Parkfriedhof in Weinsberg: Würdevoller Ort der Trauer und Erinnerung
Areal auf dem Gelände des Klinikums am Weissenhof ist jetzt offiziell seiner Bestimmung übergeben. Zwei Urnenfelder mit 226 Begräbnisstätten werden angelegt.

Von Karin Freudenberger
Seit 1903 existiert das Klinikum am Weissenhof in seiner Vorläuferform, seit 1906 gibt es dort auch einen Friedhof. Zunächst war dieser nur für Patienten vorgesehen und in Ausnahmefällen auch Mitarbeiter. Seit Beginn der 1980er Jahre gab es keine Beerdigungen mehr. Dies wird sich nun bald ändern. Die Stadt Weinsberg weihte jetzt im nördlichen Bereich der Anlage zu Füßen des Monopteros einen sogenannten Parkfriedhof ein.
Kooperation mit Klinikum
Vorausgegangen waren einige Anfragen aus der Bevölkerung an die Stadt nach einer Waldbestattung à la Friedwald. Da die Kommune keine geeignete Fläche fand, kam die Idee zu einer Kooperation mit dem Klinikum am Weissenhof auf. Dessen kaufmännischer Direktor Andreas Breitmayer zeigte sich aufgeschlossen, und auch vom Regierungspräsidium, das für die Landeseinrichtung zuständig ist, kam grünes Licht. "Wir sind ein Teil der Stadt Weinsberg und wollen dies mit dem Parkfriedhof zum Ausdruck bringen", so Breitmayer. Also wurde ein Nutzungsvertrag ausgehandelt, bei dem die Stadt als langfristiger Pächter des Geländes auftritt.
Alte Bäume
Bei der Einweihung mit Vertretern des Klinikums und der Stadt wurde das besondere Ambiente auf dem Areal deutlich. Mit dem Monopteros, einem kleinen Pavillon im altgriechischen Stil, und den altehrwürdigen Bäumen strahlt der künftige Friedhof eine große Würde und Ruhe aus. "Das Gelände steht unter Denkmalschutz", erläuterte Alessandro Ortale, der technische Leiter auf dem Weissenhof. Nicht in Anspruch genommen werden kann die benachbarte Kirche, da dort auch therapeutische Angebote für Patienten stattfinden.
"Die Trauerfeier kann schon vor der Einäscherung in einer anderen Kirche oder einer Aussegnungshalle in Weinsberg stattfinden", schlug Breitmayer vor. Er wünscht eine strikte Trennung zwischen Klinikum und Friedhof. Deshalb hat die Stadt die Anfahrt über die Kreisstraße in Richtung Gellmersbach ausgeschildert. An der Grenze zu den umgebenden Feldern wurde ein Parkplatz angelegt.
Zwei Stelen für Namen
Bestattungen sind ab sofort möglich, allerdings gab es bis jetzt noch keine Anfrage an die Stadt. "Wir haben den Bestattungsunternehmen Informationen zum Parkfriedhof gegeben", rechnet Bürgermeister Stefan Thoma mit baldigem Interesse. Bei einer Bestattung wird inmitten der Wiese ein Loch für die Urne ausgehoben, die Urne eingelegt und die Fläche danach sofort wieder eingeebnet. Eine Kennzeichnung am exakten Begräbnisort erfolgt nicht. Stattdessen sind am Rand der Wiese zwei Stelen mit Glasplatten, die mit den Namen der Toten versehen werden. "Die Gräber sollen nicht erkennbar sein. Es darf dort kein Blumenschmuck abgelegt werden", so Thoma weiter. Also ein Angebot für alle, die nicht die Atmosphäre eines klassischen Friedhofs wünschen. Geeignet vor allem für Menschen, die ohne Verwandte sterben, die sich regelmäßig um die Grabpflege kümmern können. Oder die bewusst eine solche Anonymität wünschen. Eine Reservierung im Voraus ist nicht möglich. Erst im Todesfall wird die nächste freie Stelle in der Reihe zur Verfügung gestellt.
Zusammenarbeit "Wir rechnen damit, dass es etwa fünf bis zehn Jahre dauert, bis das erste Urnenfeld voll belegt ist", mutmaßt Kämmerer Claus Ehmann, der auch für die Friedhofsverwaltung zuständig ist. "Es ist uns gemeinsam gelungen, einen würdevollen Ort des Trauerns und Erinnerns zu schaffen", fasst Thoma die Zusammenarbeit von Klinikum und Stadt Weinsberg als Fazit zusammen.
Zahlen & Fakten
Auf der Wiesenfläche südlich des Monopteros werden zwei Urnenfelder angelegt mit 226 Begräbnisstätten. Der größere erste Abschnitt besteht aus 156 Plätzen mit je einem Quadratmeter, der zweite Abschnitt wird 70 Plätze umfassen. Die Beerdigung erfolgt in Reihen. Je Feld können bis zu vier Urnen bestatten werden. Die Gebühr für eine 25-jährige Nutzung beträgt 1250 Euro bei der Erstbestattung, für 18-jährige Nutzung 718 Euro.
Der Parkplatz grenzt an den Friedhof an, Zufahrt von der Kreisstraße zwischen dem Weissenhof und Gellmersbach. fr
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