Richtfest für Erweiterung des Bausparmuseums in Wüstenrot gefeiert
Die Wüstenrot Bausparkassen AG will im September ihren 100. Geburtstag im Neubau feiern. Landes-Ministerin Nicole Razavi nennt ihre Forderungen zur Wohnbaupolitik: Es muss schneller und effizienter gehen.

Es ist heute nicht mehr Usus, das Richtfest mit einem Kirchenlied zu beginnen. Helmut Müller jedoch, Chef der gleichnamigen Holzbaufirma aus Schwäbisch Hall, stimmte auf dem Gerüst des Erweiterungsbaus des Bausparmuseums in Wüstenrot "Nun danket alle Gott" an, und die Gäste in der Haller Straße sangen mit. Das war ganz nach dem Geschmack von Nicole Razavi, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen in Stuttgart. Helmut Müllers Sohn Chris deklamierte den Richtspruch und ließ nach einem kräftigen Schluck Rotwein das Glas zerschellen. Am 10. September plant die Wüstenrot Bausparkassen AG ihren 100. Geburtstag in dem Neubau zu feiern. Rund 900.000 Euro investiert der Konzern in das Projekt.
"Für eine Bauministerin gibt es nichts Schöneres als ein Richtfest", meinte Razavi. Und Bernd Hertweck, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Bausparkassen AG, meinte in seiner launigen Rede im giebeloffenen künftigen Tagungsraum im Obergeschoss des Rohbaus, dass er so gut wie nie zu Richtfesten eingeladen werde. Ob Georg Kropp, Gründer der ersten Bausparkasse, ein strenger Anti-Alkoholiker, wohl mit dem Ritual einverstanden gewesen wäre?, fragte er.
Tagungsraum mit 60 Plätzen
Hertweck freute sich, dass das benachbarte Museum mit einer Veranstaltungsmöglichkeit verbunden werde. Im Tagungsraum finden rund 60 Leute Platz. Der Vorstandsvorsitzende dankte dem Gemeinderat, dass er der AG das Grundstück in Erbpacht zur Verfügung stellt. Damit eröffne sich die Möglichkeit, das "weltweit größte" - weil einzige - Bausparmuseum aufzuwerten. Als "Chef von Wüstenrot" übergab Hertweck das Wort an den "Chef in Wüstenrot".
Schandfleck ist verschwunden
Der Gemeinderat habe mit seiner Entscheidung Weitblick bewiesen, so Bürgermeister Timo Wolf, der froh über die städtebauliche Aufwertung an dieser Stelle ist. Das abgerissene Wohnhaus sei ein Schandfleck gewesen. Wolf bezeichnete Kurator Christoph Seeger als Triebfeder der Erweiterung, dankte ihm, dass die Bauspargeschichte des Wüstenroter Ehrenbürgers erhalten bleibe. Ein Dankeschön richtet der Bürgermeister auch an die ehrenamtlichen Museumsführer.
Die CDU-Ministerin, die natürlich auch von ihrer Landtagskollegin und Wüstenroter Ortsvorsteherin Isabell Huber begrüßt wurde, spielte ebenfalls mit dem Namen: Das Richtfest sei ein wichtiger Tag für Wüstenrot (Gemeinde) und Wüstenrot (Konzern). Sie erinnerte an die Vision Georg Kropps "Aus Armut zu Wohlstand". Das "eigentumsorientierte Zwecksparen" übersetzte sie ins Schwäbische: "Schaffe, schaffe, Häusle baue."
Eine Frage des sozialen Friedens
"Jede Wohnung zählt. Das ist eine Frage des sozialen Friedens, des Zusammenhalts und des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg", kam Razavi auf die Wohnungsnot zu sprechen. Man dürfe nicht zulassen, dass sich ganz normale Menschen kein Eigenheim mehr leisten könnten.
Inflation, Zinssprünge, Materialengpässe, weggebrochene Förderprogramme und Einflüsse wie Kriege seien eine giftige Mixtur. Sie forderte verlässliche Förderbedingungen vom Bund, verwies auf die Eigenheimförderung des Landes, trat für schnelleres, besseres und effizienteres Bauen ein - ohne "Goldstandard" - und erwähnte die geplante umfassende Reform der Landesbauordnung.
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