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Flein/Talheim

Trotz Corona ist die Volksbank Flein-Talheim weiter auf Wachstumskurs

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Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Flein weist 2020 ein Plus bei Kundeneinlagen und Krediten auf. Ein Vorstandswechsel steht bevor.

Die Vorstände Dr. Matthias Hauk (links) und Konrad Stadler (rechts) mit Fabian Schnabel, der im Juni die Position von Stadler übernimmt. Stadler geht in den Vorruhestand.
Foto: Mario Berger
Die Vorstände Dr. Matthias Hauk (links) und Konrad Stadler (rechts) mit Fabian Schnabel, der im Juni die Position von Stadler übernimmt. Stadler geht in den Vorruhestand. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Die Einlagen der Kunden haben sich erhöht, auch das Volumen der Kredite, die vergeben wurden, ist gestiegen. "Trotz Corona sind wir weiter auf Wachstumskurs", fasst Konrad Stadler, Vorstand der Volksbank Flein-Talheim, das Geschäftsjahr 2020 zusammen. "Wir haben eine komfortable Vermögens- und eine ausreichende Ertragslage", ergänzt er. Wie im vergangenen Jahr muss erneut wegen der Pandemie die Mitgliederversammlung im Frühjahr ausfallen. Für Stadler wäre es die letzte gewesen. Ende Mai geht er in den Vorruhestand. Sein Nachfolger aus dem eigenen Haus, Fabian Schnabel (35), befindet sich in der Einarbeitungsphase.

Geld wird geparkt, obwohl es keine Zinsen gibt

Die Tagesgeldeinlagen nahmen 2020 weiter zu, berichtet Stadler. Und das, obwohl es keinen Cent Verzinsung gibt. Im Gegenteil, angesichts der Inflation verliert das Kapital an Wert. Die Kunden parkten kurzfristig ihr Geld, weil mittel- und langfristig keine Perspektive vorhanden sei - außer bei Aktien und Fondseinlagen.

Vorstandskollege Dr. Matthias Hauk sieht das als typisches Anlageverhalten in Deutschland. Fonds und Aktien bringen Rendite, bergen aber auch das Risiko der Kursverluste. Und davor schreckten viele Menschen zurück. Wobei man merke, dass Kunden zunehmend bereit seien, insbesondere in Fonds zu investieren, weil sie erkennen würden, dass die aktuelle Zinspolitik länger andauern werde. Etwa 15 Prozent der Voba-Kunden haben Aktien oder Fonds. "Das ist ausbaufähig", sagt Stadler. Die Bank setzt hier an mit verstärkter Beratung, um die Anlagemöglichkeiten der Verbundpartner anzubieten, so Schnabel.

Strafzins noch kein Thema bei Privatkunden

An ihre gewerbliche Kunden gibt die Genossenschaftsbank die 0,5 Prozent "Strafzins" für Geldvermögen, die die EZB von der Voba verlangt, bereits weiter. "Irgendwann wird bei uns auch der Tag kommen", meint Stadler mit Blick auf Wettbewerber, bei denen die Privatkunden schon vom Negativzins betroffen sind. "Wir versuchen, das so spät wie möglich zu machen."

Nachfrage nach Immobilien ungebrochen

"Wir merken in Bezug auf Investitionen im Immobilienmarkt keine Zurückhaltung", stellt Hauk fest. Weil kein Geld für Urlaub oder Konsumgüter ausgegeben werden konnte, steckte es mancher in die Modernisierung seines Hauses oder der Wohnung. "Betongold" sei nach wie vor sehr gefragt, sagt Stadler. Im Marktgebiet herrsche ungebrochen eine Riesennachfrage nach Immobilien. Für die 36 geplanten Wohnungen eines Investors in der Fleiner Haigernstraße, die die Voba vertreibt, gebe es schon eine Vielzahl von Vormerkungen.

"Wir sind sehr nah am Kunden dran und besprechen regelmäßig, wie die aktuelle Lage ist", sagt Schnabel zu Betrieben, die von der Pandemie besonders betroffen sind. Wo nötig, komme man ihnen bei der Stundung von Tilgungen entgegen oder unterstütze sie, Liquiditätshilfen zu beantragen. "Gastronomie und Hotellerie brauchen eine klare Öffnungsperspektive", fordert Hauk von der Politik.

Frequenz in Filialen ließ nach

Der Lockdown wirkte sich auf die Beratungsaktivitäten aus, was am leicht rückläufigen Provisionsergebnis zu erkennen ist. Auch die Frequenz in den Filialen ließ nach, dafür gab es einen Digitalisierungsschub beim Kunden, so Hauk. Deshalb habe man die Öffnungszeiten in den Filialen reduziert, sagt Stadler. Damit spart die Voba fast eine halbe Stelle ein. Das verringert die Kosten. Die müsse man auch im Griff haben, um das Jahresergebnis zu halten oder auszubauen. 2020 sank dieses leicht, "weil wir Risikovorsorge getroffen haben", erläutert Hauk.

Wie 2019 soll es für 2020 auch nur 1,5 Prozent Dividende für die Mitglieder geben. "Das ist der Pandemie geschuldet", sagt Hauk. Die Bankaufsicht lege Wert auf eine angemessene Kapitalausstattung. Eine Fusion ist weiterhin kein Thema bei der Voba Flein-Talheim. Die Statistik der baden-württembergischen Genossenschaftsbanken beweise, dass die kleinen und mittelgroßen Banken die ertragsstarken sind, sagt Hauk. "Der Vorstandwechsel zeigt, dass die Zukunftsfähigkeit und Selbstständigkeit der Voba weiter gegeben ist", bekräftigt sein Vorstandskollege.

Daten & Fakten

Die Volksbank Flein-Talheim hatte zum Jahresende 6603 Mitglieder. Die Zahl ist nahezu stabil geblieben. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Flein und Filialen in Talheim und Horkheim hatte zum Ende des vergangenen Jahres 56 Mitarbeiter, zwei weniger als 2019. Dazu kommen vier Auszubildende. Zwei Drittel der Kunden sind Privatleute, ein Drittel Gewerbetreibende.

Die Vertreterversammlung ist auf den 7. Juli terminiert. Ob dies eine Präsenzveranstaltung sein kann oder ob sie wieder digital abgehalten werden muss, hängt von der aktuellen Corona-Lage und der dann geltenden Verordnung ab.

Knapp 615 000 Euro an Steuern bezahlt die Volksbank Flein-Talheim 2020 an die öffentlichen Kassen. Davon sind rund 301 000 Euro Grund- und Gewerbesteuer, die an die Gemeinden Flein und Talheim sowie an die Stadt Heilbronn gehen.

 
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