Putzige Kaninchen mit samtweichem Fell und schwarzen Knopfaugen
Werner Braun und Klaus-Peter Heinrich sind MItglieder des Kleintierzuchtvereins Talheim und halten Kaninchen. Dennoch betrachten die beiden Ostern nicht mit anderen Augen.

Werner Braun greift in das Nest. Es ist aufgetürmt aus Gewölle. Aus ihren eigenen Haarbüscheln und Stroh baut die Häsin ihrem Nachwuchs einen warmen Unterschlupf. Wie viele Junge hier versteckt sind, weiß Braun noch gar nicht. Er holt eines der vor wenigen Tagen Geborenen vorsichtig heraus. Nicht mal so groß wie eine Hand ist es. Die Augen noch geschlossen. Der ursprünglich nackte Körper bereits mit einem Flaum bedeckt. Bei diesem Anblick geht einem das Herz auf.
Und wie niedlich ist erst der vier Wochen alte Wurf. Im Stall im Außengehege drückt sich das Quartett ganz nah an die Häsin. Die Fotokamera scheint den Tieren doch ein wenig unheimlich, obgleich in ihren dunklen Knopfaugen ein bisschen Neugier aufblitzt. "Die haben wunderschöne Augenringe", sagt Braun mit Kennerblick. Er gehört zu den vier Mitgliedern des Kleintierzuchtvereins Talheim, die sich auch Kaninchen widmen.
Schulklassen schauen in der Zuchtanlage vorbei
Hat für einen Kaninchenzüchter Ostern eine andere Bedeutung? Braun, Schreinermeister im Ruhestand, winkt ab: "Ich habe noch nie ein Kaninchen gehabt das Eier gelegt hat", antwortet er spitzbübisch. Natürlich sei es schön, an Ostern junge Kaninchen zu haben. "Wenn die Kinder kommen, dann freuen sie sich." So wie die beiden Klassen der Schlossbergschule, die kürzlich im Rahmen ihrer Projekttage der Zuchtanlage nahe der Schozach einen Besuch abgestattet haben. "Die waren recht begeistert", sagt Braun, der in Brackenheim wohnt, aber aus Talheim stammt.
Hobby in der Kindheit begonnen

Mit acht Jahren hat er von einem erfahrenen Züchter ein Kaninchen geschenkt bekommen. "So hat es angefangen", sagt er zu seinem Hobby, das zwischendurch 30 Jahre lang geruht hat. Als der Freizeitkicker nicht mehr Fußball spielen kann widmet er sich wieder der Taubenzucht - Altdeutschen Möwchen. Die Kaninchen laufen nebenher. Der 64-Jährige hat sich zwei hübsche Kleinrassen ausgesucht: Lohkaninchen schwarz und Farbenzwerge lohfarbig. Die rotgelbe Bauchseite, die Unterseite der Blume und die Kopfzeichnungen bilden einen Kontrast zum tiefschwarzen Fell. Vereinskamerad Klaus-Peter Heinrich züchtet Zwergwidder blau. "Die gefallen mir", sagt der 75-Jährige, der seit der Gründung des Kleintierzuchtvereins Talheim, 1963, dabei ist.
Die Zwergwidder sind ganz kuschelig
Seidig weich, ganz kuschelig, fühlt sich der Zwergwidder an, den Heinrich auf dem Arm hält. Im Gegensatz zu den Lohkaninchen mit ihren kurzen, aufgestellten Ohren, hat Heinrichs Rasse regelrechte Schlappohren. Für den Laien ein hübsches Exemplar.
Was von der Jury bewertet wird
Ob das so ist, erfahren die Züchter bei der Lokalschau im November. Da hat der im Frühjahr geborene Nachwuchs dann das richtige Gewicht. Es werden Körperform, Fellhaar, Kopf, Ohren, Farbe und Gleichmäßigkeit sowie Pflegezustand bewertet. Braun und Heinrich sind mit vielen Titel auf Vereinsebene dekoriert. Mit seinen Tauben ist der Brackenheimer sogar schon Deutscher Meister geworden.
Die besten Tiere werden selektiert

"Die Züchtungen dienen dem Erhalt der Rasse. Es gibt Tiere, die auf der Roten Liste stehen", sieht Heinrich in seinem Hobby einen wichtigen Sinn. Die besten Tiere würden selektiert und weiter für die Zucht verwendet, gibt Braun zur Auskunft. Und er macht keinen Hehl daraus, was mit den anderen Tieren passiert: "Die führen wir der Küche zu." Er und Heinrich sind da ganz pragmatisch, sie sind noch in einer Zeit aufgewachsen, in der man zu Hause auch noch Stallhasen hatte. "Als Kleintierzüchter habe ich immer überzählige Tiere", sagt Braun.
Tagtäglich schauen die Züchter nach ihren Tieren
Jeden Tag schaut er in seiner Parzelle vorbei, füttert Hasen und Tauben, versorgt sie mit frischem Wasser und guckt, ob sie gesund sind. Kriegen die Kaninchen zu Ostern eine Möhre? "Die bekommen jeden Tag eine." In diesem Jahr hat Braun Pech gehabt: 15 Hasenbabys sind gestorben. "Das habe ich noch nie gehabt", sagt der 64-Jährige etwas ratlos. Weder Brauns noch Heinrichs Tiere bekommen Namen, sie haben ein Tattoo im Ohr mit Geburtsmonat und Geburtsjahr. Eine Beziehung wie zu einem Hund bauen die Züchter nicht auf.
Zum Verein
Der Kleintierzuchtverein Z 455 Talheim hat 18 Parzellen in der Zuchtanlage in der Sontheimer Straße bei den Sportanlagen. Ihm gehören 53 Mitglieder sowie sechs Jugendliche an. Die Vereinsgründung war 1963, zehn Jahre später war Spatenstich für das Vereinsheim. Im Kreisverband Vereinigter Kleintierzüchter Heilbronn sind 35 Vereine mit 2500 Mitgliedern organisiert. Laut Vorsitzendem Bruno Waberski sind es 1200 Kaninchen- und 1300 Geflügelzüchter. Er beklagt einen "gewaltigen Rückgang" dieses Hobbys. Das Freizeitverhalten habe sich verändert, nennt er einen Grund.
Stimme.de
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