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Wüstenrot

Evangelische Täufergemeinde Neuhütten blickt ein Jahr nach Kriegsausbruch auf die Flüchtlingshilfe zurück

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Zwei Tage nach Kriegsausbruch trafen die ersten Ukrainer bei der Täufergemeinde in Neuhütten ein. Vorsitzender ist dankbar, dass die Kirchengemeinde die Aufgabe gestemmt hat.

Die ETG hat aktuell zusammen mit der evangelisch-methodistischen Kirche Neuhütten für einen Transport in die Ukraine gesammelt.
Foto: privat
Die ETG hat aktuell zusammen mit der evangelisch-methodistischen Kirche Neuhütten für einen Transport in die Ukraine gesammelt. Foto: privat  Foto: privat

"Wenn man so etwas auf die Beine gestellt hat und sieht, dass es funktioniert, dann gibt das einem Befriedigung." Ein Jahr nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine zieht Dr. Kay Schloe, Vorsitzender der Evangelischen Täufergemeinde (ETG) Neuhütten, Bilanz der geleisteten Flüchtlingshilfe. Ein Beispiel der vielen Initiativen landauf landab. Die ETG öffnete die Türen ihrer Arche, in der teilweise zeitgleich bis zu 50 Menschen aus der Ukraine ein Obdach fanden. Schloe empfindet ein Gefühl der Dankbarkeit, diese Aufgabe als Kirchengemeinde gestemmt zu haben. Heute stehen noch etwa 15 Paten den Familien als Ansprechpartner zur Seite.

Großes Entsetzen

"Putin spielt nur", das hatten Schloe wenige Tage vor Kriegsausbruch am 24. Februar 2022 noch Geschäftspartner in der Ukraine gesagt. "Sie hatten wenig Angst, dass Krieg kommt", so der Wüstenroter, der im Marketing im Pharmabereich tätig ist. Umso mehr war er entsetzt, dass es doch so kam.

Wenig Zeit zur Vorbereitung

Ein Gemeindemitglied, das aus der Ukraine stammt, postete gleich am nächsten Tag in den sozialen Netzwerken, dass Flüchtlinge nach Wüstenrot kommen könnten. Der Vorstand war zwar perplex, viel Zeit zum Überlegen und Vorbereiten blieb nicht. Einen Tag später trafen die ersten zehn Flüchtlinge ein. Die Gruppenräume des ETG-Gemeindehauses wurden flugs in Schlafräume umgewandelt. Etwa ein Dutzend Mitglieder konferierte jeden Abend, was zu tun ist.


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Anteilnahme und Solidarität

"Es gab sehr schnell Hilfe von der Gemeinde, und jeder aus dem Ort hat sich nützlich gemacht", ist Schloe froh über die Anteilnahme und Solidarität. "Not schweißt zusammen", heißt es auf der Homepage der ETG. Menschen brachten Essen vorbei, Waschmaschinen und Trockner, sie spendeten Geld, damit die ETG die Versorgung leisten konnte, zählt Schloe einige Beispiele auf.

Mit Klaus Reinhardt, dem Vorsitzenden der evangelischen Kirchengemeinde Wüstenrot-Neulautern, die das leerstehende Pfarrhaus für Flüchtlinge öffnete, arbeitet er eng zusammen. Da war das Netzwerk der Landeskirche Württemberg hilfreich, was Wohnungsvermittlung und Spenden betraf. "Viel wurde auf dem kleinen Dienstweg organisiert", sagt Schloe.

Sprachkurs der Aufbaugilde in Wüstenrot

Die Flüchtlinge kamen später privat unter oder in angebotenen Wohnungen. Ein Teil kehrte inzwischen in die Heimat zurück. Die ETG half bei der Anmeldung beim Landratsamt und unterstützte die Flüchtlinge dabei, die finanziellen Leistungen zu bekommen. Es konnte erreicht werden, dass die Aufbaugilde einen Sprachkurs in Wüstenrot anbietet, der bei der Suche nach Arbeit helfen soll. Übergangsweise stellte die ETG mit eigenem Personal einen Kurs zusammen.

"Es gab anfangs Integrationsprobleme der Kinder in der Schule", berichtet Schloe. Die Georg-Kropp-Schule habe sehr schnell eine separate Klasse eingerichtet. Jüngere Ukrainer werden inzwischen in der Grundschule Neuhütten aufgenommen. Schloe erzählt von einem Geflüchteten, der aufs Gymnasium in Öhringen geht. "Das hat er in vier Monaten geschafft."

Begegngungscafé am 12. März

Mehr als 20 der einst in der Arche aufgenommenen Ukrainer hätten sich in der ETG integriert. "Es ist ein sehr wertvoller Kontakt", freut sich Schloe. Kontakte zwischen Einwohnern und Geflüchteten sollen im Begegnungscafé - erstmals am 12. März - geknüpft werden.

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