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Untergruppenbach

Probenbesuch auf Burg Stettenfels: Schnatternde Schafe und die dreifache Heidi

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Bei den Burgfestspielen Untergruppenbach gehen die Vorbereitungen für das diesjährige Kinderstück in die heiße Phase. "Heidi" nach dem bekannten Kinderbuch von Johanna Spyri feiert am 2. Juli Premiere.

Gehen die Umbauarbeiten flüssig über die Bühne? Sitzen die Übergänge? Unter den kritischen Augen von Intendantin Ursula Simon (links) feilt das Ensemble an den Feinheiten des Kinderstücks "Heidi".
Foto: Andreas Zwingmann
Gehen die Umbauarbeiten flüssig über die Bühne? Sitzen die Übergänge? Unter den kritischen Augen von Intendantin Ursula Simon (links) feilt das Ensemble an den Feinheiten des Kinderstücks "Heidi". Foto: Andreas Zwingmann  Foto: Zwingmann, Andreas

"Bitte Ruhe dahinten, man kann Euch immer noch hören!" Ursula Simons Stimme hallt energisch durch den Graben. Die Intendantin der Burgfestspiele Stettenfels muss ihre Schäflein hüten - und das ganz im Wortsinne. Denn einige der jungen Darsteller, die in diesem Jahr beim Kinderstück "Heidi" die Schafherde des Geißenpeter mimen, agieren zum ersten Mal auf einer Theaterbühne. Da ist die Aufregung natürlich groß und das Gespür für die sensible Akustik noch nicht so geschult.

Bei den Schauspielern sitzen die Texte

"Aber das wird schon", ist Simon überzeugt. Die Proben für die am 2. Juni beginnende Spielzeit lassen sich jedenfalls schon mal gut an. "Wir machen jetzt vor allem Stellproben und schauen uns die Übergänge zwischen einzelnen Szenen noch mal an", erläutert sie. Von der fünfjährigen Novizin bis zum 74-jährigen alten Hasen - textsicher sind ihre Schauspieler definitiv. "Das müssen sie jetzt auch bereits sein", betont Simon, "denn nun sind ja erst mal Pfingstferien und danach haben wir nicht mehr so viele Proben."

Die Intendantin geht lieber auf Nummer sicher, möchte möglichst früh möglichst viel erarbeitet haben, wie sie betont. "Anderen Regisseuren mag es einen Kick geben, erst kurz vor Schluss mit allem fertig zu werden, aber ich brauche da Sicherheit. Da wir im Freien spielen, kann schließlich auch immer mal was dazwischen kommen, etwa ein Unwetter."

Requisiten aus dem Schulmuseum

Vorgenommen hat sich das Ensemble für das Stück nichts weniger, als "die Welt der Schweizer Alpen nach Untergruppenbach zu holen", sagt Ursula Simon. Und dafür hat sich das Team mächtig ins Zeug gelegt und etwa die Hütte von Heidis mürrischem Großvater selbst gezimmert. Eine eigens entwickelte Multifunktionsrampe dient gleichzeitig als Treppe und Almweide. Um das Stück noch authentischer wirken zu lassen, kann das Ensemble überdies zum Teil auf Requisiten zurückgreifen, die aus der Entstehungszeit der Buchvorlage stammen: "Das Heimatmuseum in Helmstadt hat uns unter anderem eine originale Schultafel zur Verfügung gestellt", so Simon. Hergestellt hat den Kontakt Frank Buchali, der in der Inszenierung den Vater von Heidis Freundin Clara Sesemann gibt. "Ein Schwerpunkt des Museums ist der Schulalltag im 19. Jahrhundert. Da ich einen der Verantwortlichen dort kenne, habe ich einfach mal angefragt", erzählt Buchali. So sei man sich schließlich einig geworden.

Neue Wege auf und abseits der Bühne

Doch nicht allein was die Requisiten betrifft, geht die Intendantin in diesem Jahr neue Wege. So spielt sich das Geschehen nicht nur auf der Bühne im Burggraben ab, auch das Areal des Historischen Gemäuers wird erstmals mit einbezogen. "Um die lange Anreise von Heidi und ihrer Tante Dete ins Dorf darzustellen, kommen die beiden von Oben entlang der Burgmauer hinunter zur Bühne", erläutert Simon.

Eine weitere ungewöhnliche Regie-Idee: Die Titelfigur wird von drei verschiedenen Darstellerinnen verkörpert. Mia Brandecker und Rosa Waldbüßer spielen die junge, Genoveva Haag die ältere Heidi. "Für mich ist das natürlich ein Traum, dass ich den Almöhi spiele, also den Großvater, und meine Enkelin die Heidi", sagt Günther Hörl. "Obwohl es in dieser Konstellation natürlich auch schwer fällt, der böse Opa zu sein", fügt er schmunzelnd hinzu.

Ensemble genießt die Lust am Spiel

Die Spielfreude aller Beteiligten ist enorm. Auch, als Simon mit dem Probenplan für diesen Tag durch ist, wollen sie noch weiter machen und einzelne Szenen nochmals durchgehen. "Die Vorfreude im Ensemble ist groß, und auch das Publikumsinteresse ist schon sehr erfreulich", gibt Ursula Simon einen Zwischenstand ab. Die Schulvorstellungen sind bereits komplett ausverkauft, für andere Aufführungen gibt es noch Tickets vor Ort und im Vorverkauf.

Etwas Arbeit steht der Regisseurin bis zur Heidi-Premiere aber noch bevor. So muss etwa die Musik, die derzeit noch aus der Konserve kommt, eingetaktet werden. Bei den Aufführungen wird sie von Mitgliedern der Musikschule Schozachtal live gespielt.


Termine und Tickets

Das Kinderstück "Heidi" ist zwischen dem 2. und dem 30. Juli insgesamt 14 Mal im Burggraben zu sehen. Auf dem Spielplan der Festspiele steht zudem nochmals das Erwachsenenstück "Honig im Kopf", basierend auf dem gleichnamigen Kinofilm, für den Hilly Martinek und Til Schweiger das Drehbuch geschrieben haben. Premiere des Stücks, das sich ebenso komisch wie einfühlsam mit dem Thema Alzheimer beschäftigt, ist am 8. Juli. Nach den Corona-Beschränkungen 2021 ist in diesem Jahr wieder das volle Sitzplatzkontingent verfügbar. Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse und im Vorverkauf unter anderem bei der Heilbronner Stimme, beim Getränkemarkt Nitsche in Untergruppenbach sowie online über www.reservix.de.

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