Ein Rathaus auf Zeit schwebt daher
Seit Mittwoch, 4. Oktober, werden in der Ortsmitte von Ellhofen Container aufgestellt, die zwei Jahre lang als Interims-Rathaus dienen. So läuft der Aufbau ab.

Yvonne Friedrich schaut vom PC auf und wirft einen Blick durchs Fenster. "Schau mal, da rollt wieder ein Stück Rathaus vorbei", sagt die Mitarbeiterin der Ellhofener Verwaltung zu einer Kollegin. In der Tat: Container um Container werden am Mittwoch per Tieflader angeliefert und werden es auch am Donnerstag noch - 20 Stück insgesamt. Ein Autokran hievt sie zentimetergenau auf die vorbereiteten Fundamente. So wird Zug um Zug das Rathaus für die nächsten zwei Jahre zusammengesetzt. Denn das alte Domizil der Verwaltung wird ab Dezember als Herzstück des Großprojektes "Neue Ortsmitte" saniert und erweitert.
Mittwochmorgen, 8 Uhr. Der Autokran ist startklar, die fünf Männer der Firma Boels sind es auch. Die Spezialisten für Containeraufbau und Baustellenlogistik haben in den Tagen zuvor unter der Regie von Polier Muhsin Kizilaslanoglu Platten-Fundamente hergestellt. Pro Container - einer wiegt im Schnitt zweieinhalb Tonnen - werden sechs Fundamente benötigt. Es gibt auch Container mit nur einer langen Wand. Halbschalen heißen sie in der Containerspezialistensprache. "Sie werden später mit Klammern press an press aneinandergezogen", erläutert Bauleiter Ralf Müller.
348 Quadratmeter wird das Interims-Rathaus haben. 216 Quadratmeter entfallen nach Angaben von Bauamtsleiter Felix Pontow auf Büros, der Rest sind Flure, Toiletten, Lager und ein Pausenraum. Knapp 190.000 Euro Miete kostet das Container-Rathaus für zwei Jahre. Hinzu kommen 35.000 Euro für Verkabelung, Umbauten und den Umzug. Die Gemeinde muss all das dank des Landessanierungsprogrammes nicht komplett selbst bezahlen. "Wir gehen davon aus, dass wir 60 Prozent der Kosten gefördert bekommen", sagt Bürgermeister Wolfgang Rapp.
Sanfte Landung auf den Fundamenten
An jeder Ecke eines Containers wird eine Kette befestigt. Der Kranfahrer spannt die Ketten - und langsam erhebt sich ein weiterer Arbeitsplatz auf Zeit vom Tieflader aus in den stahlblauen Oktobermorgenhimmel - und wird kurz darauf sachte auf die Fundamente aufgesetzt. Bestaunt übrigens von zahlreichen Zuschauern: Jungen und Mädchen der angrenzenden Kita Neuenstädter Straße stehen neugierig hinterm Zaun. Dass ein Rathaus in Einzelteilen daherschwebt, sieht man ja nicht alle Tage.
Ab nächster Woche werden die Container - sie sind übrigens nagelneu, waren also noch nie in Gebrauch - verkabelt. "Jeder Container erhält auch eine Wärmepumpe zum Heizen und Kühlen", sagt Pontow. Der PVC-Boden ist schon vorinstalliert. Der Umzug vom bestehenden Rathaus in die Unterkunft auf Zeit ist für 7. und 8. November geplant. Bürgermeister Rapp: "An diesen beiden Tagen haben wir geschlossen und sind auch telefonisch nicht erreichbar." Voraussichtlich 24 Monate stehen die Container hinter dem Rathaus, zwei Monate sind als Puffer geplant.
Rathaus-Umbau ab Dezember
Im Dezember beginnen die Arbeiten am Bestandsgebäude. Zuerst wird der alte Anbau abgebrochen. Dann folgt der Aushub für den neuen: die Erweiterung um einen Saal und um ein Archiv. Eine Glasfuge wird Alt und Neu miteinander verbinden. Das Rathaus selbst - es wurde 1859 als Schulhaus gebaut - wird grundlegend saniert. Alles in allem sind Kosten von 5,2 Millionen Euro veranschlagt. Doch auch hier fließen Zuschüsse aus dem Landessanierungsprogramm. Nur die genaue Höhe steht noch nicht fest.
Das Großprojekt "Neue Ortsmitte" beschäftigt die Gemeinde Ellhofen planerisch schon seit mehreren Jahren. Im Sommer haben die Arbeiten im Außenbereich begonnen. Wesentlicher Teil der "Neuen Ortsmitte" ist die Sanierung und Erweiterung des Rathauses. Weil die Kosten aus dem Ruder zu laufen drohten, wurde die "Neue Ortsmitte" hier und da abgespeckt. Vor allem soll mit dem sogenannten Ergänzungsbau K3 erst begonnen werden, wenn die Finanzierung gesichert ist. Ein weiterer Ergänzungsbau wurde erst einmal zurückgestellt.
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