden Teilorten. Gefragt wird nach der Zahl der Wohneinheiten, Alter der Immobilie und des Heizkessels samt Leistung, aktuellem Energieträger, nach erfolgten oder geplanten energetischen Sanierungsmaßnahmen. Wichtig sind die Daten zum jährlichen Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser, damit diese nicht geschätzt werden müssen.
Wichtig ist die Wirtschaftlichkeit
"Das Netz muss wirtschaftlich sein", nennt Fuchs den wichtigsten Punkt für die Umsetzung. Er geht davon aus, dass es einen Energiemix bei der Nahwärme geben werde. Ein Energieträger allein könne den Wärmebedarf nicht decken. Auch mehrere Versorger würden zum Zuge kommen.
Was kostet die Nahwärme? Was muss ein Gebäudeeigentümer für einen Anschluss bezahlen? Darauf kann Fuchs noch keine Antwort geben. Das hänge von der Zahl der Anschlusswilligen und der Gebietsgröße ab. Ihm ist bewusst, dass es schwierig ist, Eigentümer von Bestandsgebäuden ins Boot zu holen, obgleich nach dem Beschluss im Gemeinderat im August 2023 sich schon Interessenten bei ihm meldeten. Im Gegensatz zu einer Stadt mit großen Wohngebäuden und vielen Anschlussnehmern habe der ländliche Raum mit Einfamilienhäusern andere Strukturen. Hier seien die Anschlussstrecken länger.
Förderung für Kommunen und Privatleute
"Es gibt Bundes- und Landesförderung für den Aufbau von Nahwärmenetzen für Kommunen und Betreiber", sagt Fuchs. Natürlich wird die Gemeinde für ihre Liegenschaften, die konstante Verbraucher sind, auf Nahwärme setzen, sollten Heizungen ausgetauscht werden müssen. Auch Eigentümern winken Förderprogramme vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.
Die Fragebogenaktion läuft bis Anfang März. Ende März/Anfang April gibt es Informationsveranstaltungen in Willsbach und Eschenau. Die Quartierskonzepte, die mit der ZEAG erstellt werden, sollen im Herbst fertig sein. Die Machbarkeitsstudie, in der die Bereiche mit hoher Anschlussbereitschaft weiter untersucht werden, Anfang 2025. Dann gilt es, die Förderung zu beantragen, Verträge mit Abnehmern und Netzbetreibern - hier seien Bürgergenossenschaften wie bei der Windkraft denkbar - abzuschließen, Baugenehmigungen einzuholen, die Tiefbauarbeiten auszuschreiben. So schnell wie möglich soll die Umsetzung erfolgen.
Was sonst noch dazugehört
Die Quartierskonzepte beschränken sich nicht auf Nahwärme. Es geht auch um die grün-blaue Infrastruktur, also die Speicherung von Wasser (Schwammstadt), die Entsiegelung von Flächen, Schaffung von Grünoasen und Frischluftschneisen. Um Maßnahmen, Überhitzung zu verhindern, um Ladeinfrastruktur oder die Mobilität in den Quartieren.
Wo zu finden?
Der Fragebogen kann unter www.obersulm.de heruntergeladen und ausgefüllt werden.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare