Erhält Eberstadt ein neues Wohngebiet?
Noch ist es nur eine Absichtserklärung. Doch wenn alle Eigentümer mitziehen, könnte ein Neubaugebiet "Mühlsteige" die Antwort auf die große Baulandnachfrage in Eberstadt sein. Bis zu 40 Bauplätze könnten dort entstehen.

Erstmal ist es nur eine Art Absichtserklärung, Äcker in Bauplätze umzuwandeln - mehr nicht. So wertet Eberstadts Bürger Stephan Franczak den Aufstellungsbeschluss, den der Gemeinderat jetzt einstimmig für das Gebiet "Mühlsteige" gefasst hat. "Das heißt nicht, dass morgen dort gebaut wird."
An anderer Stelle, in den "Maushecken", will das Gremium von vorneherein keine Bebauung. Im Idealfall, mutmaßt der Rathauschef, könnten aber in der "Mühlsteige" bis zu 40 Bauplätze entstehen. Die leidvollen Erfahrungen mit Grundstückseigentümern in den "Kirchhofäckern/Krautgärten" haben Franczak vorsichtig werden lassen. Die Chancen, dass es in der "Mühlsteige" was wird, schätzt er 50:50 ein.
Es ist über 20 Jahre her, dass in Eberstadt ein größeres Baugebiet erschlossen worden ist. 2020 soll damit endlich, endlich in den "Kirchhofäckern/Krautgärten" begonnen werden. Rund 35 Plätze sollen entstehen. Der Weg dahin war bekanntlich sehr steinig. Höchstens über die neue Halle wurde ebenso ausgiebig diskutiert wie über dieses Areal. Weil es Unstimmigkeiten mit Grundstückseigentümern gab, musste das einst viel größere Gebiet verkleinert werden.
Nachfrage nach Bauland ist groß
Mittlerweile scheint zwar auch ein zweiter Abschnitt realistisch, doch die Verwaltung streckt sicherheitshalber auch an anderer Stelle ihre Fühler aus. Denn: Die Nachfrage nach Bauplätzen sei enorm, "zwei bis fünf Anfragen täglich" erreichen das Rathaus, hatte Bürgermeister Franczak im November auf HSt-Nachfrage gesagt. Nicht nur der Druck von Bauwilligen ist groß. Dass Baugebiete in der letzten Sitzung des Jahres Thema waren, hat einen weiteren Grund: Will eine Kommune Bauland im beschleunigten Verfahren ausweisen, muss sie das Planverfahren bis 31. Dezember 2019 in Gang gebracht haben.
Eine Option ist die "Mühlsteige" am östlichen Ortsrand von Eberstadt. Ein kleiner Bereich der in Frage kommenden Fläche ist bereits seit Jahren im Flächennutzungsplan enthalten. Bis auf ein minimales Stück ist fast das ganze Areal in Privatbesitz - und das ist dann auch schon der Kern des Problems.
Diskutieren hinter verschlossener Tür
Vor dem Aufstellungsbeschluss, der in öffentlicher Sitzung gefasst wurde, hatte der Gemeinderat hinter verschlossenen Türen getagt - dabei haben Bürgermeister und Räte vermutlich deutlicher über das gesprochen, was Franczak später so formulierte: Es gebe einen Eigentümer, der die Konditionen der Gemeinde noch nicht akzeptiere. Klar sei für das Gremium nach dem Hickhack in den "Kirchhofäckern/Krautgärten": Realisiert werden soll ein Neubaugebiet "Mühlsteige" nur dann, wenn die Kommune vorab alles in ihren Besitz bringt. Gelingt ihr das nicht, werde das Vorhaben auf Eis gelegt, so der Bürgermeister.
Bedenkzeit für Eigentümer
Deshalb wird der Aufstellungsbeschluss für das Planverfahren bis 31. März 2020 befristet, und so wurde es auch ins Protokoll aufgenommen. Bis dahin hat der Eigentümer Bedenkzeit, ob er auf das Angebot der Gemeinde Eberstadt eingehen will, seinen Grund und Boden für 44 Euro pro Quadratmeter zu verkaufen, oder eben nicht. "Ich hoffe, dass wir zu Potte kommen", sagt Stephan Franczak im Gespräch mit unserer Zeitung. Er wartet nun ab, was der Grundstücksbesitzer zu tun gedenkt.
An anderer Stelle hat der Eberstädter Gemeinderat in der Sitzung von vorneherein abgewunken. Ein Baugebiet in den "Maushecken"? Nein, danke. "Was soll das?", fragte Michael Wolf (CDU). Gerade an dieser Stelle könne man keine Fläche versiegeln. Das Gebiet sei sumpfig. "Da wächst Schilf." Auch Anne Monika Weiner (BWV) mahnte, dass an dieser Stelle wegen der Hochwassergefahr kein Bauland ausgewiesen werden sollte.
Dass genau aus diesem Grund nur bestimmte Bereiche bebaut werden dürfen, hob Bürgermeister Stephan Franczak hervor, der sich später bei der Abstimmung enthielt. Gerhard Kästle (Grüne) sprach von einem "Kaltluftabzug", den es dort gebe. Am Ende war die überwiegenden Ratsmehrheit gegen einen Aufstellungsbeschluss. Ein Baugebiet "Maushecken" mit geschätzten zehn Plätzen ist damit vom Tisch.
Recht und Gesetz
§ 13b BauGB: Diese Kombination aus Zahlen, Zeichen und Buchstaben erlaubt es Kommunen, Wohnbauland im Außenbereich in einem beschleunigten Verfahren zu schaffen. Der Weg dahin ist leichter als üblich - so braucht es etwa keinen Umweltbericht, und die Fläche muss nicht im Flächennutzungsplan enthalten sein. Im Gegenzug sind verschiedene Vorgaben einzuhalten. So darf die überbaubare Fläche 10.000 Quadratmeter nicht überschreiten, und sie muss an einen bebauten Ortsteil anschließen.
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