Warum der Golfplatz auf dem Talheimer Hof für den Betreiber eine Lebensaufgabe ist

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Seit zehn Jahren gibt es die Neun-Loch-Anlage in Talheim. Der Club hat heute 700 Mitglieder.

Clubmanager Wahid Ben Amara ist selbst leidenschaftlicher Golfer. Auf das, was er und seine Familie auf dem Talheimer Hof geschaffen haben, ist er stolz.  
Foto: Ralf Seidel
Clubmanager Wahid Ben Amara ist selbst leidenschaftlicher Golfer. Auf das, was er und seine Familie auf dem Talheimer Hof geschaffen haben, ist er stolz. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Das zu stemmen, war etwas Großes", blickt Wahid Ben Amara zurück. Zusammen mit seinem Vater Benjamin und seinem Bruder Kays hat er auf dem Talheimer Hof einen Golfplatz angelegt. Im August 2013 war Eröffnung. Längst ist die Neun-Loch-Anlage beliebte Adresse für Golfer aus der Region bis nach Stuttgart.

Wenn Wahid Ben Amara sich alte Fotos von damals anschaut, staunt er selbst, wie sich alles verändert hat. "Die großen Bäume da drüben waren gerade frisch gesetzt. Wo jetzt die Driving Range ist, war ein Rapsfeld", erinnert sich der Gesellschafter der Public Golf Talheimer Hof GmbH & Co. KG. Auch die Mitgliederzahl ist so gewachsen, wie es sich die Gründer vor zehn Jahren gewünscht haben: "Von anfangs 200 auf rund 700 - so, wie es für Neun-Loch-Anlagen sehr gut ist."

Schwierige Anfangsjahre

Die ersten drei, vier Jahre waren schwer. "Wir hatten ja keine Erfahrung darin, einen Golfplatz zu führen", sagt Ben Amara. Man sei auch von der Natur abhängig, das Gras müsse wachsen. "Aber wir hatten von Anfang an Zulauf", ist er froh. Besonders stolz macht es ihn, "dass wir ganz viele Leute haben, die hier mit dem Golfspielen begonnen haben, und dass der Sport auch in die Breite geht". Immer noch hänge dem Golfen der Ruf als Elitesportart an. "Bei uns gibt es diese Schwellenangst nicht", betont der Clubmanager. "Wer hierherkommt und offen ist, wird von allen gut aufgenommen. Man wird schnell miteinander warm."

Jung und Alt sind Mitglied. "Golf kann man auch phantastisch als Familie zusammen spielen." Die Altersstruktur auf dem Talheimer Hof liege um zehn Jahre unter dem Durchschnitt der Golfclubs, freut sich Wahid Ben Amara. "Heute haben wir viele Clubmannschaften, sind in vielen Ligen vertreten. Seit diesem Jahr gibt es zum ersten Mal eine Damenmannschaft."

Eine Runde dauert zweieinhalb Stunden

Etwa zweieinhalb Stunden dauert die Runde über die Neun-Loch-Anlage. Es geht auf und ab, vorbei an Weinbergen und Obstbäumen, einem kleinen See und Biotopen. "Auch mental ist es anspruchsvoll, und das Wetter spielt eine Rolle", beschreibt Ben Amara die Sportart. Neun Loch hält er für die ideale Größe in der heutigen Zeit: "Man hat einfach noch Zeit für andere Dinge und die Familie", sagt der Vater eines wenige Wochen alten Sohnes. Für Nicht-Mitglieder bietet der Talheimer Hof einen öffentlichen Neun-Loch-Kurzplatz. "Viele haben darüber den Weg zur Mitgliedschaft gefunden", weiß Ben Amara.

Die Corona-Zeit wurde genutzt, um Abläufe zu digitalisieren. Am Selbstbedienungsterminal haben Mitglieder und Gäste die Möglichkeit, ihre Ballkarte aufzuladen. Termine buchen können sie per App. Auch die Bewässerung der Greens und der Abschläge wird über eine App gesteuert. "Die Digitalisierung war wichtig, weil es schwierig ist, Personal zu finden", erklärt der 46-Jährige. Sechs Mitarbeiter hat der Talheimer Hof, darunter auch Minijobber. Früher waren es sieben. Froh ist Wahid Ben Amara darüber, dass die Gastronomie gut läuft - seit vier Jahren unter dem Namen Weitblick Da Franco. "Nicht auf jedem Golfplatz gibt es ein öffentliches Restaurant", betont er.

Anlage ist pflegeintensiv

Groß gefeiert wird das zehnjährige Bestehen in Talheim nicht, aber es gibt eine Turnierserie "Jubiläums-After-Work". Für Wahid Ben Amara ist das Betreiben des Golfplatzes "eine Lebensaufgabe". Reich werde man davon nicht. Die Anlage sei pflegeintensiv, ein großer Maschinenpark notwendig. "Es ist auch ein bisschen Idealismus."

Koexistenz zwischen Landwirtschaft und Golfplatz

Der 42 Hektar große Talheimer Hof ist seit 111 Jahren im Besitz der Gemeinde Talheim. 57 Jahre lang hat die Familie Kühfuß die landwirtschaftliche Fläche mit Wein -und Obstbau betrieben, seit 2013 nur noch zehn Hektar. Auch eine Besenwirtschaft gehörte dazu. Der Rest des Geländes wurde zum Golfplatz, für den es einen Erbpachtvertrag bis zum Jahr 2061 gibt.

2014 beschloss der Gemeinderat, die Public Golf GmbH & Co. KG zum Besitzer der Gebäude und zum Verwalter der landwirtschaftlichen Flächen zu machen. Weil Landwirt Andreas Kühfuß Ende 2022 in den Ruhestand ging, "haben wir seit Anfang dieses Jahres den kompletten Hof übernommen", erklärt Wahid Ben Amara. "Die Koexistenz mit 15 Prozent Landwirtschaft soll bestehen bleiben", betont der Clubmanager. Diese ist im Bebauungsplan auch so festgeschrieben. Die Weinberge hat inzwischen ein Landwirt aus Flein gepachtet. "Gerade da hatten wir große Sorge jemanden zu finden, weil die Reben sehr alt sind. Sie sollen Schritt für Schritt erneuert werden", so Ben Amara. Die Gebäude würden verschönert. Zusammen mit der Gemeinde werde nach einer Lösung für die künftige Nutzung gesucht, ebenso wie für den Obstbau. Gesellschafter der Public Golf GmbH & Co. KG sind seit 2017 die Brüder Wahid und Kays Ben Amara, Geschäftsführerin ist Barbara Schweizer. ck

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