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Wüstenrot

Wie eine Ehrung ins Abseits geraten kann

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Um die Namensgebung des neuen Kunstrasenplatzes in Wüstenrot ist eine Diskussion ausgebrochen. Das Schild wurde schon nach zwei Tagen beschmiert. Die große Frage: Wem gehört der Platz eigentlich, der Gemeinde oder dem Fußballverein Wüstenrot?

Von Sabine Friedrich
Bei der offiziellen Einweihung gab es die Überraschung: Der Fußballverein enthüllte das Schild mit dem Namen des neuen Kunstrastenplatzes. Foto: Ralf Seidel
Bei der offiziellen Einweihung gab es die Überraschung: Der Fußballverein enthüllte das Schild mit dem Namen des neuen Kunstrastenplatzes. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Eigentlich fühlte es sich wie ein Sieg auf ganzer Linie an, als am vorletzten Wochenende der Kunstrasenplatz in Wüstenrot eingeweiht wurde. Hunderte Zuschauer feuerten die Teams des hochkarätig besetzten U-14-Cups an. Während es auf dem Grün fair zuging, erlaubte sich jemand ein grobes, unsportliches Foul an der Außenlinie. Das neue Namensschild des Platzes wurde, kaum war es zwei Tage enthüllt, in der Nacht zum 23. Juli beschmiert. Und manch einer tritt ebenfalls nach.

Warum diese Sachbeschädigung? Warum der Unmut, die Empörung? Der Ausschuss des Fußballvereins (FV) hatte beschlossen, den Platz nach seinem Vorsitzenden Peter Wild zu taufen, um damit die Leistung von Ideengeber und treibender Kraft für das Spielfeld zu würdigen. Allerdings hat das der Ausschuss weder mit der Gemeinde noch den anderen Nutzern, VfB Neuhütten und FC Neulautern, abgesprochen.

Kritik in der Gemeinderatssitzung am Vorgehen

Heiko Dietterle äußerte in der Gemeinderatssitzung, in der Peter Wild fehlte, Kritik am Vorgehen des FV Wüstenrot. Seine Äußerung sollte nicht im Ansatz die Leistungen derer schmälern, die sich beim Bau des Kunstrasenplatzes engagierten, macht der FWV-Gemeinderat und Wüstenroter Ortsvorsteher gegenüber der Heilbronner Stimme deutlich. Aber: Das Spielfeld sei ein Gemeinschaftsprojekt für die Schulen und Sportvereine. Dafür habe er sich stark gemacht, als die Gemeinde 2012 eine Sonderförderung beschlossen hatte und eine Kostenaufteilung von zwei Drittel zu einem Drittel, sagt Dietterle.

Spielfeld gab es fast zum Nulltarif

Nachdem die Tiefbaufirma Leonhard Weiss den Platz zum Nulltarif baute, müssen Kommune und FV nur Planung und Architekt übernehmen. Das gemeinsame Spielfeld ermögliche ein weiteres Zusammenwachsen, so Dietterle. "Jetzt spaltet es eher und sorgt für Unruhe."

Man sei das Projekt mit dem Ziel angegangen, etwas gemeinsam zu schaffen, sagt auch der Bürgermeister. "Und das hat man auch erreicht." Es stelle niemand die Leistung von Wild in Frage, betont Timo Wolf. Es wäre aber besser gewesen, die Namensgebung mit Gemeinde, VfB und FC abzustimmen. Wolf ist vom Gemeinderat beauftragt, mit den Sportvereinen zu reden. Braucht es überhaupt einen Namen?, fragt sich der Gemeindechef. Das sei eigentlich unüblich, meint Heiko Dietterle.

Votum im Ausschuss fiel einstimmig aus

"Ich bin der Schuldige, der das Schild beantragt hat", sagt Thorsten Gähl, Abteilungsleiter Männersport. Die Idee der Namensgebung sei aus den Reihen der Ehrenmitglieder gekommen. "Ich habe gar keinen Gedanken daran verschwendet, dass ich die Gemeinde informieren und jemand anderes fragen müsste." Der FV-Ausschuss habe die Namensgebung einstimmig befürwortet. "Man tritt ein Lebenswerk mit Füßen", ist Gähl "zutiefst erschüttert" über die Schmiererei. "Wir waren in dem Glauben, dass wir als Bauherr das bestimmen können", sagt Peter Wild. Er habe den Bürgermeister bei der Platzabnahme vor der Einweihung über die geplante Ehrung informiert.

Wem gehört denn der Platz? Der Grund ist kommunal. Die Gemeinde hat ihn an den FV verpachtet. Aber was ist mit Unterbau, Rasen, Toren, Flutlicht, Zaun und Ersatzbank? "Das, was auf dem Platz gebaut wird, gehört dem Verein", sagt Wild. Der Bürgermeister: "Streng genommen gehört der Platz der Gemeinde, der ihn den Schulen und den Vereinen zur Nutzung zur Verfügung stellt."

Heiko Dietterle: Vorstoß gerät ins falsche Fahrwasser

Wenn dem so sei, warum beteilige sich der FV an den Kosten, die anderen Vereine nicht?, fragt Wild. Die Sportheime stünden auch auf Gemeindegrund, seien aber im Besitz der Vereine. Nico Rack vom Vorstand des VfB Neuhütten hat nachgehakt: In Neuhütten gehöre der Platz dem Verein, der Grund der Gemeinde. "Ich halte die Diskussion für völlig daneben, wem das Ding gehört", sagt Dietterle. Er sieht seinen Vorstoß in falsches Fahrwasser geraten. Ihm gehe es um die Signalwirkung. Er plädiert dafür, die Geschichte mit der Namensgebung schnellstens zu begraben.

Und was sagt der Geehrte: "Ich bin enttäuscht", kommentiert Wild die ganze Debatte. Aber: "Mein Seelenheil hängt nicht von der Namensgebung ab."

 


Was sagen VfB und FC?

"Der FC Neulautern hat andere Herausforderungen", sagt dessen Vorsitzender Oliver Rieker, zur Diskussion um den Kunstrasenplatz gefragt, die er als aufgeputscht empfindet. Die Namensgebung sei ihm egal. "Ich kann mich nicht an jedem kleinen Ding aufregen." Ohne den FV Wüstenrot wäre das Spielfeld nie zustande gekommen. Es sei eine Riesenbereicherung für die Gemeinde. Mehr miteinander sprechen, lautet Riekers genereller Appell. Es wäre sinnvoller gewesen, der FV hätte sich mit der Gemeinde zusammengesetzt, damit diese auch hinter der Entscheidung stehe.

"Wenn der Platz dem FV gehört, kann er machen, was er will", sagt Nico Rack vom Vorstandsquartett des VfB Neuhütten. Er honoriert Peter Wilds "tollen Einsatz" für das Projekt. Die Namensgebung hält Rack jedoch für "eine Spur too much", schließlich hätten sich auch andere Mitglieder im Fußballverein jahrelang verdient gemacht.

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