Hochbetrieb im Wald: Holzeinschlag an mehreren Stellen im Revier Wildeck
Maschinen und Menschen sind bei der Holzernte im Einsatz. In den Löwensteiner Bergen muss die Arbeit nächste Woche erledigt sein. Der Wald im Herbst bietet ein Farben- und Lichtspiel.

Der Greifer packt sich eine der 30 Meter langen Fichten an der Böschung, die die Waldarbeiter gefällt haben, und hievt sie hoch. Der Stamm rutscht durch die Entastungsmesser des Aufarbeitungskopfes. In Sekundenschnelle ist er nackt. Jetzt fährt die Säge aus und zerteilt das Holz in fünf Meter lange Stücke zur Verwendung als Baumaterial. Max Gulden leistet mit dem Vollernter Arbeit wie im Akkord. Er ist der Juniorchef des gleichnamigen Obersulmer Forstunternehmens, das neben zwei weiteren Betrieben mit schwergewichtigen Maschinen bei der Holzernte im Revier Wildeck im Einsatz ist. Im Herbst herrscht Hochbetrieb im (Staats-)Wald. Revierleiter Alexander Fichtner hat alle Hände voll zu tun. Nächste Woche muss der Einschlag in den Löwensteiner Bergen erledigt sein, bevor es zu nass fürs Rücken wird.
Fichtner fährt die Einschlagstellen an den unterschiedlichen Ecken ab, um sich mit den Firmen und seinen vier Waldarbeitern zu besprechen, gibt ins Aufnahmetablet Längen und Stammdurchschnitt ein und leitet die Daten für denVerkauf an die Dienststelle des Forstbezirks in Eppingen. Auch um die Aufforstung muss er sich kümmern.
Aufforstung folgt auf dem Fuß

Denn nachdem die von Käfer, Krankheit und Sturm geschädigten Fichten und Eschen auf der Fläche im Löwensteiner Klosterwald beseitigt sind, geht es gleich an die Aufforstung. Am Montag werden 600 Eichen, Flatterulmen und Roterlen gepflanzt, Sorten, die klimastabiler sind und standorttypisch entlang des Bächleins. 4,2 Hektar Aufforstungsfläche sind im Betriebsplan ausgewiesen. "Das ist sehr viel", sagt Fichtner. Wo es der Standort erlaubt, kommen auch Douglasien und Fichten in den Boden, um für Nachschub in 200 Jahren für die Baubranche zu sorgen.
Mit dem Forwarder werden die Polter aufgeschichtet

An anderer Stelle im Klosterwald läuft der letzte Arbeitsschritt. Sebastian Stemmer sammelt mit dem Forwarder die geschnittenen Stämme auf und schichtet sie nach unterschiedlichen Längen zu Poltern. Fichtner kennzeichnet mit Holzlisten- und Losnummer das Holz für den Käufer.
Wo Forstunternehmen und Waldarbeiter im Einsatz sind, sind die Waldwege gesperrt. Allzu oft wird das rot-weiße Flatterband ignoriert. Wer das tut, setze sich einer extremen Gefahr aus. "Es ist wirklich ein Drama, weil die Leute keinen Sinn haben für die Bewirtschaftung im Wald", beklagt der Revierleiter.
Ahorn ist am farbenprächtigsten

Der Herbst ist Fichtners liebste Jahreszeit. "Weil das Farben- und Lichtspiel im Wald was ganz Besonderes ist." Er zeigt auf eine Roteiche. "Sie ist schön dunkelrot, fast blutrot." Die Kirsche hingegen ist bereits blank, der Sturm hat ihr Kleid davongeweht. Der Ahorn sei am farbenprächtigsten. Aus dem Grün der Buchen- und Eichenblätter würden unterschiedliche Pastelltöne. Die Färbung hänge vom Standort ab, erklärt er und von der Nährstoffeinlagerung. "Die letzte Woche im Oktober ist immer die schönste Zeit im Oberen Sulmtal", meint der Löwensteiner. "Dann geht es ganz schnell mit Sturm, Frost und schlechtem Wetter."
Was tut sich im Herbst in der Tierwelt? "Die Jungen werden in die Selbstständigkeit entlassen", antwortet Fichtner. Vor allem Füchsinnen vertreiben ihren Nachwuchs, um Inzucht zu vermeiden. Beim Rehwild behaupte der Stärkere das Territorium, der Schwächere müsse sich ein freies suchen. Nicht nur deshalb ist viel Bewegung im Wald, auch weil es jetzt länger dunkel ist. Deshalb Vorsicht vor Wildwechsel.
Es gibt viele Wildschweine

Ein reich gedeckter Tisch mit Eicheln im vergangenen Jahr, Drückjagden, die wegen Corona kleiner ausfielen und der Klimawandel, der weniger Verluste bei den Frischlingen mit sich bringt und damit eine hohe Reproduktionsrate - all das hat laut Fichtner für einen hohen Schwarzwildbestand gesorgt.
10.000 Festmeter werden bis März 2022 im Staatswald des Reviers Wildeck eingeschlagen. "Das ist viel Holz", sagt Leiter Alexander Fichtner. Sein Revier ist mit 1600 Hektar auf Wüstenroter, Löwensteiner, Obersulmer, Abstatter, Beilsteiner, Untergruppenbacher und Heilbronner Gemarkung aber auch groß. Der Jahreshiebsatz sei nachhaltig, betont Fichtner, es werde nur so viel Holz eingeschlagen wie nachwächst. "Sonst würde man den Wald plündern." In der Forsteinrichtung wird der Zuwachs gemessen.

Stimme.de
Kommentare