Veranstalter warten auf Antwort: Was ist eine Großveranstaltung?

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In Weinsberg ist das Diner en blanc im Juli gestrichen, auch das Fleiner Weinfest steigt wohl nicht. Über den Weibertreu-Herbst wird erst noch entschieden. Die Detailregelungen im Land stehen noch aus.

Von unserer Redaktion
Dicht an dicht sitzen oder stehen die Menschen beim Fleiner Weinfest, das traditionell am ersten Juli-Wochenende steigt. Keine Großveranstaltungen bis 31. August: Das bedeutet auch das Aus für diese Veranstaltung. Foto: Archiv/Schmidt
Dicht an dicht sitzen oder stehen die Menschen beim Fleiner Weinfest, das traditionell am ersten Juli-Wochenende steigt. Keine Großveranstaltungen bis 31. August: Das bedeutet auch das Aus für diese Veranstaltung. Foto: Archiv/Schmidt  Foto: Harald Schmidt

Konzerte, Kabarett, Lach-Nacht, Autorenlesungen, Kindertheater - das kulturelle Leben ruht. Ein Ende der Durststrecke ist noch nicht abzusehen. Und bis 31. August werden auch publikumsträchtige, meist traditionsreichen Veranstaltungen gestrichen. Und was ist danach? Ist dann das Versammlungsverbot durch die Corona-Krise aufgehoben? Bei einer schrittweisen Rückkehr zur Normalität stünden Feste und Partys an letzter Stelle, hatte nicht nur Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn geäußert.

Missliche Situation für Veranstalter

"Wir hängen weiter in der Luft", sagt Thomas Siegle, Hauptamtsleiter der Stadt Weinsberg nach den jüngsten Beschlüssen von Bund und Land in dieser Woche. Ohnehin sah er Veranstalter bisher schon in einer äußerst misslichen Situation, da keine Planungssicherheit vorhanden sei. Die Stadt Weinsberg stellt nicht nur ein Kulturprogramm mit meist monatlichen Terminen auf die Beine stellt, sondern auch Großveranstaltungen. Und die sind bis 31. August verboten.

Aber was gilt als Großveranstaltung? "Wir warten mit Spannung auf die Detailregelung", sagt Siegle zu den weiteren Verordnungen, die das Land wegen der Pandemie an diesem Wochenende herausgeben will. Da erhofft sich Siegle auch Aussagen zu weiteren Themen: Bisher gebe es kein Wort zu den öffentlichen Einrichtungen wie Büchereien, Musikschulen oder Freibäder, deren Saisonstart ja im Mai anstehen würde.

Abstandsregelung nicht einzuhalten

Sicher ist eines, das gepflegte Speisen in geselliger Runde unter freiem Himmel an langen, weiß gedeckten Tafeln wird es in diesem Jahr in Weinsberg nicht geben. Beim Diner en blanc in der Innenstadt, terminiert auf den 18. Juli, lässt sich die Abstandsregelung auf keinen Fall einhalten.

Tafeln in der Innenstadt: Das Diner en blanc hat sich in Weinsberg zu einer beliebten Veranstaltung für Groß und Klein entwickelt. Jetzt ist klar, dass die Veranstaltung am 18. Juli nicht stattfinden wird. Foto: Archiv/Stöhr-Michalsky
Tafeln in der Innenstadt: Das Diner en blanc hat sich in Weinsberg zu einer beliebten Veranstaltung für Groß und Klein entwickelt. Jetzt ist klar, dass die Veranstaltung am 18. Juli nicht stattfinden wird. Foto: Archiv/Stöhr-Michalsky  Foto: Stöhr-Michalsky

Bis Ende Juni Entscheidung über Weibertreu-Herbst

"Das Gleiche gilt für das Herbstfest", meint Siegle. Diese traditionsreiche Festivität rund um den Wein steht Ende September an und hat eine lange Vorbereitungsphase. Das Zelt muss bestellt, Bands müssen verpflichtet werden, Wengerter und Gastronomie planen können. Solche Termine könnten nicht einfach kurzfristig abgesagt werden, erklärt der Weinsberger Hauptamtsleiter. "Da geht es uns nicht anders wie den ganz Großen, wie das Beispiel Oktoberfest zeigt", meint Thomas Siegle. Bis Ende Juni müsse eine Entscheidung wegen des Weibertreu-Herbsts getroffen werden.

Und was wird aus der Kerner-Preisverleihung, die alle drei Jahre stattfindet, diesmal am 18. September? Die Jury hat den Sieger gekürt. Dieser sollte eigentlich demnächst verkündet werden. "Aber wir warten ab", sagt Siegle. Denn in diesem Fall würden die Vorbereitungen erst vor den Sommerferien anlaufen.

Partnerschaftsjubiläum entfällt

Manches muss(te) ersatzlos entfallen - wie die Gedenkveranstaltung zur Bombardierung Weinsbergs am 12. April vor 75 Jahren. Obwohl im nichtöffentlichen und kleineren Rahmen hat die Stadt es längst als illusorisch betrachtet, die Partnerschaftsjubiläen Anfang Juli zu feiern mit Cossebaude in Sachsen, Carignan und Costigliole d'Asti. Zumal die französische Stadt in der vom Corona-Virus besonders betroffenen Region Grand Est liegt, und Costigliole d'Asti im Piemont zur ersten Krisenzone Italiens gehörte.

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Bei schönem Wetter strömen am ersten Juli-Wochenende tausende Besucher zum Weinfest nach Flein. Diesmal wohl nicht. Obwohl Bürgermeister Alexander Krüger erst mal abwarten will, welche Personenzahl für Großveranstaltungen festgelegt wird. Über allem schwebe auch noch das Damoklesschwert von Kontaktverbot und Abstandsregelung. Die ersten zwei Stunden mögen die 1,50 Meter vielleicht noch eingehalten werden. Aber nach mehreren Schorlen? Krüger weiß vom Feedback aus den Vereinen, die das Fest bestücken, dass sie mit einer Absage rechnen. "Für die Vereine wäre das schade", sagt der Bürgermeister. Aber die Gesundheit gehe vor.

Auch beliebte Freizeitaktivitäten fallen der Pandemie zum Opfer. "Abgesagt" ist auf der Homepage der Gemeinde Wüstenrot zum Beispiel zu lesen unter dem Auftakttermin zum jährlichen Naturerlebniscamp, der Waldolympiade am Steinknickle in Neuhütten. Die Reihe ist seit Jahren ein Renner.

Es wird verhandelt

Was passiert, wenn Veranstaltungen abgesagt werden müssen, wie sieht es mit Schadensersatzpflicht aus? Diese Frage sei durch die Corona-Verordnungen nicht geklärt, sagt Weinsbergs Hauptamtsleiter Thomas Siegle. Wie handhabt es die Stadt? Es werde versucht, Veranstaltungen im Kulturprogramm mit den Künstlern zu verlegen. Bereits verkaufte Karten bleiben gültig oder können zurückgegeben werden. Mit Künstlern oder beteiligten Firmen werde bei einer Absage verhandelt, mit dem Ziel, eine einvernehmliche Lösung zu finden. "Da es keine einheitlichen Verträge gibt, sind es letztendlich immer individuelle Lösungen", so Siegle.

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