Ehemalige Firma Betten Braun ist abgerissen
Bis Mitte Juni sollen die Arbeiten in der Fleiner Erlachstraße abgeschlossen sein. Der Spatenstich zum Neubau des Edeka-Marktes ist am 1. Juli vorgesehen.

Es wirkt wie eine riesige Wunde, die zwischen der Erlachstraße und dem Fleiner Feuerwehrhaus gerade klafft. Verkaufsgebäude und Lager der ehemaligen Firma Betten Braun sind platt gemacht. Damit ist das Unternehmen, vor 70 Jahren gegründet, auch optisch verschwunden. Bis 15 Juni sollen die Abrissarbeiten abgeschlossen sein. Am 1. Juli ist Spatenstich für den Neubau des Edeka-Marktes.
Der Bagger mit dem Sortiergreifer gleicht einem stählernen Dinosaurier. Er beißt wieder zu, zerrt mit seinem langen Hals ein riesiges Knäuel aus Metallteilen aus dem Bauschutt und lädt es im Container ab. Die Materialien werden fein säuberlich getrennt.
1800 bis 2500 Tonnen Beton fallen an
Am Freitag hat die Firma SER aus Heilbronn begonnen, die aufgeschichteten Betonteile abzufahren. Die Dimension ist beeindruckend: 1800 bis 2500 Tonnen kommen zusammen, wie Bauleiter Güzel Toktas von der Abbruchfirma SER auf Nachfrage der Heilbronner Stimme berichtet. Er wartet mit weiteren Zahlen auf: Aus der Dachdämmung wurden 150 bis 200 Kubikmeter Styropor entsorgt, an Holz kamen 20 bis 30 Tonnen zusammen, an Baumischabfall - zum Beispiel PVC- und Teppichböden - 30 bis 40 Tonnen. Dazu gesellen sich 500 Tonnen Asphalt von den Parkplätzen.
Das mineralische Material wie Beton und Bauschutt werde recycelt, wie Toktas erklärt. Er ist froh, dass bis auf die künstlichen Mineralfasern der Dämmung kein Sondermüll angefallen ist. In Schutzanzügen und -masken hätten die Arbeiter diese Schadstoffe demontiert. Zwei Baggerführer, zwei Helfer und ein Polier sind derzeit mit den Abbrucharbeiten beschäftigt. Bis 15. Juni sollen sie beendet sein, wie Axel Weber, Gebietsexpansionsleiter bei Edeka, zur Auskunft gibt.
Die Entkernung dauerte drei Wochen

Bei der Entkernung und Entrümpelung des Gebäudekomplexes mit seinen 3700 Quadratmetern Verkaufsfläche waren drei Wochen lang acht bis zehn Arbeiter vor Ort. Sie konnten im Inneren nur auf kleines Gerät zurückgreifen. Zum Abbruch rückten dann große Maschinen an, Bagger mit Abbruchscheren. Wenn man Beton meißeln müsse, dann sei das schon laut, sagt Toktas. Allerdings sind bei ihm keine Beschwerden von Anwohnern in Sachen Staub und Lärm gelandet. Auch die Gemeinde erreichten laut Bauamtsleiter Hartmut Winkler diesbezüglich keine Klagen.
Die Abbruchbaustelle zieht hingegen Schaulustige an, vor allem Kinder. "Wenn sie einen Bagger sehen, dann sind sie begeistert", weiß Toktas, der sich auf jeden Abbruch freut und seine Aufgabe als Traumjob bezeichnet.
Der nächste Schritt: Die Keller werden verfüllt
Bodenplatte und Keller bleiben erhalten, mit dem Großmeißel werden noch Löcher in die Bodenplatte gebohrt, berichtet Toktas, um Wasser durchzulassen. Dann ist der Auftrag für SER erledigt. Axel Weber nennt die nächsten Schritte zur Vorbereitung für den Rohbau: Die Keller werden verfüllt, der Baugrund wird verdichtet. Die Baugenehmigung für den Vollsortimenter liege vor. Am 1. Juli ist Spatenstich. Weber schätzt die Bauzeit auf rund neun Monate, so dass im Frühjahr 2020 der Supermarkt mit 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche eröffnen könnte. Im Februar hatte der Gemeinderat den dafür nötigen Bebauungsplan "Kelteräcker II" als Satzung beschlossen. Das Verfahren ging zügig voran, nachdem vor zwei Jahren der Aufstellungsbeschluss gefasst worden war.
Zum Baustart des Vollsortimenters, den Thorsten Frank vom gleichnamigen örtlichen Frischetreff betreiben wird, soll die Sanierung des letzten Teilstücks der Erlachstraße fertig sein. Denn hier muss der Edeka-Baustellenverkehr durch. Eigentlich sollte die Straße Ende Mai wieder frei sein, es kam jedoch zu Verzögerungen, etwa beim Kanalbau. "Manche Dinge sieht man erst, wenn man aufmacht", sagt Bauamtsleiter Hartmut Winkler.
Vergangenheit & Zukunft

Zum Jahresende 2016 hat die Traditionsfirma Betten Braun in Flein den Betrieb eingestellt. Private Gründe hatte Juniorchef Lutz Braun damals gegenüber dem Südwestrundfunk angegeben. Zuletzt waren in der Fabrik und dem Bettenhaus 45 Mitarbeiter beschäftigt. Herbert und Emmi Braun gründeten im Mai 1949 das Unternehmen. Sie nähte Bettwäsche und Leintücher, die ihr Mann dann mit dem Moped ausfuhr.
Der Laden in der Erlachstraße wurde in den 70er Jahren eröffnet. In den 80er Jahren erweiterte die Bettwäsche- und Steppdeckenfabrik. So wurde 1989 die neue Verkaufs- und Ausstellungshalle fertig gestellt. Das Unternehmen wuchs kontinuierlich, hatte im Jahr 2000 zum Beispiel 120 Mitarbeiter, davon waren 40 in der Produktion.
Mit der Nachricht von der Schließung nahm Edeka Gespräche mit den Eigentümern auf und kaufte das Gelände. Die Gemeinde plante schon lange, die Grundversorgung zu sichern und anstelle des Lebensmittelgeschäfts in der Kellergasse eine Markthalle zu bauen. Nun bekommt Flein fußläufig von der Ortsmitte einen Vollsortimenter mit Bistro und Backshop.
Stimme.de
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