Das Wanderheim in Neuhütten braucht einen Pächter
Das Naturfreundehaus am Steinknickle in Neuhütten ist seit dem ersten Lockdown geschlossen. Die Naturfreunde Heilbronn suchen einen Wirt und Herbergsvater.

Es liegt idyllisch mitten im Wald, das Naturfreundehaus Steinknickle in Neuhütten. Bei Wanderern eine bekannte und beliebte Adresse zum Einkehren, bei Familien und Gruppen eine Herberge für eine Auszeit übers Wochenende in frischer Luft. Doch das war einmal. Seit drei Jahren, seit dem ersten Lockdown in der Pandemie, ist das Haus der Naturfreunde Heilbronn geschlossen. Seit Juli 2021 sucht der Verein nach einem Pächter.
Bis 2020 hatten die Naturfreunde zwei Angestellte, die für verlässliche Öffnungszeiten am Wochenende sorgten und unter der Woche für angemeldete Gäste da waren. Das kam dem Beherbergungsbetrieb zugute. Durch die coronabedingte Zwangsschließung konnte das Personal nicht gehalten werden.
Ehrenamtliche können Bewirtschaftung nicht leisten
Die Zeiten, in denen die Mitglieder das Naturfreundehaus unterhalb des Steinknickle-Turms selbst bewirtschafteten, Schulklassen, Kindergartenkinder oder Vereine bekochten, sind längst vorbei - seit 2009 schon. "Ehrenamtlich funktioniert es nicht mehr", ist die Rückkehr zum Ursprungsmodell für Vorstandsmitglied Johannes Müllerschön, der sich um die Pächtersuche kümmert, keine Option. Aus Altersgründen, erklärt der Offenauer. Er erinnert sich an seine eigenen Einsätze freitag- bis sonntagabends, nach denen er völlig fertig nach Hause gekommen sei.
Nachthaltiges Zukunftskonzept gefragt
Ein neues, naturnahes und nachhaltiges Zukunftskonzept ist gefragt und jemand, der ein solches präsentiert und umsetzt. Denn die Heilbronner Ortsgruppe wolle die Verantwortung für den Standort abgeben und verpachten, sagt Müllerschön. Die Unterhaltung, das Haus und das Außengelände mit dem Waldspielplatz zu pflegen und zu warten, koste richtig Geld. Auf Dauer könne man sich ein leerstehendes Wanderheim nicht leisten, bestätigt Vorstandskollege Georg Dukiewicz. Man könne nicht ständig die Unkosten durch die Erlöse aus dem Selbstversorgerhaus in Neckarmühlbach bestreiten.
Mit einer Handvoll Interessenten sei es schon zu Gesprächen gekommen, berichtet Müllerschön. Ein Pachtvertrag kam nicht zustande - aus den unterschiedlichsten Gründen. Gastronomie und Beherbergungsbetrieb seien ein Muss. Das Naturfreundehaus sei mit der Vorgabe eines Wanderheims genehmigt worden. Daran scheiterten etwa die Pläne einer Familie, die eine Naturschule als Fortsetzung eines Naturkindergartens einrichten wollte.
Große Events sollen bleiben
Es sei sicherlich schwierig, den Standort von null auf 100 zu bringen. Müllerschön könnte sich vorstellen, dass ein Pächter in Teilzeit einsteige mit Wochenend-Öffnungszeiten. "Es ist ein Saisongeschäft", ist dem Vorstandsmitglied klar, auch wenn das Haus ganzjährig geöffnet war. An den großen Events wolle der Verein festhalten, an der Sonnwendfeier und dem Wintertag. Die Waldolympiade als Auftakt des Wüstenroter Naturerlebniscamps lockte immer hunderte von Teilnehmern an.
Die Naturfreude hatten dem Landratsamt Heilbronn das Haus als Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge angeboten - das wäre laut Müllerschön ein Zwischenschritt gewesen. Die Behörde habe sich bedankt, aber mit Verweis auf die Lage abseits vom Dorf, die eine Integration erschwere, abgelehnt.
Pächterwohnung einzurichten, wäre möglich
Die Heilbronner Ortsgruppe könnte sich vorstellen, im dritten Stockwerk eine Pächterwohnung einzurichten. Die beiden großen Schlafsäle seien nicht mehr zeitgemäß, auch was den Brandschutz anbelangt, sagt Müllerschön. Zieht man diese Übernachtungsmöglichkeiten ab, bleiben immer noch 26 Betten in Zimmern plus 30 Kojen im Schlaflager.
Der Verein hat geprüft, ob das Steinknickle nicht auch ein Selbstversorgerhaus werden könnte. "Dazu ist es zu groß", nennt Müllerschön den Grund, dies nicht zu tun.
"Wir wollen in diesem Jahr einen Knopf dranmachen", will der Offenauer die Hoffnung nicht aufgeben, doch noch einen Pächter für Neuhütten zu finden. Deshalb gehe man nun verstärkt in die Öffentlichkeit.
Der Verein und der Stützpunkt
2019 zählte das Naturfreundehaus Steinknickle rund 2815 Übernachtungen. Im Selbstversorgerhaus Neckarmühlbach mit 20 Betten waren es 1895 Übernachtungen. Dieses ist laut Georg Dukiewicz, dem langjährigen Vorsitzenden der Heibronner Ortsgruppe, sehr gefragt und hat eine Auslastung von 90 Prozent.
Der Stützpunkt in Neuhütten hat eine knapp 110-jährige Geschichte. 1913 waren die Naturfreunde Heilbronn die ersten im Gau Schwaben, die eine Schutzhütte errichteten. 4000 Gäste kamen zur Einweihung. Ein Teil des Ursprungs-Gebäudes ist noch vorhanden. Es wurde mehrfach erweitert, komplett saniert und modernisiert: 1953, in den 1980er Jahren sowie 2011. Die letzte Baumaßnahme verschlang 300.000 Euro, wovon das Land ein Drittel aus Toto-Lotto-Mitteln beisteuerte. Damals wurde das Treppenhaus des Wanderheims neu gefliest, es gab neue Waschräume mit Duschkabinen, Toiletten wurden saniert, der Zugang zum Haus wurde barrierefrei gestaltet und für die Außenbewirtung ein Verkaufsraum eingerichtet.
Die Naturfreunde gelten als ältester Umwelt- und Touristikverband Deutschlands. Die Ortsgruppe mit ihren 190 Mitgliedern, 1911 gegründet, trägt die Bezeichnung Naturfreunde Heilbronn Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur. Die Menschen aus den muffigen Innenstädten an die frische Luft zu bringen, war die Grundidee der Bewegung - und: die arbeitende Bevölkerung zu bilden.
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