Drei Stunden Sport am Tag sind für Chris Baumann Routine

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Chris Baumann trainiert hart, ernährt sich bewusst und formt seinen Körper nach seinen Vorstellungen. Im Interview spricht er darüber, wie sein Alltag aussieht, in dem es darum geht, immer besser zu weden.

Auf seinem Instagram-Kanal zeigt Chris Baumann, dass drei Stunden Sport am Tag sich bezahlt machen. Foto: privat
Auf seinem Instagram-Kanal zeigt Chris Baumann, dass drei Stunden Sport am Tag sich bezahlt machen. Foto: privat  Foto: privat

Wie viel Disziplin gehört dazu, jeden Tag mehrere Stunden Sport zu machen? Andere haben den Neujahrsvorsatz, sich mehr zu bewegen, schon über Bord geworfen, da ist der Januar nicht mal vorüber. Dass sich ein Schlendrian einstellt, kennt Chris Baumann nicht. Sich gehen lassen? Das ist ihm fremd. Der 24-Jährige spricht über seinen Alltag, in dem es für ihn darum geht, als Sportler immer besser zu werden.

Was denken Sie über sich selbst: Sind Sie schön?

Chris Baumann: (überlegt) Das ist immer Ansichtssache. Es gibt Menschen, denen ich gefalle, die meinen Körper ästhetisch finden, die etwas zum Anfassen haben wollen. Und anderen gefalle ich nicht.


Aber wenn Sie sich im Spiegel betrachten, denken Sie, das passt?

Baumann: Nein. Ich bin jemand, der nie zufrieden ist. Ich möchte immer besser werden. Es gibt verschiedene Punkte, an denen ich denke, da könnte noch etwas mehr gehen, und andere Stellen, wo etwas weniger gut wäre.


Grundsätzlich fühlen Sie sich wohl mit sich?

Baumann: Ja.


In Ihrem Körper steckt viel Arbeit ...

Baumann: ... das auf jeden Fall.


Wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Leben aus, um dieses Ergebnis zu erzielen?

Baumann: Ich stehe morgens auf, frühstücke und fahre anschließend ins Fitnessstudio. Dort trainiere ich zwei, drei Stunden - erst mache ich Krafttraining und dann Cardio. Wenn ich nach Hause komme, esse ich etwas. Mittags erledige ich dann alltägliche Dinge wie Bildermachen, oft zusammen mit meiner Mum. Danach entspanne ich dann ein bisschen oder lege mir Termine wie dieses Gespräch auf den Nachmittag. Später koche ich Essen für den nächsten Tag vor. Das ist meine Routine. Eigentlich ist es jeden Tag das Gleiche (lacht).


Wie regenerieren Sie?

Baumann: Es gibt natürlich schon auch mal einen Tag, an dem ich nicht trainiere. Ich gehe dann zum Beispiel zur Massage, mache Dinge, die man eben für die Regeneration tut.


Sie sagten eben, dass Sie abends oft das Essen vorkochen. Welchen Stellenwert nimmt die Ernährung ein?

Baumann: Also, mindestens 70 oder 80 Prozent gehen auf die Ernährung zurück, damit mein Körper so aussieht, wie er aussieht. Es ist doch so, wenn du ein Auto mit Mist betankst, fährt es nicht. Es gibt den Spruch, du bist, was du isst. Ich finde, das stimmt.


Wie sieht es mit Nahrungsergänzungsmitteln und anderen Substanzen aus?

Baumann: Auf verbotene Substanzen kann ich verzichten. Ich habe einen Sponsor, von dem nehme ich Nahrungsergänzungsmittel wie Eiweiß, Aminosäuren, Vitamine oder Mineralien. Ich würde Nahrungsergänzungsmittel aber nur dem empfehlen, der über die normale Ernährung Mangelstoffe nicht abdecken kann.


Was essen Sie denn so?

Baumann: Ich achte darauf, keine verarbeiteten Kohlenhydrate zu essen. Nudeln zum Beispiel esse ich eher nicht. Ich esse Reis oder Kartoffeln, Fleisch auch eher weniger. Und dann brauche ich natürlich viel Eiweiß, viele Eier, viel Gemüse.


Wie haben Sie sich das Wissen angeeignet?

Baumann: Vieles habe ich in der Ausbildung zum Sport- und Fitness-Kaufmann gelernt. Außerdem habe ich im Internet recherchiert. Manches hört man von Sportkollegen. Im Grunde habe ich mir alles selbst angeeignet.


