Neue Details zur geplanten Arztpraxis in Ellhofen
Derzeit gibt es keinen Allgemeinmediziner in der Gemeinde. Doch es tut sich etwas. Der Start im Neubau in der Hinteren Straße ist für Juli 2019 anvisiert.

Das Thema Arzt treibt die Menschen in Ellhofen um: Nach dem überraschenden Tod von Dr. Hans Keilbach praktiziert in der Kommune kein Allgemeinmediziner mehr. Das erhöht den Druck auf die Gemeindeverwaltung, die seit Jahren auf der Suche nach einem zusätzlichen Arzt ist.
Wird dieses Bemühen endlich von Erfolg gekrönt? Es scheint so. Die Infos werden jedenfalls detaillierter.
„Bis auf weiteres bleibt die Praxis geschlossen. Wenden Sie sich bitte an einen der umliegenden Ärzte.“ Diese Nachricht hört, wer die Nummer der Praxis Keilbach wählt. An der Tür hängt ein Schild mit Namen und Telefonnummern der Mediziner in den Nachbarorten. Sich einen Vertretungsarzt zu suchen, ist auch die Empfehlung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg. Die KV selbst habe keine Notfalleingreiftruppe, die sie als Vertretung entsenden könne, sagt Pressesprecher Kai Sonntag.
Ob und wie es mit der Praxis Keilbach in den angemieteten Räumen über der Volksbank weitergehen könnte? Die KV steht „mit den Hinterbliebenen von Dr. Keilbach in Verbindung. Über den weiteren Fortgang der Praxis können wir im Augenblick noch keine Auskünfte geben“, sagt Sonntag.
Der Gemeinde steht ein zweiter Arztsitz zu
Ein Kontakt zu den Hinterbliebenen war für die HSt bis Freitagabend nicht möglich. An der Tür zur Praxis hängt neben dem Hinweis auf die Vertretungen die Info, dass die Herausgabe von Akten „leider erst zu einem späteren Zeitpunkt, unter Vorbehalt, über die Ärztekammer oder andere Verwalter erfolgen“ kann. Da es in der Gemeinde derzeit keinen Hausarzt gibt, scheint es dringlicher denn je, dass die Rathausverwaltung die Aufgabe erfüllt, die sie sich seit Jahren selbst stellt – bislang erfolglos: einen Allgemeinmediziner in Ellhofen anzusiedeln.
Zunächst war er zur Ergänzung von Dr. Keilbach gedacht. Ellhofen steht laut Bürgermeister Wolfgang Rapp aufgrund seiner Größe ein zweiter Arztsitz zu.
Kontakt zu einem Mediziner ist da
Die Lage derzeit ist prekär. Da fügt es sich gut, dass just dieser Tage Licht am Ende des Tunnels erscheint. Wie berichtet, gibt es seit einigen Wochen einen vielversprechenden Kontakt zu einem Mediziner. Am Donnerstag gab es ein weiteres Gespräch zwischen Arzt und Bürgermeister. Der Rathauschef nennt weitere Details: Demnach handelt es sich um einen Arzt aus einem benachbarten Landkreis, der mehrere Zweitpraxen betreibt und auch in Ellhofen eine Zweigstelle eröffnen würde. Er beschäftigt laut Rapp zwischen zehn und 15 Mediziner, dazu die Fachangestellten – „insgesamt rund 100 Mitarbeiter“.
Bekanntlich soll sich der Mediziner in neu erbauten Räumen in der Hinteren Straße ansiedeln, die im Rohbauzustand sind und für die die Gemeinde seit längerem Freihaltegebühren an den privaten Eigentümer zahlt – und hofft, dass ein Arzt anbeißt.
Der Mediziner aus dem Nachbarkreis „hat nach wie vor starkes Interesse“. Er habe auch bereits einen Vorvertrag mit dem Vermieter geschlossen, sagt Wolfgang Rapp. Vermieter und potenzieller Mieter müssten sich nun über die Kostenaufteilung für den Ausbau der Praxis und die Einbauten einig werden. Für die Einrichtung habe eine Firma mittlerweile ein Angebot gemacht. Dieses diene als Verhandlungsgrundlage zwischen Verpächter und Pächter in spe.
Zuschuss von der Kommune
Die Kommune gewährt, so Rapp, einen Investitionskostenzuschuss für die Einrichtung. Darüber müssen Arzt und Gemeinde eine Vereinbarung unterzeichnen. Wenn sich alle Beteiligten einig sind, dann könnten nach Rapps Sicht der Dinge „noch in diesem Jahr Nägel mit Köpfen gemacht werden“, also Unterschriften gesetzt werden.
Es wird vermutlich 1. Juli 2019, bis die Praxis den Betrieb aufnehmen kann. So lange wird es wohl dauern, bis die Räume ausgebaut sind. Größte Hürde wird sein, einen Arzt oder eine Ärztin zu finden, der oder die dann in Ellhofen arbeitet. „Die Praxis hat keine Reserve.“ Abhängig davon ist auch der Stellenumfang. Da die neue Praxis keine Konkurrenz zum Jahrzehnte lang praktizierenden Dr. Hans Keilbach sein sollte, sei für die neuen Räume in der Hinteren Straße zunächst eine 50-Prozent-Stelle im Gespräch gewesen, so Rapp.
Über eine Aufstockung hätte man erst nachgedacht, wenn Hans Keilbach in den nächsten Jahren in den Ruhestand gegangen wäre und keinen Nachfolger parat gehabt hätte. Da die Situation aktuell eine andere ist, „wünschen wir uns von Gemeindeseite mindestens 100 Prozent“, sagt Rapp.
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