Naturnaher Pannendienst für Mountainbiker
An der Krugeiche bei Oberstenfeld können Mountainbiker künftig ihr Fahrrad reparieren und nachjustieren. Das nötige Werkzeug dazu finden sie an einem Service-Baum, den Aktive des Vereins Trailsurfers gebaut und aufgestellt haben.

Ob platter Reifen, gelöste Schrauben oder zu wenig Luft in der Federgabel - ärgerlich, wenn einem das während einer ausgedehnten Mountainbike-Tour passiert. Auf den Strecken rund um Oberstenfeld können Radsportler im Fall einer Panne jetzt den Wanderparkplatz an der Krugeiche ansteuern. Dort finden sie an einem Servicebaum alles, was an Werkzeug nötig ist, um das Rad wieder fahrtauglich zu bekommen.
Der Begriff "Baum" ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen, denn im Gegensatz zu den in vielen Kommunen bereits vorhandenen Service-Säulen aus Edelstahl handelt es sich hier tatsächlich um einen umfunktionierten Baum: "Das Schild im oberen Teil ist aus Eibenholz, der Stamm kommt von einer Esche, die vom Triebsterben befallen war", erläutert Steffen Link von den Trailsurfers Baden-Württemberg. Seines Wissen nach sei es die erste Servicestation dieser Art im Oberen Bottwartal.
Alles da, was zum Nachjustieren benötigt wird
"An den abstehenden Ast kann das Rad gehängt werden, damit man sich beim Reparieren nicht auf den Boden kauern muss", sagt Link. Am Stamm selbst sind - gesichert mit stabilen Stahlseilen - unter anderem Richtwerkzeug zum Einstellen der Bremsen, eine Kettenzange, Imbusschlüssel sowie Pumpen für Reifen und Dämpferelemente befestigt. "Theoretisch könnte man hier auch mit einem neuen Rad herkommen und gleich alle individuellen Grundeinstellungen vornehmen", umschreibt Mountainbiker Marcel Krefft das Ausstattungspotenzial.
Gebaut haben den Service-Baum die Trailsurfers in rund 60 Arbeitsstunden selbst, Idee und Ausstattung steuerte Andreas Ulrich bei. Der Außendienstler eines Stuttgarter Unternehmens, das sich unter anderem auf den Vertrieb von Fahrradteilen spezialisiert hat, war selbst schon auf den Trails im Bottwartal unterwegs. Seine Firma hat die Werkzeuge zur Verfügung gestellt. "Was repariert wird, das muss nicht neu gekauft werden", betont Ulrich den Nachhaltigkeitsgedanken, der hinter dem Projekt steckt.
Auch der Standort ist bewusst gewählt: "Der Platz an der Krugeiche hat sich zu einem richtigen Treffpunkt für Mountainbiker entwickelt, daher passt das sehr gut", ist Oberstenfelds Bürgermeister Markus Kleemann überzeugt. Das Angebot sei eine "tolle Ergänzung, die nicht zuletzt auch zur Sicherheit aller beiträgt". Überhaupt sei die Verwaltung froh, mit den Trailsurfers einen Anprechpartner gefunden zu haben, mit dessen Unterstützung die zuvor von Bikern wild angelegten Strecken kanalisiert und durch offizielle Trails ersetzt worden seien.
Angebot könnte weiter ausgebaut werden
"Das hat das Miteinander von Wanderern, Spaziergängern und Radfahrern entscheidend verbessert", so Kleemann. Sowohl Verwaltung als auch die Trailsurfers können sich vorstellen, dass das Angebot in absehbarer Zeit noch ergänzt wird, etwa durch Sitzgelegenheiten und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, die auch aus Holz angefertigt werden könnten.
Und: Für die Biker aus dem Bottwartal könnte der Service-Baum sogar zu einem Geschäftsmodell werden, wie Steffen Link schmunzelnd berichtet: "Es gibt bereits Anfragen aus anderen Streckenregionen wie etwa von der Heuchelberger Warte, ob sie dort nicht auch so etwas bekommen können."
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