Bei Ihnen gibt es das also nicht, dass Sie feststellen, dass Sie Hunger haben und sich fragen, was könnte ich denn jetzt essen?

Baumann: Nein, ich habe auch beim Essen meine Routine. Damit komme ich optimal klar.


Was treibt Sie an?

Baumann: Jetzt kommen wir zum Beginn unseres Gesprächs zurück. Im Sport ist es eigentlich so, dass man nie zufrieden mit dem Erreichten ist. Ich versuche, mich von Training zu Training zu steigern. Auch die Faktoren Ernährung und Regeneration sind dabei enorm wichtig. Es ist wie bei einem Zahnrad, bei dem eins ins andere greift. Wenn ich nicht genug schlafe, performe ich auch nicht so gut im Training. Oder wenn ich mal einen Burger esse, merke ich das am nächsten Tag auch sofort, fühle mich ein bisschen müde oder träge.


Denken Sie, dass dieser Ansporn, immer besser werden zu wollen, irgendwann ausgereizt ist?

Baumann: Ich denke, wenn man seinen Sport richtig betreibt, hat man immer Ambitionen.


Waren Sie schon immer ein zielstrebiger Typ?

Baumann: Ich betreibe schon seit 15 Jahren Sport. Früher habe ich Handball gespielt und auch da wollte ich besser werden.


Gilt das für Sie in allen Lebensbereichen, wie waren Sie zum Beispiel in der Schule?

Baumann: Okay, die Schule war für mich eher zweitrangig. Aber ich merke dennoch, dass sich die Disziplin beim Sportmachen auch auf andere Lebensbereiche ausdehnt. Wenn ich etwas haben möchte, ein bestimmtes Handy beispielsweise, arbeite ich darauf hin.


Wie fing es an, dass Sie Ihren Körper definieren wollten?

Baumann: Es fing so an, dass ich, als ich etwa 15 war, immer weniger gegessen habe. Ein Fehler, den bestimmt einige machen, die beispielsweise ein Sixpack möchten. Ich sah bei dem einen oder anderen Handball-Kollegen den definierten Bauch und dachte, ich esse weniger und dann sind die Muskeln zu sehen. Es artete aus, ich wurde magersüchtig.


Wie sind Sie da wieder rausgekommen?

Baumann: Ich muss offen und ehrlich sagen, dass an mir nichts mehr dran war. Andere, meine Familie, Freunde, sagten, ich sei nur noch Haut und Knochen. Ich fing an, mir Gedanken darüber zu machen und informierte mich. Ich las viel über Ernährung, darüber, wie man gesund zunimmt. Letztlich gehörten Ehrgeiz und Willenskraft dazu, den Prozess wieder umzukehren.


Und sicher auch wieder Disziplin.

Baumann: Ich wurde von klein auf dazu erzogen, dass man, wenn man etwas macht oder sich vornimmt, das nicht mit 50 Prozent, sondern mit 100 Prozent angeht. Das hat sich bis heute nicht geändert.


Lassen Sie sich auch mal gehen?

Baumann: Hm, eigentlich nicht. Ich bin schon so weit, dass ich das einfach nicht will. Der Sport, die Ernährung sind ein Teil meines Lebens. Das bin ich.


Viele Menschen nehmen sich vor, mehr Sport zu treiben, und schaffen es nicht. Was würden Sie ihnen raten?

Baumann: Ich würde mir kein festes Ziel vornehmen wie, ich gehe ab sofort drei Mal in der Woche ins Fitnessstudio oder drei Mal die Woche laufen. Ich würde es langsam angehen. Das Ziel zu erreichen, ist ein langer Prozess, den ich mir aufteilen würde. Wichtig ist, überhaupt mal ab und zu ins Studio oder laufen zu gehen. Ich würde meine Gesundheit an erste Stelle setzen.


Chris Baumann ist 24 Jahre alt und lebt mit seinen Eltern in Happenbach, einem Teilort von Abstatt. Dort ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen. Den Realschulabschluss macht er in Heilbronn. Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter absolviert er ein freiwilliges soziales Jahr in einer Schule und anschließend eine Ausbildung zum Sport- und Fitness-Kaufmann. Baumann tritt bei internationalen Bodybuilding-Wettkämpfen in der Klasse Men's Physique an und schlägt eine Profi-Karriere ein.

 

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