Peru-Reise wird für Studenten aus dem Kochertal zur Tortur
Von abgesagten Unterkünften bis offenen Anfeindungen: Vier Freunde aus Oedheim, Hardthausen und Neuenstadt erfahren wegen strenger Corona-Bestimmungen eine Odyssee in dem südamerikanischen Land.

Die Reise von vier Freunden aus dem Kochertal war eigentlich als zweieinhalbwöchiger Roadtrip durch Peru geplant. Doch nach neun Tagen kam alles anders. Denn die Situation spitzte sich wegen Corona zu. Strenge Ausgangssperren und extrem reduzierte Landegenehmigungen. Es sei eine sehr schwierige Situation vor Ort, sagte am 30. März Regierungssprecher Steffen Seibert in einer Pressekonferenz. Wie soll man aus einem Land heimkehren, wo sich die Rückholung von Touristen als äußerst schwierig gestaltet?
"Alles fing damit an, dass die peruanische Regierung festgelegt hat, dass man nach dem 16. März nicht mehr nach Europa fliegen darf", erzählt Selina Fix aus Hardthausen. "Wir haben das durch Zufall von unseren Familien in Deutschland mitbekommen." Die Regierung habe sehr spontan entschieden, "und kommuniziert wurde fast nichts, vor allem nicht an Touristen", sagt die 23-jährige Studentin.
Europäer erfahren Anfeindungen wegen Angst vor Corona
Bis dahin war es für sie, ihren Freund Lukas Lohmüller aus Neuenstadt am Kocher und seine Kumpels Marius Muth und Alexander Moritz aus Oedheim ein guter Urlaub. "Wir sind froh, dass wir die Inka-Stadt Machu Picchu und andere beeindruckende Ausgrabungsstätten am Anfang besichtigt haben."

Die Freunde berichten, dass sie durch die Corona-Krise Ablehnung bis Feindseligkeit erfahren haben: "Einer von uns wurde sehr böse angesprochen wegen Corona und dass wir daran schuld seien." Marius Muth erzählt weiter: "Die Peruaner hatten richtige Panik vor uns Europäern, haben die Straßenseite gewechselt, sich demonstrativ die Nase beim Vorbeilaufen zugehalten oder uns die im Voraus gebuchten Unterkünfte verweigert, weil sie Angst vor uns hatten."
Zudem sei sehr viel Polizei und Militär auf den Straßen. Mittlerweile ist die Ausgangssperre in dem südamerikanischen Land nach Geschlechtern getrennt: An drei Tagen in der Woche dürfen nur Frauen, an drei Tagen nur Männer zum Einkaufen aus dem Haus, an Sonntagen niemand. "Die drastischen Maßnahmen sind auch nachvollziehbar", sagt der 22-Jährige, "das Gesundheitssystem kann eine Ausbreitung des Virus kaum stemmen." Bislang wurden in dem Land rund 9800 Corona-Infizierte registriert.
Militärbefehl: 30 Leute in einen Kleinbus

Eines der eindrücklichsten Erlebnisse war für die vier die Reise in die Stadt Arequipa, wo sich der Flughafen befindet. Dort sollten sie in einem vom Konsulat organisierten Hotel unterkommen. "Die Anwohner verweigerten uns den Zugang, weil sie Angst hatten, wir könnten Corona haben", erzählt Selina Fix. Bis ein Uhr nachts diskutierte die Polizei und das Militär erfolglos mit den Leuten. Dann mussten sie sich, insgesamt 30 Touristen, in einen Kleinbus quetschen und wurden in ein anderes Hotel gebracht.
Am 4. April kamen die Freunde nach einer 30-stündigen Reise über Chile und einem von der deutschen Regierung organisierten Flieger gesund und erleichtert zu Hause an. Marius Muth blickt zurück: "Die Reise war krass, aber wir haben das Beste daraus gemacht."
Am 10. April hat die peruanische Regierung ausländische Botschaften aufgefordert, ihre Rückholflüge vor dem 22.April abzuschließen. Die Bundesregierung plant deshalb einen weiteren Rückholflug vor diesem Datum,teilt die deutsche Botschaft in Lima mit.
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